Wo Menschen in Felsen wohnen: Der Barranco de Guayadeque auf Gran Canaria

Im Südosten Gran Canarias schneidet sich eine der faszinierendsten Schluchten der Kanarischen Inseln durch die Hochlandlandschaft: der Barranco de Guayadeque. 15 Kilometer lang, von steilen Tuffsteinwänden gesäumt, bewohnt von rund 170 Menschen – die meisten davon in Höhlenhäusern, die direkt in die Felswände gehauen sind. Was andernorts ein Relikt der Vorzeit wäre, ist hier gelebter Alltag.

Der Barranco de Guayadeque zeigt eine zerklüftete Felslandschaft im Osten Gran Canarias.
Der Barranco de Guayadeque zeigt eine zerklüftete Felslandschaft im Osten Gran Canarias.

Der Barranco de Guayadeque ist gleichzeitig Natur- und Kulturdenkmal: Archäologen fanden hier Mumien, Grabhöhlen, Wandmalereien und Getreidespeicher der Canarios – der Ureinwohner Gran Canarias. Heute zieht die Schlucht Besucherinnen und Besucher mit einem einzigartigen Mix aus lebendiger Höhlenkultur, Höhlenrestaurants, einem Interpretationszentrum und spektakulärer Natur an.

Dieser Artikel erklärt alles Wissenswerte: Geologie, Geschichte, Archäologie, Besuchsinfos, Höhlenrestaurants, Anfahrt und die besten Tipps für einen unvergesslichen Besuch im Barranco de Guayadeque.

Steckbrief: Barranco de Guayadeque auf einen Blick

TypErosionsschlucht / Barranco
Lage / GemeindenAgüimes und Ingenio, Gran Canaria (Südosten)
LängeCa. 15 km
SchutzstatusNatur- und Kulturdenkmal
EinwohnerCa. 170 Personen (hauptsächlich in Höhlenhäusern)
BesonderheitenHöhlenhäuser, Höhlenkirche, Höhlenrestaurants, Altkanarier-Archäologie
EintrittKostenlos (Schlucht und Wanderwege)
Centro InterpretaciónIn einer Felshöhle; Öffnungszeiten vor Besuch prüfen
ÖPNVBus ab Agüimes oder Ingenio; Anschluss ab Las Palmas
Beste ReisezeitGanzjährig; Ende Januar/Februar mit Mandelblüte besonders schön
ParkenKostenlose Parkplätze entlang der GC-103 sowie an den ausgewiesenen Stellflächen im Barranco.

Entstehung und Geologie: Eine Schlucht aus Tuffstein und Zeit

Der Barranco de Guayadeque entstand durch die jahrmillionenlange Erosionskraft von Wasser und Wind, die sich durch das vulkanische Gestein des östlichen Gran Canarias fraß. Das vorherrschende Gestein ist Tuffstein – eine poröse, vergleichsweise weiche Vulkanasche, die sich leicht aushöhlen lässt. Genau diese Eigenschaft machte den Barranco für seine Bewohner so wertvoll: Tuffstein ist isolierend, feuchtigkeitsregulierend und mit einfachen Werkzeugen bearbeitbar.

Poröser Tuffstein prägt die Guayadeque-Schlucht – weiche Vulkanasche, die sich mühelos zu Höhlen und Wohnräumen aushöhlen ließ.
Poröser Tuffstein prägt die Guayadeque-Schlucht – weiche Vulkanasche, die sich mühelos zu Höhlen und Wohnräumen aushöhlen ließ.

Warum eignet sich Tuffstein für Höhlenhäuser?

Tuffsteinwände halten im Sommer die Hitze draußen und im Winter die Wärme drinnen – eine natürliche Klimaanlage. Die Luft in den Höhlen ist konstant feucht genug, um Austrocknung zu verhindern, aber trocken genug, um Schimmelbildung zu hemmen. Für die Canarios und ihre Nachfahren war der Barranco de Guayadeque deshalb kein Rückzugsort aus Mangel, sondern eine durchdachte Wahl.

