Bienmesabe und Mandel-Süßigkeiten aus Tejeda
Im Bergdorf Tejeda auf über 1.000 Metern riecht es Ende Januar nach Mandeln. Der Duft kommt nicht aus einer Bäckerei – er kommt von den Hängen selbst. Die Mandelbäume rund um das Dorf blühen, Weiß und Rosa, und wer an diesen Tagen hier ist, versteht, warum Tejeda das Zuckerdorf Gran Canarias genannt wird. Alles, was die Mandel produziert – die Bienmesabe, das Mazapán, die Polvorones, den Likör – kommt hier zu seiner besten Form.

Die Mandel ist seit Jahrhunderten die wirtschaftliche Basis Tejedas. Der vulkanische Boden auf 1.000 bis 1.400 Metern, das trockene Hochlandklima und die kühlen Nächte geben den Tejeda-Mandeln ein intensiveres, leicht bitteres Aroma, das importierte Mandeln aus Valencia oder Marokko nicht erreichen. Aus diesem Rohstoff entstehen vier Spezialitäten, die zusammen das kulinarische Herz des kanarischen Hochlands bilden.
Tejeda – das Zuckerdorf des Zentralmassivs
Geschichte der Mandeln in Tejeda
Der Mandelanbau in Tejeda geht auf die ersten Jahrhunderte nach der spanischen Conquista zurück – Mandelbäume wurden von den Siedlern mitgebracht und fanden in der Caldera de Tejeda ideale Bedingungen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war der Mandelanbau die wichtigste Einkommensquelle des Bergdorfes: Die Früchte wurden zu Fuß ins Tal getragen, von dort verschifft und verkauft. Als die Preise für Importmandeln in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfielen, brach die Wirtschaft Tejedas ein – und die Gemeinde reagierte, indem sie die Mandel zur kulturellen Identität machte.
Das Ergebnis: Heute ist Tejeda nicht mehr Mandellieferant, sondern Mandel-Botschafter. Die Dulcerías im Ort verarbeiten die Ernte zu Bienmesabe, Mazapán, Polvorones und Likör, und das Mandelblütenfest bringt jedes Jahr Zehntausende Besucher ins Hochland.
Das Mandelblütenfest – Fiestas del Almendro en Flor
Die Fiestas del Almendro en Flor sind das kulinarisch-kulturelle Herzstück Tejedas – und haben eine überraschend junge Geschichte. Im November 1969 gründete sich in Tejeda der Jugendclub der Gemeinde. Ihre erste Initiative: Ein Fest im Februar, das die Mandelblüte feiern sollte. Sie nannten es PUM 70, und es fand im Januar 1970 statt.

Der Erfolg war so groß, dass die Gemeinde ab 1971 die Organisation übernahm und das Fest in Fiestas del Almendro en Flor umbenannte. 2026 war die 53. Auflage. Das Mandelblütenfest ist das erste nichtreligiöse Winterfest Gran Canarias und damit eine kulturelle Pionierleistung – nahezu alle anderen Feste des Archipels (außer dem Karneval) finden im Sommer statt.
| Gründung | 1969 (Jugendclub Tejeda); erstes Fest: Januar 1970 (PUM 70) |
|---|---|
| Offiziell seit | 1971 als Fiestas del Almendro en Flor |
| Jubiläum 2026 | 53. Auflage; 31. Januar – 8. Februar 2026 |
| Termin | Erstes oder zweites Februarwochenende; abhängig von der Blütezeit |
| Besonderheit | Erstes nichtreligiöses Winterfest Gran Canarias |
| Website | fiestasdelalmendroenflor.eu |
| Programm | Folklore-Umzüge, Timple-Musik, Lucha Canaria, Handwerk, Gastronomie |
Die vier Mandel-Spezialitäten Tejedas
Bienmesabe – die Mandelcreme
Der Name sagt alles: Bienmesabe bedeutet kanarisch „er schmeckt mir gut“. Die cremige Masse aus gemahlenen Mandeln, Honig, Eigelb, Zucker und Zitronenabrieb ist das kulinarische Aushängeschild Tejedas – und das meistgekaufte Mitbringsel von Gran Canaria. Rezept-Grundlage (für ca. 6–8 Portionen): 500 g süße Mandeln, 750 g Zucker, 500 ml Wasser, 3 Eigelb, Zimt nach Geschmack, Schale einer unbehandelten Zitrone.
Die Mandeln werden kurz blanchiert, enthäutet und ohne Fett leicht geröstet. Das Wasser wird erhitzt, Zucker eingerührt und zu einem Sirup eingekocht. Die Mandeln, geriebene Zitronenschale und Zimt werden in den Sirup eingerührt und einmal aufgekocht. Nach dem Abkühlen werden die verquirlten Eigelbe vorsichtig untergerührt – das Ganze nochmals kurz erwärmt, dann kalt gestellt. Das Ergebnis ist eine cremige, intensiv nach Mandeln duftende Masse.
Bienmesabe passt zu Vanilleeis, als Aufstrich auf Brot, als Füllkrem in Kuchen und Törtchen oder pur aus dem Glas. Die beste Version kommt direkt aus den Dulcerías in Tejeda – die Qualität der Mandeln macht den entscheidenden Unterschied.
| Zutaten (Grundrezept) | 500 g Mandeln · 750 g Zucker · 500 ml Wasser · 3 Eigelb · Zimt · Zitronenschale |
|---|---|
| Haltbarkeit | Im geschlossenen Glas mehrere Monate; nach Öffnen: Kühlschrank, 2–3 Wochen |
| Kaufpreis | Ca. 4–8 € pro Glas (je nach Größe); direkt in Tejeda am frischesten |
| Vollständiges Rezept | Artikel E-16: Bienmesabe – Die Mandelcreme aus Tejeda |
Mazapán de Tejeda – das kanarische Marzipan
Das Mazapán de Tejeda ist kein deutsches Marzipan – es ist etwas Eigenständiges. Weniger süß, körniger in der Textur (die Mandeln werden grober gemahlen), mit einer intensiven Mandelnote und einer Zitronenfrische. Die kleinen ovalen oder rechteckigen Stücke werden kurz im Ofen goldbraun gebacken – warm noch weich und duftend, erkaltet fester und leicht knusprig an den Rändern.
Das Familienrezept der Dulcería Tejeda gilt als das authentischste auf der Insel. Die Grundzutaten: gemahlene Mandeln, Zucker, Eier, Zitronenschale. Kein Marzipanmasse aus Valencia – die Tejeda-Version ist bodenständiger, weniger raffiniert und gerade deswegen besser.
| Besonderheit | Körniger als deutsches Marzipan; Zitronennote; kurz gebacken; kaum woanders erhältlich |
|---|---|
| Kaufpreis | Ca. 3–6 € für eine kleine Schachtel |
| Vollständiges Rezept | Artikel E-17: Mazapán de Tejeda – Das kanarische Marzipan |
Polvorones de Almendra – das Mandelgebäck
Die Polvorones de Almendra sind kanarisches Festgebäck, das beim ersten Biss im Mund zu feinem Puder (polvo = Staub) zerfällt. Diese Textur – buttrig, mürb, mit einem hohen Mandelanteil – ist kein Versehen, sondern das Ziel. Warm aus dem Ofen, mit Puderzucker bestäubt, noch ein wenig weich: Das ist der Moment, für den man nach Tejeda kommt.

