Im Sattel durch Vulkanlandschaft: Radfahren auf Gran Canaria
Gran Canaria ist unter Radsportlern Europas kein Geheimtipp mehr – das Inselinnere mit seinen Höhenunterschieden, das stabile Klima von Oktober bis April und die Dichte an asphaltierten Bergstraßen machen die Insel zu einem der beliebtesten Trainingsziele des Kontinents. Profiteams aus der WorldTour nutzen Gran Canaria als Wintertrainingslager; Hobbysportler aus ganz Europa kommen für Rennrad-Trainingslager. Das Besondere: Die Strecken sind für alle Level fahrbar – von flachen Küstenrunden für Einsteiger bis zu Hochlandklassikern, die 2.000 Höhenmeter summieren.

Mountainbike hat auf Gran Canaria eine eigene Szene: Die abwechslungsreiche Vulkanlandschaft bietet zahlreiche Möglichkeiten für MTB- und Gravel-Fahrer. Neben angelegten MTB-Strecken gibt es Forstwege, Schotterrouten und anspruchsvolle Trails durch die Berglandschaften der Insel. Besonders die Kiefernwälder im Norden und Westen sowie der Naturpark Tamadaba gehören zu den beliebtesten Regionen. In Schutzgebieten gelten besondere Regeln – nicht jeder sichtbare Weg darf befahren werden.
Mit dem E-Bike werden viele klassische Hochlandrouten wie der Anstieg nach Cruz de Tejeda oder längere Passstraßen deutlich zugänglicher. Auch der Pico de las Nieves ist mit elektrischer Unterstützung möglich – bleibt aufgrund der Länge, der Höhenmeter und der Höhenlage aber eine anspruchsvolle Tagestour.
Verleih und geführte Touren: Anbieter auf Gran Canaria
| Anbieter | Telefon | Website | Standort | Angebot | |
| Free Motion | +34 928 777 479 | Nein | free-motion.com | Maspalomas / Meloneras | MTB, Rennrad, E-Bike; geführte Touren |
| Rent Bike Playa Meloneras | +34 928 50 93 73 | Ja/Online | rentbikeplayameloneras.com | Meloneras / Maspalomas | Rennrad, MTB, E-Bike Verleih |
Drei klassische Touren im Überblick
Tour 1: Küstenrunde Süd – für Einsteiger und E-Bike
Strecke: Maspalomas → Puerto Rico → Puerto de Mogán und zurück. Länge: ca. 50 km, Höhenmeter: ca. 400 hm. Schwierigkeit: leicht bis mittel.
Die südliche Küstenstraße GC-500 führt von Maspalomas Richtung Westen: flach bis wellig, mit vielen schönen Ausblicken auf den Atlantik. Für Einsteiger, Wiedereinsteiger und E-Bike-Fahrer ideal. Rückkehr entlang derselben Strecke oder über den etwas hügeligen Inlandweg. Start und Ende: Maspalomas oder Playa del Inglés. Teilstücke der GC-500 können wegen Bauarbeiten oder Steinschlaggefahr zeitweise gesperrt sein – dann muss auf alternative Inland-Verbindungen ausgewichen werden.

| Länge | ca. 50 km (Hin und zurück) |
|---|---|
| Höhenmeter | ca. 400 hm |
| Schwierigkeit | Leicht bis mittel |
| Fahrzeit | Ca. 2,5–3 Stunden |
| Geeignet für | Einsteiger, Familien, E-Bike, Hobbyfahrer |
| Highlight | Küstenblick, Puerto de Mogán Hafen |
Praxistipp:
An der Südküste kann der Wind stärker sein als erwartet. Besonders auf dem Rückweg von Puerto de Mogán Richtung Osten kommt häufig Gegenwind auf. Gerade E-Bike-Fahrer sollten deshalb etwas Reserve bei Akku und Kondition einplanen.
Tour 2: Klassischer Hochlandaufstieg – der Rennrad-Klassiker
Strecke: Maspalomas → Fataga → Cruz de Tejeda → Tejeda und Abstieg. Länge: ca. 85 km, Höhenmeter: ca. 1.900 hm. Schwierigkeit: schwer.
Der Aufstieg durch den Barranco de Fataga auf der GC-60 ist einer der schönsten Rennrad-Anstiege Gran Canarias: 40 Kilometer Klettern von Meeresniveau auf 1.450 Meter, durch Palmenschlucht, Bergdorf Fataga und schließlich Cruz de Tejeda. Der Abstieg über Tejeda und zurück über die GC-60 oder alternativ über die Ostseite. Für geübte Radsportler; nicht für untrainierte Freizeitfahrer ohne Vorvorbereitung.
| Länge | ca. 85–100 km |
|---|---|
| Höhenmeter | ca. 1.800–2.000 hm |
| Schwierigkeit | Schwer |
| Fahrzeit | Ca. 4–6 Stunden |
| Geeignet für | Trainierte Radsportler, Rennrad |
| Highlight | Barranco de Fataga, Cruz de Tejeda, Panoramablick |
Tour 3: MTB-Runde Tamadaba – für Mountainbiker
Strecke: Naturpark Tamadaba – Rundkurs über Wald- und Schotterwege. Länge: ca. 25–35 km, Höhenmeter: ca. 800–1.200 hm. Schwierigkeit: mittel bis schwer.
Der Naturpark Tamadaba im Nordwesten Gran Canarias bietet eindrucksvolle Kiefernwälder, Forstwege und anspruchsvolle Schotterrouten mit Blick auf den Roque Faneque und die Steilküste. Die Orientierung erfolgt meist über GPS-Tracks oder mit lokalen Guides, da die Wegeführung nicht überall ausgeschildert ist. Innerhalb des geschützten Naturparks gelten besondere Regeln; Wildcampen und Feuer sind verboten.