Höhlenhäuser im Fels des  Barranco de Guayadeque
Höhlenhäuser im Fels des Barranco de Guayadeque

Die Struktur der Schlucht

Die Schlucht des Barranco de Guayadeque beginnt nahe der Küstenebene zwischen den Gemeinden Agüimes und Ingenio und steigt nach Nordwesten ins Hochland Gran Canarias an. Je tiefer man in die Schlucht einfährt, desto enger und beeindruckender werden die Tuffsteinwände. Im oberen Teil öffnet sich das Tal zu einer hochgelegenen Ebene mit weitem Blick.

Geschichte und Archäologie: Die Canarios im Barranco de Guayadeque

Der Barranco de Guayadeque war eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Gran Canarias in der Vorkolonialzeit. Die Canarios – die Ureinwohner der Insel berberstämmiger Herkunft – nutzten die Höhlen der Schlucht als Wohnstätten, Grabhöhlen, Getreidespeicher und religiöse Kultstätten.

Mumien und Grabhöhlen

Archäologen entdeckten im Barranco de Guayadeque eine außergewöhnlich hohe Zahl an guanchischen Grabhöhlen. Die Funde umfassen mumifizierte Leichenname, Grabbeigaben aus Keramik, Leder und Knochen sowie Hinweise auf komplexe Bestattungsrituale. Diese Entdeckungen machen die Schlucht zu einem der bedeutendsten Fundorte der prähistorischen Geschichte Gran Canarias.

Cuevas Bermejas – Höhlenwohnungen mit Geschichte

Die Cuevas Bermejas (Rote Höhlen) im oberen Teil der Schlucht sind eines der eindrucksvollsten archäologischen Zeugnisse guanchischen Lebens. Die in den rötlichen Tuffstein gehauenen Höhlenkammern dienten sowohl als Getreidespeicher als auch als Wohnstätten. Wandmalereien und geometrische Einritzungen belegen die kulturelle Bedeutung des Ortes.

Centro de Interpretación de Guayadeque

Das Centro de Interpretación de Guayadeque ist selbst in eine Felshöhle integriert und vermittelt die Geschichte der Schlucht von der Altkanarier-Zeit bis heute. Ausstellungen zeigen Funde aus den Grabhöhlen, erklären die Lebenswelt der Ureinwohner und beleuchten die geologische Entstehung des Barrancos. Öffnungszeiten vor dem Besuch auf der Website des Cabildo de Gran Canaria prüfen.

Das Centro de Interpretación de Guayadeque ist in eine Felshöhle integriert.
Das Centro de Interpretación de Guayadeque ist in eine Felshöhle integriert.

Lebendige Höhlenkultur: Wohnen, Beten, Essen im Fels

Was den Barranco de Guayadeque so besonders macht: Die Höhlenkultur ist hier keine museale Angelegenheit, sondern lebendige Gegenwart. Rund 170 Menschen wohnen heute noch in Höhlenhäusern in den Wänden der Schlucht – mit Strom, Wasser, Breitband und modernem Komfort, aber eingebettet in Tuffsteinwände, die seit Jahrhunderten Schutz bieten.

Die Höhlenkirche

Mitten in der Schlucht liegt eine Höhlenkirche – eine in den Fels gehauene Kapelle, die noch heute für Gottesdienste genutzt wird. Sie ist eine der ungewöhnlichsten Sakralstätten Gran Canarias und ein stilles Zentrum des Schluchtenlebens.

Höhlenkirche im Barranco de Guayadeque.
Höhlenkirche im Barranco de Guayadeque.

Höhlenrestaurants: Essen im Fels

Mehrere Höhlenrestaurants im Barranco de Guayadeque laden dazu ein, die traditionelle Küche Gran Canarias in einer außergewöhnlichen Umgebung zu genießen. Tische und Stühle stehen buchstäblich in aus dem Tuffstein gehauenen Felskammern – ein Erlebnis, das Natur, Geschichte und Gastronomie auf einzigartige Weise verbindet.

Zu den bekanntesten Adressen zählen das Restaurante El Centro und das Restaurante Tagoror, die sich in Montaña de las Tierras am oberen Ende der Schluchtstraße befinden. Serviert werden typische kanarische Spezialitäten wie Papas arrugadas mit Mojo, gegrilltes Fleisch, Ziegenkäse und regionale Desserts. Besonders an Wochenenden und Feiertagen empfiehlt sich eine Reservierung.

Flora und Fauna: Was lebt im Barranco de Guayadeque?

