Pilancones – der vergessene Süden Gran Canarias

Zwischen dem touristischen Süden der Insel – Maspalomas, Playa del Inglés, Puerto Rico – und dem Zentralmassiv liegt eine Zone, die auf keiner Standardroute auftaucht und gerade deshalb zu den ehrlichsten Naturerlebnissen Gran Canarias gehört: der Parque Rural de Pilancones. Keine Restaurants mit Parkplatz-Aussicht, keine Shuttlebusse, kein geregelter Besucherstrom – nur tiefe Schluchten, Kiefernwald auf über 1.500 Metern, drei große Stauseen und ein Wassertunnel, durch den Wanderer bei trockenem Wetter hindurchgehen können. Kein anderes Gebiet Gran Canarias fühlt sich so vollständig unerschlossen an.

Eine schlanke Basaltspitze ragt aus dem Kiefernwald des Parque Natural de Pilancones.
Eine schlanke Basaltspitze ragt aus dem Kiefernwald des Parque Natural de Pilancones.

Das Herz des Parks ist Cruz Grande – kein Dorf, sondern ein wichtiger Ausgangspunkt auf rund 1.530 Metern Höhe. Die Passhöhe liegt an der Verbindung der GC-60 aus dem Fataga-Tal mit der Straße Richtung Ayacata und Tejeda. Ein Forsthaus, eine kleine Bar, ein Aussichtspunkt und der Beginn zahlreicher Wanderwege bilden den Mittelpunkt des Naturparks. Von hier reicht der Blick bei klarer Sicht bis zu den Dünen von Maspalomas.

Steckbrief Parque Rural de Pilancones

Fläche5.794 ha
LageMittlerer Süden Gran Canarias; Gemeinde San Bartolomé de Tirajana
HöheCa. 300 m (Stauseen) bis über 1.500 m (Cruz Grande)
SchutzstatusParque Rural; Teil des Biosphärenreservats Gran Canaria (UNESCO 2005); Natura 2000 Vogelschutzgebiet
GrenzenIm Norden: Parque Rural del Nublo; im Osten: Paisaje Protegido de Fataga
GeologieFonolithischer Fächer des Südens; ca. 9,6 Mio. Jahre; kaum Vulkanaktivität seitdem
StauseenPresa de Soria (größter Stausee Kanarische Inseln), Presa de Chira, Cuevas de las Niñas
StartpunktCruz Grande – Aussichtspunkt auf GC-60; ca. 30 Min. ab Maspalomas
Wanderrouten9 Routen auf Sunhikes.com; moderat bis schwer
WildcampenVerboten; Feuer verboten
Erodierte Schlucht im Kiefernwald, Pilancones-Naturpark.
Erodierte Schlucht im Kiefernwald, Pilancones-Naturpark.

Geologie – der alte Süden der Insel

Das phonolithische Südfächer

Das Pilancones-Gebiet ist geologisch eines der ältesten Bereiche des Südens Gran Canarias: Hier hat es seit etwa 9,6 Millionen Jahren kaum vulkanische Aktivität gegeben. Was zurückblieb, ist ein tief erodiertes Gewebe aus Schluchten, das durch die anhaltende Erosion von Barrancos geformt wurde. Das Gestein besteht hauptsächlich aus phonolithischen Laven, eingeschichtet mit Bimsstein und Ignimbriten – ein Zeuge der zweiten Vulkanphase Gran Canarias, heute freigelegt durch Jahrmillionen Abtragung.

Vulkanische Dämme und Stufen prägen das Pilancones-Gebiet.
Vulkanische Dämme und Stufen prägen das Pilancones-Gebiet.

Die charakteristischen Schluchten des Pilancones-Gebiets – Barrancos de Vicentillos, Vicentes, Ayagaures, Chamoriscán und Excusabaraja – sind tief eingeschnitten und von schroffen Steilhängen begrenzt. Erosionsprozesse haben vulkanische Dämme und Stufen herausgearbeitet, die dem Gelände eine treppenartige Struktur geben, manchmal zu messerscharfen Kämmen und Tafelbergen (mesas volcánicas) zugespitzt. Dieses Landschaftsbild ist das, was Wanderer als dramatisch, fordernd und unvergleichlich beschreiben.

Die Stauseen – Wasserversorgung und Wanderziel

Neben der Presa de Soria und der Presa de Chira gehört auch die Presa de las Niñas zum zusammenhängenden Stausee- und Wandergebiet des Inselinneren. Sie liegt bereits am Übergang zum Nublo-Gebiet und ergänzt das Wegenetz rund um Pilancones.

