Grindwale, Delfine und offener Atlantik – Whale Watching auf Gran Canaria

Whale Watching Gran Canaria ist kein saisonales Angebot. Die Gewässer vor der Südwestküste der Insel gehören zu den wenigen Orten Europas, an denen Grindwale ganzjährig leben – sesshaft, nicht nur auf der Durchreise. Dazu kommen Große Tümmler, Fleckendelfine und in den Wintermonaten gelegentlich Pottwale und Buckelwale auf dem offenen Atlantik.

Der Kurzflossen-Grindwal ist häufig bei Whale-Watching-Touren vor Gran Canaria zu beobachten.
Der Kurzflossen-Grindwal ist häufig bei Whale-Watching-Touren vor Gran Canaria zu beobachten.

Die Ausflüge starten meist ab Puerto Rico oder Puerto de Mogán – rund zwei Stunden Bootstour in das Meeresgebiet vor der Steilküste. Wer auf die sogenannte Barco-Azul-Flagge (gelb) achtet, bucht bei einem zertifizierten Anbieter, der sich an die kanarischen Naturschutzrichtlinien für verantwortungsvolles Whale Watching hält: kein Auffahren auf Tiere, kein Motorenlärm in Tiernähe, keine Fütterung. Das kanarische Schutzgesetz für Meeressäuger ist eines der strengsten in Spanien.

Gran Canaria liegt weniger als 100 Kilometer vor der afrikanischen Küste, am Rand einer ozeanischen Tiefseerinne. Das erklärt die außergewöhnliche Artenvielfalt: Die Wassertiefe fällt vor der Westküste steil auf mehrere Tausend Meter ab – idealer Lebensraum für Wale, die in flacheren Gewässern nicht vorkommen. Bootssafaris führen genau in dieses Gebiet hinaus, das lokal als Corredor de Cetáceos bekannt ist.

Wer Gran Canaria besucht und einen Bootsausflug plant, sollte Whale Watching zumindest einmal in Betracht ziehen. Es ist eines der wenigen Erlebnisse, die selbst blasierte Inselreisende regelmäßig in echte Begeisterung versetzen. Ein Grindwal, der drei Meter vom Boot entfernt auftaucht und wieder abtaucht, ist etwas, das man nicht so schnell vergisst.

Was man vor Gran Canaria sehen kann

Grindwal – das häufigste Großsäugetier

Der Kurzflossen-Grindwal (Globicephala macrorhynchus) ist die häufigste Walart vor Gran Canaria und ganzjährig anzutreffen, in Gruppen von 10 bis 50 Tieren. Erwachsene Männchen erreichen bis zu 6 Meter Länge und ein Gewicht von über 1.000 Kilogramm. Die Tiere halten sich bevorzugt in Tiefen von 200 bis 500 Metern auf und kommen in regelmäßigen Abständen an die Oberfläche zum Atmen. Das Blasen ist oft schon von weitem zu sehen – ein weißer Schwall, der kurz in der Luft steht, bevor er sich auflöst.

Grindwale leben sozial: Ein Schwarm besteht meist aus weiblichen Tieren mit Jungtieren und einigen Männchen. Das Sozialverhalten an der Oberfläche – sogenanntes Spyhopping, bei dem der Wal senkrecht im Wasser steht und scheinbar in die Umgebung schaut – ist bei erfahrenen Gruppen vor Gran Canaria regelmäßig zu beobachten.

Großer Tümmler – die häufigste Delfinkünstlerin

Der Große Tümmler (Tursiops truncatus) ist auch vor Gran Canaria heimisch. Gruppen von 10 bis 30 Tieren schwimmen häufig neben den Booten her – das sogenannte Bow Riding, bei dem Delfine die Bugwelle des Bootes nutzen, um sich mit wenig Energieaufwand fortzubewegen. Die Sichtungsquote für Große Tümmler liegt bei seriösen Anbietern nach eigenen Angaben über 90 Prozent.

Beim Whale-Watching schwimmen Delfine oft dicht neben den Booten her.
Beim Whale-Watching schwimmen Delfine oft dicht neben den Booten her.

Weitere Arten und seltene Sichtungen

Fleckendelfin (ganzjährig), Streifendelfin und Gemeiner Delfin sind ebenfalls regelmäßig anzutreffen. In den Wintermonaten von November bis März gibt es dokumentierte Sichtungen von Pottwalen und Buckelwalen auf dem offenen Atlantik westlich der Insel. Keine Garantie – aber eine realistische Möglichkeit für Frühaufsteher, die sich für eine Tour auf dem offenen Wasser entscheiden.