Die Schlucht des Barranco de Guayadeque ist trotz ihrer Trockenheit erstaunlich artenreich. In den unteren Teilen wachsen Tabaiba (kanarische Wolfsmilch), Agaven und Zuckerrohr; weiter oben kommen Mandelbäume, Feigen und Obstkulturen hinzu. Im feuchten Schluchtengrund gedeihen Schilf und Weidenpflanzen.

Endemische Pflanzen der Schlucht

Die Tuffsteinwände bieten Nischen für eine Reihe endemischer Pflanzenarten, die an die trockenen, windgeschützten Bedingungen des Barrancos angepasst sind. Besonders auffällig sind die gelb blühenden Aeonien, die in den Felsspalten wachsen.

Mandelblüte – das Highlight im Januar

Ende Januar bis Mitte Februar verwandeln blühende Mandelbäume die Hänge des Barrancos in ein Meer aus Rosa und Weiß. Die Mandelblüte im Barranco de Guayadeque gehört zu den schönsten Naturschauspielen Gran Canarias – und zieht deutlich weniger Touristen an als die berühmtere Mandelblüte in Tejeda.

Mandelblüte im  Barranco de Guayadeque auf Gran Canaria
Mandelblüte im Barranco de Guayadeque auf Gran Canaria

Vögel und Reptilien

In der Schlucht sind Turmfalke, Kanarengirlitz und verschiedene Zugvogelarten heimisch. Die allgegenwärtige Kanarische Eidechse sonnt sich auf den warmen Tuffsteinfelsen entlang der Wanderwege.

Besuchsinfos: Barranco de Guayadeque

Eintritt SchluchtKostenlos
ParkenKostenlose Parkplätze entlang der GC-100
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
HundeErlaubt, an der Leine
ÖPNVBus ab Agüimes oder Ingenio; Anschluss ab Las Palmas
Beste ReisezeitGanzjährig; Ende Jan/Feb für Mandelblüte; Sept/Okt für Wandern

Wandern im Barranco de Guayadeque

Die Schlucht erschließt sich am eindrucksvollsten zu Fuß. Die Straße GC-100 führt von der Küstenebene bis in den oberen Teil der Schlucht – von dort starten mehrere Wanderwege in die umliegende Hochlandlandschaft. Der Weg entlang des Schluchtenbodens bietet wechselnde Einblicke in das Tuffsteingestein und zur Vegetation.

Wanderweg entlang des Schluchtenbodens

Der markierte Pfad entlang des Bachlaufs im Talboden führt durch die engsten Abschnitte der Schlucht. Er ist nicht technisch anspruchsvoll, erfordert aber gutes Schuhwerk, da der Untergrund aus losem Gestein und Sand besteht.

Aufstieg zu den Cuevas Bermejas

Ein steiler Pfad führt von der Straße GC-100 hinauf zu den Cuevas Bermejas – der bekanntesten archäologischen Stätte der Schlucht. Der Aufstieg dauert ca. 30–45 Minuten und belohnt mit einem einzigartigen Einblick in guanchische Höhlenwohnungen und Getreidespeicher.

Anfahrt zum Barranco de Guayadeque

Mit dem Auto

Von der GC-1 (Autovía del Sur) erreichst du den Barranco de Guayadeque über die Ausfahrten Agüimes oder Ingenio. Die GC-103 führt direkt in die Schlucht und bis hinauf nach Montaña de las Tierras, wo sich die Höhlenrestaurants und weitere Sehenswürdigkeiten befinden.
Entlang der Straße stehen mehrere kostenlose Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Die Strecke ist asphaltiert, verläuft jedoch kurvenreich und ist abschnittsweise schmal. Besonders bei Gegenverkehr ist vorsichtiges Fahren empfehlenswert.

Mit dem Bus

Ab Las Palmas de Gran Canaria fährt die Linie 21 nach Agüimes mit einer Haltestelle am Barranco Guayadeque. Von dort besteht nur eine sehr eingeschränkte Verbindung mit der Linie 27 (Taxi-Guagua) bis Montaña de las Tierras am oberen Ende der Schlucht. Da die Busverbindungen in den Barranco nur sehr selten verkehren, empfiehlt sich für einen Besuch ein Mietwagen. Aktuelle Verbindungen und Zeiten auf guaguasglobal.com.