Polvorones werden besonders während der Mandelblütezeit gebacken und auf den Ständen des Festes frisch verkauft. Das vollständige Rezept – mit Mengenangaben und dem Trick für die richtige Textur – findest du im Artikel E-18: Polvorones de Almendra – Das Mandelgebäck.
Licor de Almendra – Mandellikör
Der Licor de Almendra aus Tejeda ist ein süßer, intensiv nach Bittermandeln duftender Digestif – ideal für den Abschluss eines Hochlandessens. In kleinen Flaschen (200 ml oder 500 ml) ist er eines der praktischsten Mitbringsel von der Insel: leicht im Gepäck, lange haltbar, geschmacklich einzigartig.
Der Likör wird traditionell aus kanarischen Mandeln mit Anisschnaps, Zucker und manchmal Zimt und Zitronenschale hergestellt. Alkoholgehalt je nach Hersteller zwischen 15 und 25 Prozent. Das vollständige Rezept findest du im Artikel E-19: Mandellikör Gran Canaria.
Die Dulcerías in Tejeda – wo man kauft
| Adresse | Angebot |
|---|---|
| Dulcería Nublo (Hauptstraße Tejeda) | Größte Auswahl auf der Insel: Bienmesabe in mehreren Größen, Mazapán, Polvorones, Mandellikör, Almendras garrapiñadas · Direktverkauf und Versand |
| Dulcería Tejeda | Traditioneller Familienbetrieb; Mazapán nach altem Rezept; handgefertigte Bienmesabe; persönlicher Charakter |
| Mercadillo Municipal Tejeda (So) | Lokaler Markt; frische Mandeln direkt vom Bauern; hausgemachte Produkte; günstiger als Läden |
| Fiestas del Almendro en Flor (Feb.) | Barrio-Stände mit frisch zubereiteten Mandelprodukten; beste Qualität direkt vom Produzenten |
Preistipp: Bienmesabe direkt in Tejeda ist 20–30% günstiger als am Flughafen oder in Touristenläden an der Küste. Die Qualität ist besser, das Produkt frischer.
Die Mandeln von Tejeda – warum sie besonders sind
Der vulkanische Boden der Caldera de Tejeda auf 1.000 bis 1.400 Metern ist nicht zufällig fruchtbar – er hat eine Mineraldichte und eine Drainage-Eigenschaft, die Mandelbäume besonders gut gedeihen lässt. Die trockenen Sommer und kühlen Winter erzeugen eine Stressreaktion in den Bäumen, die die Aromenkonzentration in den Früchten erhöht. Das Ergebnis: intensivere, leicht bitterliche Mandeln, die in der Verarbeitung einen deutlich tieferen Geschmack abgeben als die milden, süßen Importmandeln aus Valencia oder Marokko.
Die Ernte findet im Herbst statt – September bis Oktober. Die Mandeln werden von Hand gepflückt oder geschüttelt und gesammelt. Die Dulcerías verarbeiten die Ernte dann über das gesamte Jahr; frisches Bienmesabe aus der neuen Ernte ist typischerweise ab November erhältlich.
Wie man Tejeda und seine Süßigkeiten besucht
| Anfahrt | GC-15 ab Las Palmas (ca. 55 Min.) oder GC-60 ab Maspalomas (ca. 45 Min.) |
|---|---|
| Beste Zeit | Mandelblütenfest (Februar-Wochenende) oder unter der Woche für ruhigen Besuch |
| Kombination | Roque Nublo (Reservierung: reservasroquenublo.com) · Cruz de Tejeda · Artenara |
| Parken | Am Fest: oft gesperrt; Sonderbusse nutzen (guaguasglobal.com) |
| Wetter | Tejeda liegt auf 1.050 m; Jacke mitnehmen; im Winter 8–15°C |
Häufige Fragen
Was ist Bienmesabe und wie schmeckt es?
Was ist der Unterschied zwischen Bienmesabe und Mazapán de Tejeda?
Wann ist das Mandelblütenfest in Tejeda?
Wie lange ist Bienmesabe haltbar?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


