Ein Inselkontinent im Miniformat: Die Flora Gran Canarias

Gran Canaria wird nicht umsonst als „Kontinent im Kleinen“ bezeichnet. Auf einer Fläche von rund 1.560 Quadratkilometern finden sich mehr als 500 endemische Pflanzenarten – Arten, die ausschließlich auf den Kanarischen Inseln oder sogar nur auf Gran Canaria selbst vorkommen. Das ist eine Pflanzendichte, die in Europa ihresgleichen sucht.

Wolfsmilchgewächse zählen zur charakteristischen Trockenvegetation Gran Canarias und prägen viele Hangbereiche der Insel.
Wolfsmilchgewächse zählen zur charakteristischen Trockenvegetation Gran Canarias und prägen viele Hangbereiche der Insel.

Der Grund für diesen botanischen Reichtum liegt in der Vielfalt der Klimazonen: Trockene Südküste, feuchter Nordosten, Hochlandmassiv mit Kiefernwald und Nebelwald, Barrancos mit eigenem Mikroklima – jede Zone trägt eine andere Pflanzengemeinschaft. Wer Gran Canaria botanisch erkundet, reist von der Halbwüste bis zum Regenwald in wenigen Kilometern.

Der Drachenbaum: Lebendes Fossil

Der Drachenbaum (Dracaena draco) ist das bekannteste Symbol der Kanarischen Inseln. Er gehört zu den ältesten Pflanzenformen, die auf den Inseln überlebt haben – ein Zeuge der Tertiärflora, die einst ganz Südeuropa und Nordafrika bedeckte. Der Stamm eines ausgewachsenen Drachenbaums verzweigt sich schirmförmig, erst nach der ersten Blüte.

Der Drachenbaum ist eine charakteristische Pflanzenart der Kanarischen Inseln und kann mehrere Jahrhunderte alt werden.
Der Drachenbaum ist eine charakteristische Pflanzenart der Kanarischen Inseln und kann mehrere Jahrhunderte alt werden.

Drachenblut

Das rote Harz des Drachenbaums – das sogenannte Drachenblut – wurde von den Guanchen für Rituale genutzt und ist seit der Antike als Farb- und Heilmittel bekannt.Zu den bekanntesten Drachenbäumen Gran Canarias zählen die beeindruckenden Exemplare im Jardín Botánico Viera y Clavijo (Jardín Canario) bei Tafira / Santa Brígida sowie die alten Drachenbäume im Barranco de Agaete. Besonders der Botanische Garten bietet einen hervorragenden Überblick über die Pflanzenwelt der Kanaren.Gran Canarias steht im Jardín Canario (Las Palmas) und im Barranco de Agaete.

Die Kanarische Kiefer: Meister der Regeneration

Die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) ist die häufigste Baumart des Hochlands und eine der widerstandsfähigsten Kiefernarten der Welt. Nach Waldbränden treibt sie aus dem Stamm neu aus – eine Anpassung, die sie in der feuergeprägten Landschaft der Kanaren überlebensfähig macht. Ihre Nadeln können über 30 Zentimeter lang werden.

Die Nadeln der kanarischen Kiefer können über 30 Zentimeter lang werden und ermöglichen das sogenannte Wolkenmelken.
Die Nadeln der kanarischen Kiefer können über 30 Zentimeter lang werden und ermöglichen das sogenannte Wolkenmelken.

Tamadaba und Pilancones

Die schönsten Kanarischen Kiefernwälder Gran Canarias finden sich im Parque Natural de Tamadaba im Nordwesten und im Parque Natural de Pilancones im Süden. In diesen Wäldern wachsen teils jahrhundertealte Exemplare.

Kanarische Kiefer – eine der widerstandsfähigsten Kiefernarten der Welt.
Kanarische Kiefer – eine der widerstandsfähigsten Kiefernarten der Welt.

Euphorbien: Die Kerzenleuchter der Trockenzonen

Die Wolfsmilchgewächse (Euphorbien) prägen die Trockenzone Gran Canarias wie keine andere Pflanzenfamilie. Die häufigsten Arten sind die Euphorbia canariensis (kanarische Wolfsmilch, kerzenleuchterartig verzweigt), die Euphorbia regis-jubae (Tabaiba dulce) und die Euphorbia balsamifera (Tabaiba). Alle produzieren einen milchigen, giftigen Latex.

Die Kanaren-Wolfsmilch wächst in kandelaberartigen Formationen – ein Überlebenskünstler im trockenen Klima der Insel.
Die Kanaren-Wolfsmilch wächst in kandelaberartigen Formationen – ein Überlebenskünstler im trockenen Klima der Insel.

Der Lorbeerwald: Regenwald auf Inselniveau

Der Lorbeerwald (Laurisilva) ist der letzte Überrest der tertiären Nebelwälder, die einst Südeuropa bedeckten. Auf Gran Canaria findet sich echter Lorbeerwald nur in feuchten Schluchten des Nordens und Nordostens. Er besteht aus Lorbeer (Laurus novocanariensis), Til, Vinátigo und anderen Arten und bildet ein mehrschichtiges, feuchtes Waldsystem.

Lorbeerwald (Laurisilva) – letzter Überrest der tertiären Nebelwälder.
Lorbeerwald (Laurisilva) – letzter Überrest der tertiären Nebelwälder.

Biosphärenreservat seit 2005

Gran Canarias Pflanzenwelt steht unter dem Schutz des UNESCO-Biosphärenreservats (seit 2005), das rund 40 Prozent der Inselfläche umfasst. Der Schutz soll die endemische Flora vor menschlichem Einfluss bewahren.

