Artenara – der Fels ist das Zuhause
Es gibt einen Moment auf der Auffahrt nach Artenara, wenn die Serpentinen steiler werden und das Dorf plötzlich aus dem Hang taucht: weiße Häuser, enge Gassen – und Fenster in nacktem Fels. Türen, die direkt in den Basalt führen. Blumenkästen vor Öffnungen, die keine Fenster sind, sondern Eingänge zu Höhlenwohnungen, die seit Jahrhunderten bewohnt werden. Artenara macht keinen großen Aufwand, um sich zu erklären. Wer genau hinschaut, versteht es sofort.

Mit 1.270 Metern ist Artenara das höchstgelegene Dorf Gran Canarias – und das einzige, in dem Höhlenwohnen bis heute kein musealer Akt ist, sondern Alltag.in Teil der rund 1.029 Einwohner Artenaras (Stand 2024) lebt bis heute in traditionellen Höhlenwohnungen – modern ausgestattet mit Strom, Wasser und Internet. Von außen sind viele kaum von gewöhnlichen Häusern zu unterscheiden; erst der Blick auf die in den Fels gehauenen Eingänge verrät ihre besondere Bauweise.
Steckbrief Artenara
| Einwohner | 1.029 (Stand 2024, Wikipedia) |
|---|---|
| Gemeindefläche | 66,7 km² |
| Lage | Nördlicher Rand der Caldera de Tejeda; südwestlich von Las Palmas |
| Höhe | 1.270 m ü.M. – höchstgelegenes Dorf Gran Canarias |
| Entfernung Las Palmas | Ca. 55 km; ca. 65 Min. auf GC-21 |
| Nachbargemeinden | Agaete (N), Gáldar (NO), Tejeda (O/S), San Nicolás de Tolentino (W) |
| Pfarrkirche | Iglesia de San Matías |
| Kapelle | Ermita de la Virgen de la Cuevita – vollständig in Fels gehauen |
| Mirador | Mirador de Unamuno – bester Blick auf Roque Bentayga, Roque Nublo, Teide |
| Geologie | Älteste geologische Materialien Gran Canarias auf Gemeindegebiet |
| UNESCO | Teil des Weltkulturerbes Risco Caído (Acusa Seca auf Gemeindegebiet) |
| Busverbindung | Sehr eingeschränkt – Mietwagen empfohlen |
Die Höhlenwohnungen – gelebte Tradition
Woher kommen die Höhlenwohnungen?
Die Geschichte der Höhlenwohnungen in Artenara beginnt vor der spanischen Conquista. Die Guanchen – die Ureinwohner Gran Canarias – nutzten die natürliche Eigenschaft des vulkanischen Tuffsteins: leicht zu bearbeiten, tragfähig, natürlich isolierend. Das Gemeindegebiet Artenara gehört zu den Regionen, in denen die Ureinwohnerbevölkerung nach der Conquista 1483 aufgrund der Unzugänglichkeit des Geländes am längsten überlebte und die einheimische Wohnkultur beibehielt. Die wichtigsten prähistorischen Siedlungen des Gemeindegebiets lagen bei Acusa, Artenara selbst und Tirma.

Nach der Conquista vermischten sich spanische und portugiesische Siedler mit der Urbevölkerung – die Höhlenkultur blieb erhalten, weil sie praktisch war: kostenlos, warm im Winter, kühl im Sommer. Heute, Jahrhunderte später, ist das Prinzip dasselbe: Der vulkanische Tuffstein hat eine natürliche Wärmeleitfähigkeit, die das Innere von Höhlenwohnungen bei ca. 18–20 Grad hält – unabhängig von der Außentemperatur. Im Sommer auf 1.270 Metern kann es an manchen Tagen empfindlich kalt werden; die Höhle bietet dann Schutz nach unten wie nach oben.
Wie sehen die Höhlenwohnungen innen aus?
Von außen erkennt man eine Höhlenwohnung in Artenara oft nur am Eingang: eine Tür in einer Felswand, vielleicht ein Fenster daneben, ein Briefkasten, Blumenkästen. Dahinter: eine vollständig normal eingerichtete Wohnung. Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer – alles in Räumen, die direkt in den Stein gehauen wurden. Strom, Wasser, Internet – selbstverständlich. Wände und Decken aus nacktem Fels oder verputzt, je nach Alter und Eigentümer. Manche Höhlen haben im Laufe der Jahrhunderte mehrere Räume erhalten; andere sind kompakter.