Die Presa de Soria ist der flächenmäßig größte Stausee der Kanarischen Inseln. Die Presa de Chira liegt auf rund 640 Metern und ist der zweitgrößte. Die Presa de las Niñas (Cuevas de las Niñas) ergänzt das Ensemble. Alle drei sind über den Wanderweg S-60 miteinander verbunden.

Presa de Chira – zweitgrößter Stausee der Kanaren, am Rand des Pilancones-Gebiets.
Presa de Chira – zweitgrößter Stausee der Kanaren, am Rand des Pilancones-Gebiets.

Das technische Herzstück verbindet Chira und Soria: Ein etwa einen Kilometer langer Wassertunnel leitet Überschusswasser aus dem Chira-Stausee in den Soria-Stausee. Wanderer dürfen diesen Tunnel bei trockenem Wetter zu Fuß durchqueren – eine der ungewöhnlichsten und dunkelsten Erfahrungen, die Gran Canaria zu bieten hat.

Der Wassertunnel – das Highlight für Abenteuerlustige

Es gibt Wandererfahrungen, die man mit Worten kaum beschreiben kann. Der Tunnel unter dem Chira-Stausee ist eine davon: Fast einen Kilometer betonierter Wassertunnel, gehauen in den Berg zwischen den Stauseen Chira und Soria, mit Pfützen auf dem Boden, feuchten Wänden, und am Ende ein Lichtpunkt, der nach dem Dunkel wie ein Versprechen wirkt. Der Tunnel ist Teil der Wanderroute (Cruz Grande → Tunnel → Soria, 13,9 km, schwer) und der kürzeren (Rundtour ab Jugendherberge Chira, 5,6 km, moderat).

Weg durch den einen Kilometer langen Chira-Tunnel.
Wandern im fast 1 Kilometer langen Tunnel vom Chira-Stausee zum Barranco de Soria – Taschenlampe ist Pflicht.

⚠️ Wichtige Sicherheitswarnung:

Der Tunnel darf ausschließlich bei trockenem Wetter betreten werden. Bei Regen oder nach starken Niederschlägen kann der Wasserstand im Tunnel gefährlich schnell steigen – lebensgefährlich. Taschenlampe oder Stirnlampe ist Pflicht; des Tunnel ist nicht beleuchtet.

TunnellängeCa. 1 km (20–25 Minuten Durchquerung)
Teil der RouteCruz Grande → Tunnel → Soria (13,9 km, schwer)
Teil der RouteRundtour Jugendherberge Chira (5,6 km, moderat)
AusrüstungTaschenlampe/Stirnlampe zwingend; wasserfeste Schuhe; feste Kleidung
⚠️ WARNUNGNUR bei trockenem Wetter! Bei Regen oder nach Niederschlag lebensgefährlich!

Cascada Bonita – der Wasserfall des Südens

Der Cascada Bonita (schöner Wasserfall) bei Soria ist nur nach Regen aktiv – dann aber eines der schönsten Naturschauspiele des Südens. Die Wanderung dorthin (Barranco de Soria, 12,5 km, moderat) führt durch die Soria-Schlucht mit ihren charakteristischen Steilwänden. Auch ohne Wasserfall lohnt die Tour: Cascada Bonita liegt in der Canada Grande – einer natürlichen Felskammerformation, die selbst trocken beeindruckend ist.

Der Wasserfall Cascada Bonita bei Soria – nur nach Regen aktiv, dann aber beeindruckend.
Der Wasserfall Cascada Bonita bei Soria – nur nach Regen aktiv, dann aber beeindruckend.
RouteBarranco de Soria → Cascada Bonita; 12,5 km; 626 Hm; moderat
Beste Zeit für WasserfallDezember bis März – nach ausreichend Regen
StartpunktSoria; ca. 35 Min. ab Maspalomas auf GC-605

Cruz Grande – der stille Mittelpunkt

Cruz Grande liegt auf 1.529 Metern auf der GC-60 zwischen Maspalomas und Tejeda und ist der wichtigste Ausgangspunkt des Pilancones-Gebiets. Das Forsthaus, ein Aussichtspunkt und eine einfache Bar – das ist alles. Wer früh morgens hier steht, sieht bei guter Sicht weit über die Barrancos nach Süden bis zu den Dünen von Maspalomas. Der Roque Nublo ist nur 45 Minuten Fahrt entfernt; wer Tejeda morgens besucht und Cruz Grande nachmittags, erlebt das gesamte Hochland Gran Canarias an einem Tag.

