Tamadaba – wo Gran Canaria am wildesten ist

Es gibt einen Moment auf dem Weg zum Roque Faneque, kurz nach dem Rastplatz Llanos de la Mimbre, wenn der Kiefernwald endet und das Gelände unvermittelt abbricht: Senkrecht. 1.008 Meter senkrecht, direkt in den Atlantik. Die Klippen des Roque Faneque sind – nach aktuellen Untersuchungen – eine der höchsten aktiven Steilklippen der Welt, gemessen als direkt in den Ozean abfallende Felswand. Es gibt auf Gran Canaria viele beeindruckende Aussichtspunkte. Diesen vergisst man nicht.

Blick durch den Kiefernwald des Naturparks Tamadaba zur Nachbarinsel Teneriffa mit dem Teide am Horizont.
Blick durch den Kiefernwald des Naturparks Tamadaba zur Nachbarinsel Teneriffa mit dem Teide am Horizont.

Der Parque Natural de Tamadaba im Nordwesten Gran Canarias ist das grünste, wildeste und in weiten Teilen unzugänglichste Schutzgebiet der Insel. Auf 7.500 Hektar erstreckt sich ein Gebiet, das von der Küste auf 0 Metern bis auf den Pico de la Bandera auf 1.444 Metern reicht – mit 2.000 Hektar zusammenhängendem Kiefernwald oben, steil abfallenden Schluchten in der Mitte und einer Steilküste unten, die kaum ein Wanderer je zu Gesicht bekommt.

Steckbrief Naturpark Tamadaba

Fläche7.500 ha Gesamtfläche; 2.000 ha zusammenhängender Kiefernwald
LageNordwesten Gran Canarias; Gemeinden Agaete, Artenara und La Aldea de San Nicolás
Höhe0 m (Küste) bis 1.444 m (Pico de la Bandera)
Roque Faneque1.008 m – eine der höchsten Steilklippen der Welt (senkrecht ins Meer)
SchutzstatusParque Natural; Biosphärenreservat (UNESCO 2005); Natura 2000 Schutzgebiet für Vögel
UNESCOTeil des Weltkulturerbes Risco Caído (seit 2019)
GeologieÄlteste Materialien Gran Canarias – Erster Vulkanzyklus, ~14 Mio. Jahre
Naturpark seit1986 (Behandlung); 1987 (Dekret)
Wanderrouten12 dokumentierte Routen auf Sunhikes.com; leicht bis sehr schwer
CampingCampingplatz Tamadaba (öffentlich, Reservierung beim Cabildo)
WildcampenVerboten; Feuer verboten
AnfahrtGC-200 ab Agaete oder GC-810 ab Artenara; Mietwagen empfohlen
Steile Bergflanken prägen den Naturpark Tamadaba – schroffes Gelände, das die Wildheit dieser Bergregion Gran Canarias eindrucksvoll zeigt.
Steile Bergflanken prägen den Naturpark Tamadaba – schroffes Gelände, das die Wildheit dieser Bergregion eindrucksvoll zeigt.

Geologie – die ältesten Steine der Insel

Der erste Vulkanzyklus

Das Tamadaba-Massiv ist geologisch eine Rarität: Es besteht aus den ältesten Formationsmaterialien Gran Canarias, die während des ersten Vulkanzyklus der Insel entstanden – vor etwa 14 Millionen Jahren. Während das Zentralmassiv rund um Roque Nublo jünger und durch die explosive Roque-Nublo-Phase geformt wurde, sind die Grundgesteine Tamadabas basaltische Laven und Trachyte des Miozäns, freigelegt durch Erosion über Jahrmillionen.

Die felsige Berglandschaft im Naturpark Tamadaba – das Massiv besteht aus den ältesten Gesteinen Gran Canarias.
Die felsige Berglandschaft im Naturpark Tamadaba – das Massiv besteht aus den ältesten Gesteinen Gran Canarias.

Das Ergebnis dieser langen Erosionsgeschichte: Ein Massiv mit steilen Hängen, eingebetteten Schluchten und einer Küstenlinie, die nahezu senkrecht ins Meer abfällt. Der Küstenabschnitt von La Aldea bis Agaete gilt als geologisch besonders wertvoll, weil er den äußeren Teil der Tejeda-Caldera freilegt – mit Bereichen hydrothermaler Alteration (Los Quemados) und Proben der übergelaufenen salischen Fazies.