Gemeiner Delfin (Delphinus delphis).
Gemeiner Delfin (Delphinus delphis).

Anbieter: Whale Watching ab Puerto Rico und Puerto de Mogán

Alle unten aufgeführten Anbieter sind an der Südwestküste ansässig und bieten tagesaktuelle Ausfahrten an. Angaben vor Buchung auf den jeweiligen Websites verifizieren – Stand: Juni 2026.

AnbieterTelefonWhatsAppWebsiteStandort
Spirit of the Sea+34 928 562 229dolphin-whale.comPuerto Rico
Multiacuatic+34 626 982 152+34 626 982 152dolphinwhales.esPuerto Rico
Dolphin Search+34 617 805 236+34 617 805 236dolphinandwhalewatching.esPuerto Rico
WeWhalewewhale.comPasito Blanco

Ein besonderes Highlight bietet Spirit of the Sea: Das Boot verfügt über einen Glasboden, durch den sich Delfine und andere Meeresbewohner beobachten lassen, wenn sie dicht unter dem Schiff vorbeischwimmen. Gerade für Kinder ist diese Perspektive oft ein unvergessliches Erlebnis.

Steckbrief: Whale Watching Tour auf einen Blick

StartpunktePuerto Rico, Puerto de Mogán, Pasito Blanco
Tourdauerca. 2 Stunden
AbfahrtzeitenMorgens und mittags (anbieterabhängig)
Preis abca. 25–35 Euro pro Person (vor Buchung verifizieren)
Beste JahreszeitGanzjährig – Grindwale und Tümmler immer präsent
ZertifizierungBarco Azul (gelb) = nachhaltiger Tourismus
Für wenFamilien, Paare, Alleinreisende, Kinder ab ca. 3 Jahren
Stand AngabenJuni 2026 – vor Buchung auf Website verifizieren

Praktische Tipps für den Ausflug

Reisekrankheit und Seebedingungen

Bei ruhiger See – typisch von April bis Oktober – ist Seekrankheit selten ein Problem. Im Winter kann der Atlantik unruhiger sein; wer empfindlich auf Wellenbewegungen reagiert, sollte ein entsprechendes Mittel mitbringen oder vorab beim Anbieter nach den aktuellen Seebedingungen fragen. Die meisten Anbieter sagen eine Tour bei schlechten Verhältnissen von sich aus ab und buchen um.

Was mitbringen

Sonnenschutz ist auf dem Wasser unerlässlich – Reflexionen verstärken die UV-Einstrahlung erheblich. Eine leichte Jacke oder ein dünner Fleece ist auch im Sommer empfehlenswert: auf dem offenen Wasser ist der Wind deutlich spürbarer als an Land. Wasser mitnehmen. Eine wasserfeste Kamera oder ein gutes Smartphone mit Abdeckung. Fernglas ist nützlich, aber nicht zwingend nötig – die Tiere kommen oft nah genug heran.

Nachhaltig beobachten

Wer auf die Barco-Azul-Zertifizierung achtet, unterstützt Anbieter, die sich an einen strikten Verhaltenskodex halten: Mindestabstand zu den Tieren, kein Kreuzen ihres Weges und kein Lärm in unmittelbarer Nähe. Viele Veranstalter erläutern diese Regeln bereits vor oder während der Tour. Wale und Delfine sind keine Show – wer das verinnerlicht hat, erlebt den Ausflug mit einem ganz anderen Blick auf die Tiere und ihren Lebensraum.

Wichtig zu wissen:

Zum Schutz der Meeressäuger gelten in den Gewässern rund um Gran Canaria strenge Vorschriften. Dazu gehört auch, dass Drohnenflüge über Walen und Delfinen ohne entsprechende Genehmigung nicht erlaubt sind, da sie die Tiere erheblich stören können. Seriöse Anbieter informieren ihre Gäste über diese Regeln und legen großen Wert auf einen respektvollen Umgang mit den Meeressäugern.

Beste Kombination mit anderen Aktivitäten

Whale Watching lässt sich hervorragend mit einem Strandtag in Puerto Rico oder Puerto de Mogán verbinden. Die Ausfahrten dauern in der Regel rund zwei Stunden, sodass anschließend genügend Zeit für ein Mittagessen oder einen Spaziergang durch den Hafenort bleibt. Puerto de Mogán zählt mit seinen weiß getünchten Häusern, blühenden Gassen und kleinen Kanälen zu den schönsten Orten der Insel. Der Freitagsmarkt in Mogán ist zudem der bekannteste touristische Markt Gran Canarias und lässt sich ideal mit einer Bootstour kombinieren.