| Länge | ca. 25–35 km (je nach Route) |
|---|---|
| Höhenmeter | ca. 800–1.200 hm |
| Schwierigkeit | Mittel bis schwer |
| Fahrzeit | Ca. 3–5 Stunden |
| Geeignet für | MTB-Fahrer, Trailsport |
| Highlight | Kiefernwald, Roque Faneque, Atlantikblick |
Praktische Tipps für Radfahrer
Beste Reisezeit
Oktober bis April ist die beste Zeit für Radsport auf Gran Canaria: Die Temperaturen im Hochland liegen bei 10–18 Grad – kühl genug für intensive Anstiege, warm genug für angenehmes Fahren. Im Sommer ist es im Süden und Hochland heiß (30–35 Grad); wer dennoch fährt, startet vor 9 Uhr morgens.
Im Hochland kann sich das Wetter innerhalb weniger Kilometer stark verändern. Während an der Küste angenehme Temperaturen herrschen, können in Höhenlagen über 1.500 Metern Wolken, Wind und deutlich kühlere Bedingungen auftreten. Eine zusätzliche Windjacke gehört deshalb bei längeren Bergtouren ins Gepäck.
Ausrüstung und Verleih
Free Motion und Rent Bike Playa Meloneras bieten Rennräder, MTBs und E-Bikes in verschiedenen Größen an. Eigene Pedale, Schuhe und Helm sind empfehlenswert; das grundlegende Bike-Equipment ist vor Ort verfügbar. Transfer zum Startpunkt (z.B. Tamadaba oder Tejeda) ist bei geführten Touren oft im Preis enthalten.
Straßenverhältnisse
Die asphaltierten Hauptstraßen Gran Canarias sind in gutem Zustand und für Rennrad gut geeignet. Die GC-200 Westküstenstraße ist für Rennrad möglich, aber kurvenreich und mit Gegenverkehr – lieber früh morgens oder mit geführter Tour. Schotterwege im Tamadaba sind für gravel- oder MTB-Reifen ausgelegt.
Verkehr und Sicherheit:
Die Bergstraßen Gran Canarias sind bei Radfahrern beliebt, werden aber auch von Autos und Motorrädern genutzt. Besonders auf kurvenreichen Strecken wie der GC-60 oder GC-200 ist vorausschauendes Fahren wichtig. Eine gut sichtbare Kleidung und funktionierende Beleuchtung erhöhen die Sicherheit zusätzlich.
Gran Canaria als Radsportziel im europäischen Vergleich
Gran Canaria wird oft mit Mallorca verglichen, das als das bekannteste Radsport-Reiseziel Südeuropas gilt. Der Hauptunterschied: Mallorca hat mehr ebene Strecken und ist stärker auf Rennrad ausgerichtet; Gran Canaria hat mehr Höhenmeter, steilere Anstiege und eine wildere Landschaft. Wer Berganstiege sucht und nicht nur flache Etappen, ist auf Gran Canaria besser aufgehoben. Das Preisniveau für Unterkunft und Verleih ist auf Gran Canaria in der Regel günstiger als auf Mallorca.
FAQ
Braucht man ein eigenes Rad, oder reicht Mietrad?
Sind die Straßen im Hochland für Rennrad sicher?
Gibt es organisierte Radveranstaltungen auf Gran Canaria?
Gibt es auf Gran Canaria auch Fahrradwege?
Ist Gran Canaria auch für Anfänger mit dem Fahrrad geeignet?
Radsport-Events und lokale Szene
Gran Canaria verfügt über eine aktive Radsport-Szene, die für ausländische Urlauber offen ist. Die internationale Gran Canaria Bike Week gehört zu den wichtigsten Radsportveranstaltungen der Insel. Geführte Etappen, verschiedene Leistungsgruppen und ein gemeinsames Rahmenprogramm machen sie besonders bei Urlaubern beliebt. Termine und Buchung unter grancanariabikeweek.es .
Auch außerhalb der Veranstaltungen trifft man an den Wochenenden viele Radfahrer auf den klassischen Bergstrecken rund um Cruz de Tejeda und Tejeda. Die Cafeterien und Bars der Bergdörfer sind beliebte Treffpunkte nach einer langen Tour, wo Profis, Hobbyfahrer und Einheimische gemeinsam einkehren.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juni 2026.