Roque Faneque – der senkrechte Abbruch

Der Roque Faneque ist mit 1.008 Metern der markanteste Küstenpunkt des Naturparks. Von seiner Kante fällt das Gelände nahezu senkrecht in den Atlantik – keine Böschung, keine Terrassen, kein langsamer Übergang. Dieser direkte Übergang von Bergkamm zu Ozean macht ihn zu einer der eindrucksvollsten geologischen Formationen der Kanarischen Inseln. Die Wanderroute zum Roque Faneque (11,8 km, schwer) führt entlang der Kante und ist ausschließlich für trittsichere Wanderer geeignet.

Blick auf den Roque Faneque vor dem tiefblauen Atlantik – mit 1.008 Metern eine der höchsten aktiven Steilklippen der Welt.
Blick auf den Roque Faneque vor dem tiefblauen Atlantik – mit 1.008 Metern eine der höchsten aktiven Steilklippen der Welt.

Der Kiefernwald – Pinus canariensis

Ein Baum, der Feuer überlebt

Die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) ist eine der außergewöhnlichsten Baumarten der Welt – und die Kanarischen Inseln sind ihr einziges natürliches Verbreitungsgebiet. Was sie einzigartig macht: Sie überlebt Waldbrände. Während andere Kiefernarten nach einem Brand absterben, treibt Pinus canariensis aus Schlafknospen unter der Rinde neu aus – die Knospen sitzen tief in der Borke und werden vom Feuer nicht erreicht. Ein ausgebrannter Kiefernwald auf Gran Canaria beginnt innerhalb von Wochen wieder auszutreiben.

Wunderbare Ausblicke durch den lichten Kiefernwald im Naturpark Tamadaba.
Wunderbare Ausblicke durch den lichten Kiefernwald im Naturpark Tamadaba.

Im Tamadaba-Massiv wachsen diese Kiefern auf über 1.000 Metern Höhe in einem der am besten erhaltenen Kiefernwälder der Kanarischen Inseln. 2.000 Hektar zusammenhängender Wald – im 20. Jahrhundert regeneriert und aufgeforstet – sind heute ein gesundes Ökosystem mit bemerkenswert hoher biologischer Vielfalt.

Feuchter Kiefernwald – ein Unikat im Archipel

Der Nordwestabschnitt des Tamadaba-Waldes – begrenzt von Lomo de Faneque, Pico de Tamadaba und Lomo de La Cañada de Cho Marco – trägt eine Besonderheit: feuchten Kiefernwald, einzigartig im gesamten Kanarischen Archipel. Die Passatwinde stauen sich am Massiv und produzieren Horizontalniederschlag – die Kondensation der Wolken entlädt ihre Feuchtigkeit direkt im Wald. Das Ergebnis: ein dichtes Unterholz aus Heidekraut (Erica arborea), Olivillo (Phillyrea angustifolia), Holunder (Ilex canariensis), Flechten und Moosen. Ein Lorbeerwald-Rest (Laurisilva) in einem Kiefernwald – geologisch und botanisch einmalig.

Passatwolken stauen sich an den steilen Bergflanken des Tamadaba, was zur charakteristischen Feuchtigkeit dieser Bergregion beiträgt.
Passatwolken stauen sich an den steilen Bergflanken des Tamadaba, was zur charakteristischen Feuchtigkeit dieser Bergregion beiträgt.

Ein endemisches Kraut wächst ausschließlich in diesem Bereich: Micromeria pineolens (Tomillo de Tamadaba) – ein kleiner Strauch, der nirgendwo sonst auf der Welt vorkommt. Drei Arten der Gattung Micromeria (M. pineolens, M. benthamii und M. lanata) kommen ausschließlich im Tamadaba- und Nordwestmassiv Gran Canarias vor und zählen zu den botanischen Besonderheiten des Naturparks.

Flora und Fauna – Vielfalt auf engem Raum

Vegetationszonen von der Küste bis zum Gipfel

Der Naturpark Tamadaba zeigt auf engem Raum eine vollständige Höhenzonierung der Vegetation – von der Meeresküste bis zum Gipfel des Pico de la Bandera auf 1.444 Metern:

Kontrastreiche Landschaft von der Küste bis zur Gipfelzone  am Tamadaba – die Zonierung der Vegetation ist einzigartig.
Kontrastreiche Landschaft von der Küste bis zur Gipfelzone am Tamadaba – die Zonierung der Vegetation ist einzigartig.
ZoneVegetation
Küste (0–200 m)Halophytische Gemeinschaften; Euphorbia balsamifera (Tabaiba dulce); Meeresfenchel; Immortellen (Limonium)
Unterhang (200–600 m)Cardonal-Tabaibal; Euphorbia canariensis (Cardon); xerophytische Gemeinschaften; Kleinia neriifolia
Mittelhang (600–1.000 m)Übergangszone; Kiefernwald beginnt; Cistus symphytifolius (Zistrose); Hypericum canariense
Kiefernwald (1.000–1.444 m)Pinus canariensis; trockener und feuchter Kiefernwald; Erica arborea; Ilex canariensis; Micromeria pineolens (endemisch)