Hafen von Puerto de Mogán.
Hafen von Puerto de Mogán.

Wer mehr auf dem Wasser erleben will: Separate Bootsausflüge mit Schnorchelstopp gibt es ebenfalls ab Puerto Rico und Puerto de Mogán – als Halbtages- oder Ganztagesausflug buchbar.

FAQ – Häufige Fragen

Sind Grindwale wirklich das ganze Jahr zu sehen?

Ja. Die Kurzflossen-Grindwale vor Gran Canaria sind Standtiere – sie bewohnen diese Gewässer dauerhaft. Im Unterschied zu vielen anderen Whale-Watching-Destinationen ist der Ausflug auf Gran Canaria damit unabhängig von der Jahreszeit möglich.

Sind Kinder auf den Touren willkommen?

Ja, ab etwa drei Jahren. Die Boote sind stabil, die Anbieter familienfreundlich. Bei kleinen Kindern auf Sonnenschutz und gegebenenfalls Seekrankheitsvorbeugung achten. Kinder sind auf diesen Touren häufig die enthusiastischsten Beobachter an Bord.

Wie hoch ist die Sichtungsgarantie?

Eine formale Garantie gibt es nicht – das sind wilde Tiere im offenen Ozean. Die Praxis sieht jedoch so aus, dass seriöse Anbieter mit Sichtungsquoten von über 90 Prozent für Grindwale oder Delfine arbeiten. Einige Anbieter bieten im Falle einer Fehlanzeige eine kostenlose Wiederholungstour an.

Was ist der Unterschied zwischen den Anbietern?

Bootsgröße, Crew-Qualifikation und Nachhaltigkeitszertifizierung sind die wichtigsten Unterschiede. WeWhale setzt Elektroboote ein – geräuschärmer und damit schonender für die Tiere. Spirit of the Sea arbeitet mit Glasbodenboot. Multiacuatic hat die Blue-Boat-Zertifizierung. Alle sind seriöse Anbieter; Barco-Azul-Flagge ist das verlässlichste Qualitätszeichen.

Kann man während der Tour Drohnen steigen lassen?

Nein. Zum Schutz der Meeressäuger gelten in den Gewässern vor Gran Canaria strenge Naturschutzbestimmungen. Drohnen dürfen in der Nähe von Walen und Delfinen nicht ohne entsprechende Genehmigung eingesetzt werden, da sie die Tiere erheblich stören können. Die Crew informiert vor Ort über die geltenden Regeln.

Lohnt sich eine Tour mit einem Glasbodenboot?

Ja, besonders für Familien mit Kindern. Bei ruhiger See lassen sich Delfine und andere Meeresbewohner manchmal direkt unter dem Boot beobachten. Der Glasboden ersetzt zwar nicht die Sichtungen an der Wasseroberfläche, sorgt aber häufig für zusätzliche spannende Einblicke in die Unterwasserwelt.

Gran Canaria als Whale-Watching-Destination im europäischen Vergleich

In Europa gibt es nur wenige Gebiete, in denen Großwale ganzjährig anzutreffen sind. Die Azoren sind bekannter, aber deutlich schwerer zu erreichen. Die Gewässer rund um die Kanarischen Inseln – insbesondere vor Gran Canaria, Teneriffa und La Gomera – zählen zu den verlässlichsten Whale-Watching-Destinationen des Kontinents. Der entscheidende Unterschied: Grindwale sind keine Durchzügler, sondern Bewohner dieser Gewässer. Die Sichtungsquote ist deshalb deutlich stabiler als in Gebieten, in denen Wale nur saisonal vorbeikommen.

Für die Wissenschaft sind die Grindwale vor Gran Canaria gut dokumentiert: Mehrere Forschungsgruppen betreiben hier langfristige Beobachtungsprogramme. Einige Anbieter kooperieren mit diesen Projekten – Sichtungsdaten werden systematisch erfasst und fließen in internationale Datenbanken ein. Wer bei einem solchen kooperierenden Anbieter bucht, trägt mit seiner Tour direkt zur Meeresschutzforschung bei.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juni 2026.

www.sunhikes.com