Berglandschaft bei Cruz Grande – von hier starten neun Routen in alle Richtungen.
Berglandschaft bei Cruz Grande – von hier starten neun Routen in alle Richtungen.
LageGC-60; ca. 30 Min. ab Maspalomas; ca. 45 Min. ab Las Palmas
Höhe1.529 m ü.M.
ParkenKostenloser Parkplatz am Aussichtspunkt
BusGlobal Linie 18 (Maspalomas → Tejeda) mit Halt; 2× täglich
KombinationRoque Nublo (45 Min.); Fataga (20 Min.); Maspalomas (30 Min.)

Flora und Fauna

Vegetation

Das Pilancones-Gebiet zeigt eine vollständige Höhenzonierung der südkanarischen Vegetation. Im unteren Bereich (300–700 m) dominieren Cardonales und Tabaibales – die xerophytische Gemeinschaft aus Wolfsmilchgewächsen (Euphorbia canariensis, E. regis-jubae) und Tabaibas. Mit zunehmender Höhe folgt ein Übergangsbereich, dann ab ca. 1.000 Metern der Kiefernwald (Pinus canariensis), der an den Hochlagen um Cruz Grande gut entwickelt ist. Botanisch besonders wertvoll: Die Gildana del Risco Blanco (Teline rosmarinifolia) – eine endemische Ginsterart, die im Pilancones vorkommt.

Die Oleanderblättrige Kleinie zählt zur charakteristischen Wolfsmilchvegetation im Parque Rural de Pilancones.
Die Oleanderblättrige Kleinie zählt zur charakteristischen Wolfsmilchvegetation im Parque Rural de Pilancones.

Vogelwelt

Das Pilancones-Gebiet ist als Zona de Especial Protección para las Aves (ZEPA) klassifiziert – Vogelschutzgebiet europäischer Bedeutung. Besonders bedeutend sind die Populationen von Kanarengirlitz (Serinus canarius), Kanarenraben (Corvus corax canariensis), Eleonorenfalke (Falco eleonorae) und dem seltenen Barbary Falcon (Falco pelegrinoides) in den Steilwänden. Die Stauseen beherbergen Wasservögel und haben fünf eingeführte Fischarten (u.a. Karpfen, Tilapia, Amerikanischer Stichling).

Kanarengirlitz – endemischer Finkenvogel der Kanaren.
Kanarengirlitz – endemischer Finkenvogel der Kanaren.

Die Wanderrouten im Pilancones – alle mit Routendaten

Neun Wanderrouten erschließen das Pilancones-Gebiet und das angrenzende Soria-Gebiet auf Sunhikes.com – alle mit GPS-Track, Höhenprofil und GPX-Download:

Wanderweg S-60– der Weg folgt den Hängen des phonolithischen Südmassivs.
Wanderweg S-60– der Weg folgt den Hängen des phonolithischen Südmassivs.
RouteDetails
Barranco de Soria → Cascada Bonita12,5 km · 626 Hm · moderat · Wasserfall (nur nach Regen) · ab Soria
Von Soria rund um den Chira-See13,3 km · 596 Hm · moderat · komplette Chira-Umrundung · ab Soria
Cruz Grande → Presa de Chira8,6 km · 327 Hm · moderat · Abstieg 648 Hm · S-60 · Strecke
Die 3 großen Stauseen Rundwanderung15,5 km · 1.002 Hm · schwer · Chira + Soria + Las Niñas · ab Chira-Staumauer
Cruz Grande → Soria12,3 km · 304 Hm · moderat · Risco del Agujero · Roca del Elefante · Strecke
Cruz Grande → Tunnel → Soria13,9 km · 487 Hm · schwer · ⚠️ Tunnel nur bei trockenem Wetter!
Rundtour Tunnel Presa de Chira5,6 km · 209 Hm · moderat · ab Jugendherberge Chira · ⚠️ Nur trocken!
Soria → La Punta Ausblick9,0 km · 498 Hm · moderat · Aussichtspunkt; Blick bis Maspalomas
Soria → La Punta → Chira-Tunnel Runde12,9 km · 644 Hm · schwer · Kombination Aussicht + Tunnel

Anfahrt und Parken

Der Hauptzugang führt über die GC-60 von Maspalomas durch Fataga nach Cruz Grande. Von hier zweigt die Straße weiter Richtung Ayacata, Tejeda und in das Hochland ab. Alternativ erreicht man das Gebiet über die GC-605 nach Soria. Parkplätze sind kostenlos. Ein Mietwagen ist für alle Routen erforderlich; öffentliche Busverbindungen sind sehr eingeschränkt.