Beste Reisezeit für den Barranco de Guayadeque

JahreszeitBedingungen
Winter / Jan–FebBeste Zeit: Mandelblüte Ende Januar; mild, 18–22°C
Frühling (Mär–Mai)Sehr gut: grüne Vegetation, angenehme Temperaturen, wenig Andrang
Sommer (Jun–Sep)Heiß in der Schlucht (Wärme staut sich); früh morgens empfohlen
Herbst (Okt–Nov)Ideal: stabile Verhältnisse, Wandern in angenehmen Temperaturen

Kombinationen: Was liegt in der Nähe?

Der Barranco de Guayadeque liegt im Osten Gran Canarias und lässt sich gut mit dem historischen Ortskern von Agüimes (gegründet 1491, schöne Altstadt, beste Bäckereien der Insel) und dem Barranco de las Vacas (Tobas de Colores – bunte vulkanische Felsformationen) verbinden.

Agüimes OrtskernCa. 5 km – Altstadt, Iglesia San Sebastián, Bäckereien
Barranco de las VacasCa. 8 km – Tobas de Colores, bunte Felsformationen
Playa del CabrónCa. 10 km – bestes Tauchrevier Gran Canarias
IngenioCa. 6 km – Eingangsseite Schlucht von Norden
TeldeCa. 15 km – historisches Stadtzentrum, Altkanarier-Archäologie
Barranco de las Vacas
Barranco de las Vacas

Häufige Fragen zum Barranco de Guayadeque

Leben wirklich noch Menschen in Höhlenhäusern im Barranco de Guayadeque?

Ja – rund 170 Menschen wohnen heute noch in Höhlenhäusern in den Tuffsteinwänden der Schlucht. Die Höhlen sind modern ausgestattet (Strom, Wasser, Internet), bieten aber durch das natürliche Tuffsteinmaterial eine hervorragende natürliche Klimatisierung. Es handelt sich nicht um ein Museumsdorf, sondern um echte Wohnhäuser – die Bewohner bitten um Respekt ihrer Privatsphäre.

Was sind die Cuevas Bermejas?

Die Cuevas Bermejas (Rote Höhlen) sind eine archäologische Stätte im oberen Teil der Schlucht. Die in rötlichen Tuffstein gehauenen Kammern dienten den Altkanariern als Getreidespeicher, Wohnstätten und wurden rituell genutzt. Wandmalereien und Einritzungen machen sie zu einem der bedeutendsten Canarios-Fundorte Gran Canarias.

Gibt es Restaurants im Barranco de Guayadeque?

Ja. Mehrere Höhlenrestaurants servieren traditionelle kanarische Küche direkt in aus dem Fels gehauenen Gasträumen. Zu den bekanntesten gehören das Restaurante El Centro und das Restaurante Tagoror in Montaña de las Tierras am oberen Ende der Schlucht. Aufgrund der Beliebtheit – insbesondere an Wochenenden – empfiehlt sich eine Reservierung.

Wann ist die Mandelblüte im Barranco de Guayadeque?

Die Mandelblüte im Barranco de Guayadeque dauert in der Regel von Ende Januar bis Mitte Februar. Sie ist weniger bekannt als die Mandelblüte in Tejeda, dafür deutlich ruhiger – ein Geheimtipp für alle, die das Naturschauspiel ohne große Touristenströme erleben möchten.

Kann man den Barranco de Guayadeque mit dem Auto komplett durchfahren?

Ja. Die GC-103 führt vom Tal bis nach Montaña de las Tierras am oberen Ende der Schlucht. Die Straße ist durchgehend asphaltiert, allerdings schmal und kurvenreich. Da sie stellenweise nur wenig Platz für Gegenverkehr bietet, ist eine defensive Fahrweise ratsam.

Wie viel Zeit sollte man für den Barranco de Guayadeque einplanen?

Für einen Besuch solltest du mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. So bleibt genügend Zeit für das Besucherzentrum, einen Spaziergang durch die Höhlensiedlungen und eine Einkehr in einem der Höhlenrestaurants. Wer zusätzlich eine Wanderung unternehmen möchte, kann problemlos einen halben oder ganzen Tag im Barranco verbringen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com