Tierwelt

Der Naturpark Tamadaba ist als Besonderes Schutzgebiet für Vögel (SCA) klassifiziert. Die Vogelwelt umfasst den Blaumerling (Monticola solitarius), Kanarengirlitz (Serinus canaria), Blaumeise (Cyanistes teneriffae), Kanarenpieper (Anthus berthelotii) und – in den Kiefernkronen – den Buchfinken (Fringilla coelebs). Greifvögel: Turmfalke (Falco tinnunculus canariensis), Mäusebussard (Buteo buteo insularum) und gelegentlich Fischadler (Pandion haliaetus).

Der Kanarenpieper ist ein endemischer Singvogel, der im Naturpark Tamadaba vorkommt.
Der Kanarenpieper ist ein endemischer Singvogel, der im Naturpark Tamadaba vorkommt.

Reptilien: Die kanarische Eidechse Gallotia stehlini ist auf jedem Wanderweg präsent. In den feuchten Kiefernwaldabschnitten lebt der Kanarische Laubfrosch (Hyla meridionalis). Die Lorbeerwaldabschnitte beherbergen seltene Arthropoden, die anderswo auf der Insel nicht vorkommen.

Die Wanderrouten im Tamadaba

Zwölf dokumentierte Wanderrouten erschließen den Naturpark Tamadaba auf Sunhikes.com – von der kurzen Einstiegsrunde bis zur extremen Küstentour. Alle GPS-Tracks, Höhenprofile und GPX-Downloads sind auf sunhikes.com verfügbar.

Die Wanderroute zum Felsgipfel des Altavista verläuft durch den Naturpark Tamadaba im Nordwesten Gran Canarias.
Die Wanderroute zum Felsgipfel des Altavista verläuft durch den Naturpark Tamadaba im Nordwesten Gran Canarias.
RouteDetails
Kleine Rundwanderung Tamadaba5,2 km · 131 Hm · leicht · idealer Einstieg; Panoramablick Roque Nublo
Tamadaba – Roque Faneque11,8 km · 513 Hm · schwer · Steilklippenblick; Abbruchkante 1.008 m
Rundweg S-90 Tamadaba7,4 km · 374 Hm · moderat · klassische Tamadaba-Runde; Teide-Sicht
Kurze Gipfelrunde Tamadaba6,0 km · 175 Hm · leicht · Gipfel Pico de la Bandera
Morro de las Lechugas16 km · 697 Hm · schwer · lange Küstenblick-Tour
Tamadaba – Arco del Escobón18 km · 900 Hm · schwer · Felsbogen + Montaña Altavista
Zwei Felsbögen – Escobón + Tirma24 km · sehr schwer · einsamste Tour des Naturparks
Tamadaba – nach AgaetePunkt-zu-Punkt · schwer · Abstieg durch Barranco de Agaete
Las Hoyas Tamadaba-Gipfel8 km · moderat · ab Stausee Las Hoyas
Las Hoyas – Llanos de la Mimbre8,5 km · moderat · Rastplatz + Kiefernwald
Montaña Bibique – San PedroSehr schwer · kaum begangen · Nordwestküste
Montaña del Viso – La AldeaSchwer · Westküste · Abstiege und Steilpfade
Traumhafte Wanderpfade durchziehen den Naturpark Tamadaba
Traumhafte Wanderpfade durchziehen den Naturpark Tamadaba

Praktische Informationen für den Besuch

Anfahrt

Mit dem Auto: Die Anfahrt erfolgt über die GC-216. Von der Kreuzung GC-210/GC-217 führt die Straße Richtung Tamadaba. Nach rund 4 Kilometern erreicht man die Degollada de Las Lajas, wo Hinweisschilder den Einstieg zur Wanderung markieren. Direkt am Ausgangspunkt stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

Mit dem Bus (ÖPNV): Die Degollada de Las Lajas ist nicht direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die nächstgelegene Busverbindung endet in Artenara. Von dort aus ist für die Weiterfahrt zum Startpunkt ein Taxi oder Mietwagen erforderlich.
Die nächste reguläre Haltestelle liegt in Artenara. Aktuelle Verbindungen unter Guaguasglobal.com – Busverbindungen Artenara / Tamadaba

Camping

CampingplatzCampamento Tamadaba – öffentlicher Campingplatz im Kiefernwald
ReservierungErforderlich – beim Cabildo de Gran Canaria
AusstattungEinfache Sanitäranlagen, Picknickplätze
WildcampenVerboten im gesamten Naturpark
FeuerVerboten im gesamten Naturpark
Der Rast- und Campingplatz Llanos de la Mimbre im Kiefernwald des Tamadaba.
Der Rast- und Campingplatz Llanos de la Mimbre im Kiefernwald des Tamadaba.