Beste Reisezeit

JahreszeitBedingungen
Oktober–AprilBeste Zeit; angenehme Temperaturen in Cruz Grande; Regen möglich (Cascada Bonita!)
Dezember–FebruarTunnelrouten nur prüfen – nach Niederschlag kann Tunnel gefüllt sein
Mai–SeptemberHeiß in Soria und auf den unteren Abschnitten; Cruz Grande bleibt kühl
SommerTunnel-Routen am zuverlässigsten trocken; aber Hitze unten extrem
Wanderpfad  durch den Naturpark Pilancones.
Wanderpfad  durch den Naturpark Pilancones.

Sicherheitshinweise

TunnelNUR bei trockenem Wetter – niemals nach Regen! Taschenlampe Pflicht
Heiß im SüdenUntere Streckenabschnitte sehr heiß; mind. 3 Liter Wasser
LeitungswasserNicht trinkbar – Flaschen im Voraus auffüllen
GPS-SignalAuf 2 Abschnitten kein Signal – Offline-Track von Sunhikes zwingend
WildcampenVerboten; Feuer verboten
Notruf112

Häufige Fragen zum Naturpark Pilancones

Was ist der Wassertunnel im Pilancones?

Der Wassertunnel ist ein etwa einen Kilometer langer Umleitungskanal unter dem Berg, der die Stauseen Chira und Soria verbindet. Wanderer können ihn bei trockenem Wetter zu Fuß durchqueren (Stirnlampe zwingend). Er ist Teil der Routen (Cruz Grande → Tunnel → Soria, 13,9 km, schwer) und (Rundtour Chira, 5,6 km). Bei Regen oder nach Niederschlag ist der Tunnel lebensgefährlich – niemals in schlechtem Wetter betreten.

Wie kommt man nach Cruz Grande?

Cruz Grande liegt auf der GC-60 zwischen Maspalomas und Tejeda – gut ausgeschildert, ca. 30 Minuten ab Maspalomas. Kostenloser Parkplatz am Aussichtspunkt. Mit dem Bus: Global Linie 18 (Maspalomas → Tejeda) hält in der Nähe; 2× täglich. Für die meisten Wanderungen ist ein Mietwagen empfohlen.

Was ist die beste Wanderung im Pilancones für Einsteiger?

Für Einsteiger eignet sich (Cruz Grande → Presa de Chira, 8,6 km, moderat): gute Aussichten, nicht zu technisch, klar markiert. Wer mehr Stauseen sehen will: (Soria rund um Chira-See, 13,3 km, moderat) ist abwechslungsreich und gibt einen vollständigen Eindruck des Gebiets. Alle Routen auf Sunhikes.com mit GPS-Track und GPX-Download.

Wann ist der Cascada Bonita aktiv?

Der Wasserfall Cascada Bonita im Barranco de Soria ist nur nach ausreichendem Regen aktiv – zuverlässig in den Wintermonaten Dezember bis März. Im Sommer ist er in der Regel trocken. Die Wanderung (12,5 km) lohnt sich auch ohne Wasserfall wegen der beeindruckenden Steilwände der Canada Grande.

Gehört die Presa de las Niñas zum Naturpark Pilancones?

Die Presa de las Niñas liegt am Übergang zwischen dem Pilancones-Gebiet und dem Hochland rund um den Naturpark Nublo. Für Wanderer bildet sie zusammen mit den Stauseen Soria und Chira jedoch ein zusammenhängendes Wegenetz. Besonders die Rundwanderung W-36 verbindet alle drei Stauseen zu einer der abwechslungsreichsten Touren im Inselinneren.

Ist Cruz Grande ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen?

Ja. Cruz Grande zählt zu den wichtigsten Wanderknotenpunkten im Süden Gran Canarias. Von der Passhöhe starten Touren zu den Stauseen Chira und Soria, in den Naturpark Pilancones sowie Richtung Fataga und Ayacata. Dank der Höhenlage herrschen hier meist angenehmere Temperaturen als an der Küste, und bereits wenige Schritte vom Parkplatz entfernt beginnen die ersten Aussichtspunkte über das südliche Bergland.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com