Seit einigen Jahren bieten Betreiber von Ferienwohnungen Höhlenhäuser auch Touristen an – die bekannteste Adresse sind die Living Artenara Cave Houses. Die Kombination aus jahrhundertealter Wohnform und modernem Komfort ist dabei das Besondere: Man schläft im Fels, hat WLAN, heißes Wasser und einen Blick aus dem Felsenfenster auf die Caldera de Tejeda.
Die Dorfstraße und die Kirche San Matías
Das Wahrzeichen von Artenara ist die Iglesia de San Matías – eine schlichte Pfarrkirche, die aus dem Ortsbild herausragt, ohne protzig zu sein. Die Geschichte der Kirchengemeinde geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als Missionare die Region zu christianisieren begannen. 1839 trennte sich die Pfarrei San Matías von der übergeordneten Pfarrei Gáldar und wurde selbstständig.
Die Dorfstraße davor ist einer der ruhigsten und ursprünglichsten Orte Gran Canarias. Keine Touristenshops, keine organisierten Führungen – nur das Dorf, seine Bewohner und der Blick auf Roque Bentayga, der sich am Ende fast jeder Gasse öffnet. Ein Spaziergang durch Artenara dauert keine 20 Minuten. Aber diese 20 Minuten sind eine der dichtesten Begegnungen mit dem echten Inselinnenland, die Gran Canaria bietet.
Die Kapelle Virgen de la Cuevita
Geschichte der Kapelle
Im älteren Teil von Artenara liegt eine der ungewöhnlichsten Kapellen der Kanarischen Inseln: die Ermita de la Virgen de la Cuevita – die Kapelle der Jungfrau der kleinen Höhle. Vollständig in eine natürliche Felshöhle eingehauen, beherbergt sie eine Madonnenstatue, die der Überlieferung nach im 14. Jahrhundert von mallorquinischen Missionaren hierher gebracht wurde. Die Kapelle ist damit einer der ältesten christlichen Sakralräume Gran Canarias.
Die Virgen de la Cuevita ist die Schutzpatronin der Radfahrer und Veteranen der Insel – eine ungewöhnliche Kombination, die ihre eigene Geschichte hat. Das wichtigste Fest des Gemeindegebiets ist ihr Gedenktag: Am 15. August beginnt eine Prozession von der Kapelle zur Pfarrkirche, begleitet von Messen, Andachten, folkloristischen Darbietungen und – als besonderes Ereignis – einem Radrennen von Las Palmas nach Artenara. Dann erklingen Musik und Gesang im Fels, Kerzen flackern an den Höhlenwänden, und das Dorf zieht die gesamte Insel an.
| Typ | Felshöhlenkapelle; vollständig in natürliche Höhle eingebaut |
|---|---|
| Statue | Virgen de la Cuevita; Überlieferung: 14. Jh., mallorquinische Missionare |
| Patronin | Schutzpatronin der Radfahrer und Veteranen Gran Canarias |
| Fest | 15. August; Prozession + Messen + Folklore + Radrennen Las Palmas → Artenara |
| Zugang | Tagsüber zugänglich; aktiver Kultort – Stille und Respekt |
Der Mirador de Unamuno – das vollständigste Panorama des Zentralmassivs
Was man vom Mirador sieht
Der Mirador de Unamuno am Ortsrand von Artenara bietet das vollständigste Panorama des Zentralmassivs Gran Canarias: Roque Bentayga im Vordergrund – massiv, breit, mit der Almogarén-Opferfläche auf dem Gipfel – dahinter der schlanke Roque Nublo, und an klaren Morgen der Teide auf Teneriffa am Horizont. Dazu: Pico de las Nieves nach Osten, das Zentralmassiv nach Süden, und die Küste in weiter Ferne.

Der Mirador ist nach dem spanischen Schriftsteller und Philosophen Miguel de Unamuno benannt, der die Aussicht von hier beschrieben haben soll. Ob er tatsächlich hier stand, ist nicht belegt – die Bronzestatue, die am Geländer sitzt und in die Caldera schaut, ist seit Jahrzehnten Teil des Ortsbildes.