Beste Reisezeit

JahreszeitBedingungen
Oktober–AprilBeste Zeit: mild, grüner Kiefernwald, klare Teide-Sicht
FebruarMandelblüte sichtbar von den Tamadaba-Gipfeln nach Tejeda
Mai–SeptemberGipfel angenehm; Küstenabschnitte heiß; Waldbrandgefahr hoch
Winter (Dez.–Feb.)Kiefernwald feucht und grün; in seltenen Ausnahmefällen können nach Kälteeinbrüchen kurzzeitig Schneereste auf den höchsten Gipfeln liegen.

Häufige Fragen zum Naturpark Tamadaba

Wie groß ist der Naturpark Tamadaba?

Der Naturpark Tamadaba umfasst 7.500 Hektar im Nordwesten Gran Canarias, verteilt auf die Gemeinden Agaete, Artenara und La Aldea de San Nicolás. Davon sind 2.000 Hektar zusammenhängender Kiefernwald – einer der größten und am besten erhaltenen der Kanarischen Inseln. Der Park reicht von der Meeresküste (0 m) bis zum Pico de la Bandera (1.444 m).

Was macht den Roque Faneque so besonders?

Der Roque Faneque im Naturpark Tamadaba fällt mit 1.008 Metern nahezu senkrecht in den Atlantik – eine der höchsten aktiven Steilklippen der Welt, gemessen als direkt ins Meer abfallende Felswand. Von der Wanderroute zum Faneque aus ist dieser Abbruch in seiner ganzen Dramatik erlebbar. Die Route ist schwer und erfordert Trittsicherheit.

Wie kommt man in den Naturpark Tamadaba?

Am einfachsten über die GC-200 ab Agaete (ca. 20 Min.) oder die GC-810 ab Artenara. Ein Mietwagen ist nötig; öffentliche Busse fahren nicht bis in den Park. Parkplätze am Campingplatz Tamadaba sind kostenlos. Für alle Wanderungen ist eine Offline-Karte oder der GPS-Track von Sunhikes.com unbedingt empfohlen.

Kann man im Naturpark Tamadaba campen?

Ja – der Campamento Tamadaba ist ein öffentlicher Campingplatz im Kiefernwald, verwaltet vom Cabildo de Gran Canaria. Eine Reservierung ist erforderlich. Wildcampen und das Entzünden von Feuern sind im gesamten Naturpark strikt verboten.

Was ist der Unterschied zwischen dem Naturpark Tamadaba und dem Parque Rural del Nublo?

Der Parque Natural de Tamadaba (7.500 ha) liegt im Nordwesten der Insel und umfasst den Kiefernwald und die Steilküste rund um Roque Faneque. Der Parque Rural del Nublo (263 km²) liegt im Zentralmassiv und schützt das Gebiet rund um Roque Nublo, Roque Bentayga und Cruz de Tejeda. Beide Parks sind Teil des Biosphärenreservats Gran Canaria; Tamadaba ist auch Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Risco Caído (2019).

Gibt es im Naturpark Tamadaba Aussichtspunkte ohne lange Wanderung?

Ja. Einige der schönsten Panoramablicke lassen sich bereits direkt von der Straße oder nach wenigen Gehminuten erreichen. Besonders beliebt sind der Aussichtspunkt am Roque Faneque, der Bereich Llanos de la Mimbre sowie mehrere Miradores entlang der GC-200 und GC-810. Wer nicht den ganzen Tag wandern möchte, kann Tamadaba daher auch gut im Rahmen eines Tagesausflugs erleben.

Wann ist die beste Tageszeit für einen Besuch des Naturparks Tamadaba?

Die schönsten Lichtverhältnisse herrschen am frühen Vormittag. Dann sind die Fernblicke häufig besonders klar und bei guten Bedingungen reicht die Sicht bis zum Teide auf Teneriffa. Für Wanderungen sind die Morgenstunden außerdem angenehmer, da die Temperaturen niedriger sind und im Sommer die starke Mittagssonne vermieden wird.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com