Blaues Wunder in der Schlucht: Der Charco Azul im Naturpark Tamadaba
Im wilden Nordwesten Gran Canarias verbirgt sich am Grund einer Basaltschlucht ein kleines Wunder: der Charco Azul – ein natürlicher See von leuchtendem Türkisblau, gespeist von einem Wasserfall, umgeben von wassergeschliffenen Felsen und üppiger Schluchtvegetation. Wer ihn kennt, hält ihn für eines der schönsten Naturziele der gesamten Insel.

Der Charco Azul liegt im Barranco del Risco – einer tiefen Schlucht im Parque Natural de Tamadaba, Gemeinde Agaete. Der einzige Weg dorthin führt zu Fuß ab dem kleinen Bergdorf El Risco – durch die Schlucht, entlang des Bachlaufs, vorbei an Farnen, Moosen und dem Quaken von Fröschen.
Dieser Artikel erklärt wie man hinkommt, wann das Becken Wasser führt, ob man darin schwimmen kann und was den Barranco del Risco so besonders macht.
Steckbrief: Charco Azul auf einen Blick
| Typ | Natürliches Wasserbecken / Natursee |
|---|---|
| Lage / Gemeinde | Agaete, Gran Canaria (Parque Natural de Tamadaba) |
| Schlucht | Barranco del Risco |
| Zugang | Nur zu Fuß ab Dorf El Risco (Wanderung ca. 1,5–2 h) |
| Baden | Möglich bei ausreichendem Wasserstand (Nov–Mai) |
| Wassersaison | November bis Mai; Sommer meist zu wenig Wasser |
| Eintritt | Kostenlos |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel – gutes Schuhwerk, teils felsiger Untergrund |
| Wildcampen | Verboten |
| Lagerfeuer | Verboten |
| Trinkwasser | Nicht aus Leitungsnetz – eigenes Wasser mitbringen |
| Beste Reisezeit | November bis April (Wasserstand am höchsten) |

Entstehung: Wie entstand der Charco Azul?
Der Charco Azul ist kein Stausee und kein künstliches Becken. Er entstand durch das jahrtausendlange Schleifen und Aushöhlen des Bachlaufs im Basaltgestein des Barranco del Risco. Das Wasser fällt von einer erhöhten Stufe in ein tieferliegendes Becken – über Jahrmillionen hat diese Kraft das Gestein ausgehöhlt und poliert.
Warum ist das Wasser so blau?
Die charakteristische türkisblaue Farbe des Beckenwaserss entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: die geringe Wassertiefe, das helle Basaltgestein am Grund, das klare Quellwasser ohne Schwebstoffe und die einfallende Sonneneinstrahlung. Je nach Tageszeit und Lichteinfall wechselt die Farbe zwischen Türkis, Smaragdgrün und tiefem Blau.
Wasserführung: Saisonal und unberechenbar
Der Charco Azul ist kein verlässliches Ganzjahresziel. Die Wasserführung hängt direkt vom Regenfall im Einzugsgebiet des Tamadaba-Massivs ab. Nach guten Regenwintern (November bis Februar) ist der See tief genug zum Baden. Im Sommer (Juni bis September) führt der Barranco oft so wenig Wasser, dass das Becken fast trocken liegt.

Die Wanderung zum Charco Azul ab El Risco
Die einzige Möglichkeit, den Charco Azul zu erreichen, ist die Wanderung ab dem Bergdorf El Risco. Der Weg führt vom Dorfrand durch den oberen Teil des Barranco del Risco – zunächst auf einem markierten Pfad, dann zunehmend durch den Schluchtengrund selbst.
Sicherheit in der Schlucht
Der Barranco del Risco ist eine wilde Naturlandschaft. Da der Weg teilweise durch das Bachbett führt, besteht nach Regenfällen im Tamadaba-Massiv die Gefahr von Sturzfluten. Bei unsicherem Wetter sollte die Schlucht nicht betreten werden. Festes Schuhwerk, Trittsicherheit und ein Blick auf den Wetterbericht vor der Wanderung sind empfehlenswert.
Routenprofil
Ausgangspunkt: Dorfrand El Risco. Der erste Abschnitt führt auf der Ruta del Charco Azul durch Maquis-Vegetation hinab in die Schlucht. Im Schluchtengrund geht es entlang des Bachlaufs über Felsen, Wassergumpen und durch üppige Vegetation aus Farnen und Moosen. Die Wanderzeit beträgt je nach Tempo 1,5 bis 2 Stunden zur Charco (einfach). Aktuelle Routendaten bietet das Wanderportal Sunhikes.