Mesón La Silla – Höhlenrestaurant am Mirador
Direkt am Mirador de Unamuno liegt das Mesón La Silla – ein Höhlenrestaurant, das in dieser Form auf der Insel einmalig ist: eingerichtet in einer Felshöhle, mit einer Panoramaterrasse, die genau auf Roque Bentayga und Roque Nublo ausgerichtet ist. Kanarische Küche – Conejo en Salmorejo, Papas Arrugadas, Ziegenkäse – vor dem Panorama des Zentralmassivs. Das Restaurant ist mittags gut besucht; Reservierung empfohlen. Öffnungszeiten direkt prüfen.
Acusa Seca – UNESCO-Weltkulturerbe auf Gemeindegebiet
Das Gemeindegebiet Artenara umfasst Teile des UNESCO-Weltkulturerbes „Risco Caído und die Heiligen Berge Gran Canarias“ (anerkannt 2019). Auf dem Gemeindeboden liegt unter anderem der Höhlenkomplex Acusa Seca – eine prähistorische Siedlung der Guanchen mit Höhlenwohnungen, Speicherhöhlen und Kultplätzen, eingebettet in eine Felsenlandschaft, die die Ureinwohner als heilig betrachteten. Der Zugang zu Acusa Seca erfolgt zu Fuß; kein regulärer Besucherbetrieb – das Centro de Interpretación del Risco Caído in Artenara informiert über Zugangsmöglichkeiten.

| UNESCO | Weltkulturerbe Risco Caído und die Heiligen Berge (seit 2019) |
|---|---|
| Acusa Seca | Prähistorische Höhlensiedlung der Guanchen; auf Gemeindegebiet Artenara |
| Zugang | Zu Fuß; Offline-Karte nötig; kein regulärer Betrieb |
| Info | Centro de Interpretación del Risco Caído in Artenara |
Wanderrouten ab Artenara
Artenara ist Ausgangspunkt für Wanderungen ins gesamte Zentralmassiv. Die wichtigsten Routen ab Artenara auf Sunhikes.com:
| Route | Details |
|---|---|
| Artenara – Cruz de Tejeda (Teil S-90) | Ca. 14 km H/R; Blick Bentayga + Nublo; moderat bis schwer |
| Artenara – Tamadaba | Abstieg in den Naturpark; schwer; Punkt-zu-Punkt |
| Artenara – Acusa Seca | Kurze Wanderung zum Höhlendorf; moderat |
Anfahrt und Parken
Mit dem Auto: Am einfachsten erreicht man Artenara von Las Palmas über Teror und die GC-21. Die Fahrzeit beträgt je nach Verkehr rund 55 bis 65 Minuten. Alternativ bietet sich die landschaftlich reizvolle Strecke über Cruz de Tejeda an. Parkplätze stehen im Ortszentrum sowie am Mirador de Unamuno zur Verfügung. Aufgrund der kurvenreichen Bergstraßen sollte man ausreichend Fahrzeit einplanen.
Mit dem Bus: Artenara wird nur von wenigen Regionalbuslinien angefahren. Wer flexibel sein möchte oder mehrere Sehenswürdigkeiten der Bergregion besuchen möchte, ist mit einem Mietwagen deutlich besser unterwegs.
Öffnungszeiten und Infrastruktur
| Mesón La Silla | Höhlenrestaurant am Mirador; Reservierung empfohlen; Zeiten direkt prüfen |
|---|---|
| Kapelle Cuevita | Tagsüber zugänglich; aktiver Kultort |
| Bus | Global – sehr eingeschränkt; aktuell guaguasglobal.com prüfen |
| Unterkunft | Living Artenara Cave Houses (Ferienwohnungen in Höhlen); Buchung direkt |
| Leitungswasser | Nicht trinkbar – Flaschenwasser mitbringen |
Häufige Fragen zu Artenara
Sind die Höhlenwohnungen in Artenara wirklich bewohnt?
Was ist die Kapelle Virgen de la Cuevita?
Was sieht man vom Mirador de Unamuno?
Wie kommt man nach Artenara?
Was ist das Weltkulturerbe Risco Caído?
Warum leben Menschen noch heute in Höhlenwohnungen?
Lohnt sich Artenara auch ohne Wanderung?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