Aeonien: Rosettenblüher auf Fels

Die Aeonien (Aeonium spp.) sind eine der artenreichsten endemischen Pflanzengattungen der Kanaren. Diese sukkulenten Rosettengewächse wachsen auf Felsen, in Mauerfugen und in allen Klimazonen der Insel – von der Küste bis auf über 1.000 Meter Höhe. Ihre Rosetten können von wenigen Zentimetern bis über einem halben Meter Durchmesser reichen.

Aeoniumpflanzen zählen zu den endemischen Pflanzengattungen der Kanaren und wachsen bevorzugt an Felshängen und Berghängen.
Aeoniumpflanzen zählen zu den endemischen Pflanzengattungen der Kanaren und wachsen bevorzugt an Felshängen und Berghängen.

Die Kanarische Palme: Wahrzeichen der Insel

Die Kanarische Palme (Phoenix canariensis) gehört zu den bekanntesten Pflanzen Gran Canarias und prägt viele Barrancos, Oasen und landwirtschaftlich genutzte Täler. Als endemische Palmenart der Kanarischen Inseln ist sie hervorragend an das trockene Klima angepasst und erreicht Höhen von bis zu 20 Metern.

Mit ihrer mächtigen Krone prägt die Kanarische Palme das Landschaftsbild.
Mit ihrer mächtigen Krone prägt die Kanarische Palme das Landschaftsbild.

Früher wurde aus ihrem zuckerhaltigen Saft – dem Guarapo – Palmsirup hergestellt. Heute ist vor allem der Miel de Palma der Nachbarinsel La Gomera bekannt, wo diese traditionelle Herstellung bis heute gepflegt wird.

Weitere wichtige endemische Arten

Kanarischer Salbei (Salvia canariensis)Rosa-lila Blüten; häufig in Schluchten und Hochland
Kanarischer Ginster (Adenocarpus viscosus)Gelb blühend; in Hochlagen über 1.000 m
Kanarischer Lorbeer (Laurus novocanariensis)Lorbeerwald; feuchte Nordhänge
Kanarische Palme (Phoenix canariensis)Endemische Palmenart; häufig in Barrancos und Oasen
Kleinia neriifoliaSukkulente Trockenpflanze der Südhänge
Sonchus-Arten (Milchdisteln)Endemische Milchdisteln mit zahlreichen Arten
Kanarischer Salbei (Salvia canariensis)
Kanarischer Salbei (Salvia canariensis)

Beste Orte für Pflanzenbeobachtung

Jardín Canario (Las Palmas)Jardín Botánico Viera y Clavijo (Jardín Canario), Tafira / Santa Brígida – größter Botanischer Garten Spaniens mit über 2.000 Pflanzenarten der makaronesischen Flora.
Parque Natural de TamadabaSchönster Kiefernwald; Aeonien; Farne
Barranco de AgaeteKaffeeplantage; Drachenbäume; Tropenpflanzen
Barranco de GuayadequeFeuchte Schlucht; Lorbeerelemente; Orchideen
Reserva Natural de GüigüíUnberührte Trockenvegetation; Euphorbien-Wald
Hochland Parque Rural del NubloKanarische Kiefern; Ginster; Hochgebirgsflora

Häufige Fragen zur Flora Gran Canarias

Warum hat Gran Canaria so viele endemische Pflanzenarten?

Die geografische Isolation als Insel im Atlantik, kombiniert mit einer außergewöhnlichen Vielfalt an Klimazonen auf engem Raum, schuf ideale Bedingungen für die Entstehung endemischer Arten. Über Millionen von Jahren entwickelten sich auf der Insel eigenständige Arten, die an die spezifischen Bedingungen ihrer Zone perfekt angepasst sind.

Was ist der Unterschied zwischen Tabaiba und Euphorbia canariensis?

Beide gehören zur Gattung der Wolfsmilchgewächse (Euphorbia). Die Tabaiba (Euphorbia regis-jubae und Euphorbia balsamifera) wächst als buschiger Strauch mit weichen Zweigen. Die Euphorbia canariensis ist die sogenannte Kandelaber-Wolfsmilch – sie wächst kerzenleuchterartig mit dicken, kantig gegliederten Stämmen und kann mehrere Meter hoch werden.

Welche Pflanze ist das Wahrzeichen Gran Canarias?

Als botanisches Wahrzeichen gelten vor allem der Drachenbaum (Dracaena draco) und die Kanarische Palme (Phoenix canariensis). Beide sind eng mit der Geschichte und Landschaft der Kanarischen Inseln verbunden und gehören zu den bekanntesten Pflanzen der Insel.

Wo kann man die Pflanzenwelt Gran Canarias am besten kennenlernen?

Der beste Ort ist der Jardín Botánico Viera y Clavijo (Jardín Canario) bei Tafira / Santa Brígida. Daneben bieten auch der Naturpark Tamadaba, der Barranco de Agaete, der Parque Rural del Nublo und das Naturschutzgebiet Güigüí hervorragende Möglichkeiten, die vielfältige Flora der Insel zu entdecken.

Warum wachsen auf Gran Canaria so viele unterschiedliche Pflanzen?

Auf engem Raum treffen verschiedene Klimazonen aufeinander – von trockenen Küstenregionen über feuchte Nordhänge bis zu den Kiefernwäldern und Hochlagen im Inselinneren. Diese außergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen begünstigte über Millionen von Jahren die Entstehung zahlreicher endemischer Pflanzenarten, die nur auf den Kanarischen Inseln oder sogar ausschließlich auf Gran Canaria vorkommen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

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