Anforderungen
Die Route ist mittelschwer: Der Abstieg in die Schlucht ist steil, der Untergrund im Schluchtengrund teils felsig und nass. Wasserdichte Wanderschuhe sind dringend empfohlen – mehrere Stellen müssen bei Wasserführung durchwatet werden. Trittsicherheit ist Voraussetzung.
Baden im Charco Azul
Bei ausreichendem Wasserstand – vor allem von November bis April – ist das Baden im Charco Azul möglich. Das Wasser ist kalt, klar und erfrischt nach dem Abstieg. Im Sommer ist das Becken oft zu flach oder zu warm. Die Qualität des Wassers ist nicht offiziell zertifiziert – auf eigene Verantwortung.
Der Barranco del Risco: Mehr als nur ein Weg zum See
Der Barranco del Risco ist weit mehr als die Zufahrt zum Charco Azul. Die Schlucht selbst ist ein außergewöhnliches Naturgebiet: Wassergeschliffene Basaltfelsen, Farbe durch Moos und Flechten, tiefe Wassergumpen und der Gesang von Fröschen prägen das Erlebnis.

Frösche – ein überraschender Bewohner
Im feuchten Schluchtenbereich des Barranco del Risco leben der Kanarische Laubfrosch (Hyla meridionalis) und der Iberische Wasserfrosch – einer der wenigen Froscharten auf den Kanarischen Inseln. Wer die Wanderung unternimmt, hört sein Quaken lange bevor er ihn sieht. Das Quaken ist ein Zeichen für ausreichende Feuchtigkeit – und ein verlässlicher Indikator dafür, dass der Charco Azul Wasser führt.

Farbenpracht an den Wänden
Die Basaltfelsen des Barranco del Risco sind überzogen von Moosen, Farnen und Algen – ein leuchtendes Grün in allen Schattierungen, das je nach Tageszeit fast surreal wirkt. In den höheren, trockenen Abschnitten der Schlucht wechselt die Vegetation zu Tabaibas und Wolfsmilchgewächsen.
Das Dorf El Risco: Ausgangspunkt und Ruhepol
Das kleine Bergdorf El Risco liegt auf einer Terrasse oberhalb des Barranco, mit weitem Blick auf den Atlantik. Wenige Dutzend Einwohner, traditionelle Häuser und eine Stille, die im touristischen Gran Canaria rar geworden ist. Von hier aus starten die Wanderung zum Charco Azul und mehrere weitere Routen im Tamadaba-Gebiet.

Besuchsinfos: Charco Azul
| Eintritt | Kostenlos |
|---|---|
| Zugang | Nur zu Fuß ab Dorf El Risco (ca. 45–60 Min. Abstieg) |
| Parken | Im Dorf El Risco; kostenlos, begrenzt |
| Beste Reisezeit | Ganzjährig; Wasserstand nach Regen am höchsten |
| Wildcampen | Verboten (Naturpark Tamadaba) |
| Lagerfeuer | Verboten |
| Trinkwasser | Kein Trinkwasser vor Ort; ausreichend mitbringen |
Anfahrt nach El Risco
Mit dem Auto: Von Agaete folgt man der spektakulären Küstenstraße GC-200 in Richtung La Aldea de San Nicolás. Kurz nach den Tunneln zweigt die Straße zum Bergdorf El Risco ab. Die Zufahrt ist schmal und kurvenreich, weshalb auf Gegenverkehr geachtet werden sollte. Parkmöglichkeiten stehen im Ort in begrenzter Zahl zur Verfügung.
Mit dem Bus: El Risco wird über die Buslinien entlang der Westküste erreicht. Die Verbindungen sind jedoch eingeschränkt, sodass für die Anreise zum Ausgangspunkt der Wanderung häufig ein Mietwagen die praktischste Wahl ist. Aktuelle Fahrpläne bietet guaguasglobal.com.
Kombinationen: Was liegt in der Nähe?
El Risco und der Charco Azul lassen sich ideal mit dem Roque Faneque (spektakuläre Steilküste, 1.008 m, wenige km entfernt), der Montaña Tamadaba und Agaete mit seinem Hafen Puerto de las Nieves verbinden.
| Roque Faneque | Ca. 5 km – senkrechte Steilküste (1.008 m) |
|---|---|
| Montaña Tamadaba | Ca. 8 km – höchster Punkt des Tamadaba-Massivs |
| Agaete Ortskern | Ca. 10 km – Kaffeeplantage, Botanischer Garten |
| Puerto de las Nieves | Ca. 12 km – Hafen, Fischrestaurants, Fähre nach Teneriffa |
| Montaña Altavista | Ca. 10 km – schönster Aussichtsberg Gran Canarias |

Beste Reisezeit für den Charco Azul
| Jahreszeit | Bedingungen |
|---|---|
| Winter (Dez–Feb) | Ideal: Wasserstand am höchsten nach Regen; Frösche quaken; frisch |
| Frühling (Mär–Mai) | Sehr gut: Wasserführung noch gut; Vegetation am üppigsten |
| Herbst (Okt–Nov) | Gut: nach ersten Regen füllt Becken sich; angenehme Temperaturen |
| Sommer (Jun–Sep) | Oft enttäuschend: Becken häufig fast trocken; sehr warm im Barranco |
Häufige Fragen zum Charco Azul
Kann man im Charco Azul schwimmen?
Wie lange dauert die Wanderung zum Charco Azul?
Woran erkennt man, ob der Charco Azul Wasser führt?
Ist der Charco Azul das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt?
Benötigt man für die Wanderung zum Charco Azul besondere Ausrüstung?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


