Der S-90: Die klassische Runde durch das Herz des Tamadaba

Es gibt Wanderwege, die sich nach etwas anfühlen – und der S-90 im Naturpark Tamadaba ist einer davon. Von der ersten Minute an riecht die Luft nach Harz, der Boden ist bedeckt mit langen Kiefernnadeln, und das Licht fällt gefiltert durch die dichten Kronen der Kanarischen Kiefern. Diese 7,4 Kilometer lange Rundwanderung führt auf dem gleichnamigen Wanderweg durch das Herz des Naturparks – auf den 1.443 Meter hohen Gipfel der Montaña de Tamadaba – den höchsten Punkt des Tamadaba-Massivs – zum Aussichtsplateau, hinunter zur Rast- und Campingwiese Llanos de la Mimbre, an der Fuente del Reventón vorbei und zur historischen Cueva del Zapatero. Moderat, gut markiert und ganzjährig begehbar.

Blick zum Gipfel des Montaña Tamadaba vom Wanderweg S-90.
Blick zum Gipfel des Montaña Tamadaba vom Wanderweg S-90.

Startpunkt ist die Degollada de Las Lajas an der GC-216, wo sich die Straße in den Naturpark teilt. Die Hinweisschilder zeigen den Einstieg. Die Route folgt durchgehend dem markierten S-90 – mit einem kurzen, wilden Abschnitt am Gipfelpfad. Wer Tamadaba zum ersten Mal besucht, startet mit dieser Tour.

Dieser Artikel begleitet die Runde mit Steckbrief, Routenbeschreibung in drei Abschnitten, Hintergrundinformationen zum Naturpark und allen Tipps zu Anfahrt, Ausrüstung und bester Reisezeit.

Wanderung S-90 Tamadaba auf einen Blick

Streckenlänge7,4 km (Rundwanderung)
Schwierigkeitmoderat – trittsicher, vorwiegend Pfade
Gehzeitca. 2:30 bis 3:00 Stunden
Höhenmeter Aufstieg334 hm
Höhenmeter Abstieg334 hm
Höchster Punkt1.443 m (Gipfel Montaña de Tamadaba)
Niedrigster Punkt1.185 m (Degollada de Las Lajas / Ausgangspunkt)
StartpunktDegollada de Las Lajas, GC-216, Parque Natural de Tamadaba
WegmarkierungS-90
RoutentypRundwanderung
SchutzstatusParque Natural de Tamadaba
Beste ReisezeitGanzjährig – Kiefernwald auch im Sommer angenehm kühl
WasserWasser mitbringen – Fuente del Reventón ist kein Trinkwasser
BesonderheitGipfel Montaña de Tamadaba + Llanos de la Mimbre + Cueva del Zapatero
Idyllische Wanderpfade schlängeln sich durch den Kiefernwald des Naturparks Tamadaba.
Idyllische Wanderpfade schlängeln sich durch den Kiefernwald des Naturparks Tamadaba.

Anfahrt und Startpunkt

Der Startpunkt der Wanderung liegt an der Degollada de Las Lajas im Parque Natural de Tamadaba.


Mit dem Auto: Die Anfahrt erfolgt über die GC-216. Von der Kreuzung GC-210/GC-217 führt die Straße Richtung Tamadaba. Nach rund 4 Kilometern erreicht man die Degollada de Las Lajas, wo Hinweisschilder den Einstieg zur Wanderung markieren. Direkt am Ausgangspunkt stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung.


Mit dem Bus (ÖPNV): Die Degollada de Las Lajas ist nicht direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die nächstgelegene Busverbindung endet in Artenara. Von dort aus ist für die Weiterfahrt zum Startpunkt ein Taxi oder Mietwagen erforderlich.

Die nächste reguläre Haltestelle liegt in Artenara. Aktuelle Verbindungen unter Guaguasglobal.com – Busverbindungen Artenara / Tamadaba

Die Wanderung in drei Abschnitten

Die Route folgt durchgehend dem gut markierten Wanderweg S-90 – mit einem kurzen wilden Abschnitt am Gipfelpfad, den Steinmännchen anzeigen. Kein GPS-Track zwingend erforderlich, aber hilfreich.

Abschnitt 1: Aufstieg auf den Gipfel Montaña de Tamadaba

Hinter den Hinweisschildern beginnt der Wanderweg durch den lichten Kiefernwald. Die Route folgt zunächst den gemeinsam verlaufenden Wanderwegen S-90 und S-93. Schon nach wenigen Minuten prägen der Duft der Kanarischen Kiefern und das gefilterte Licht unter den Baumkronen die besondere Atmosphäre des Naturparks.

Panoramablick vom Gipfel des Montaña de Tamadaba (1.433 m).
Panoramablick vom Gipfel des Montaña de Tamadaba (1.433 m).

Nach rund 1,1 Kilometern erreicht man einen Abzweig. Ein schmaler Pfad führt links hinauf zur Montaña de Tamadaba (1.443 m) – dem höchsten Punkt des Massivs – und wenige Meter weiter zum Pico de la Bandera (1.440 m). Der kurze Gipfelanstieg ist etwas steiler, belohnt jedoch mit einem beeindruckenden Panorama über den Naturpark Tamadaba. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Teide auf Teneriffa. Anschließend führt derselbe Pfad zurück zu den Wanderwegen S-90 und S-93.

Vom Tamadaba entfaltet sich ein Panorama, das bis zum Roque Nublo reicht.
Vom Tamadaba entfaltet sich ein Panorama, das bis zum Roque Nublo reicht.

Abschnitt 2: Aussichtsplateau, Degollada de Humo und Llanos de la Mimbre

Zurück auf S-90 und S-93 folgt man der Route nach links. Nach etwa 80 Metern lohnt sich ein kurzer Abstecher zu einem Aussichtspunkt mit weitem Blick über den Kiefernwald. Rund 700 Meter später erreicht man eine Weggabelung. Hier folgt die Wanderung dem S-90 nach rechts in Richtung Degollada de Humo und Llanos de la Mimbre.

Die Berglandschaft des Tamadaba öffnet den Blick zur Westküste Gran Canarias.
Die Berglandschaft des Tamadaba öffnet den Blick zur Westküste Gran Canarias.

Nach ca. 220 Metern erreicht man die Straße und die Degollada de Humo. Dieser folgt man ca. 100 Meter bergab bis zur Weggabelung Siete Pinos. Die Route des Wanderweges S-90 führt nach links – in einem Auf und Ab von ca. 900 Metern zum Rastplatz Llanos de la Mimbre. Ein traumhafter Ort unter alten Kiefern, ideal für eine Picknickpause.

Der Rast- und Campingplatz Llanos de la Mimbre im Kiefernwald des Tamadaba.
Der Rastplatz Llanos de la Mimbre unter alten Kiefern im Naturpark Tamadaba.

Abschnitt 3: Fuente del Reventón, Cueva del Zapatero und Rückweg

Von Llanos de la Mimbre links abbiegen und ca. 140 Meter bis zur Quelle Fuente del Reventón gehen. Das Wasser sickert aus dem Fels – es ist kein Trinkwasser, aber die kühle Stimmung an der Quelle ist besonders. Von hier sind es noch ca. 950 Meter bis zum Campingplatz

Blick auf den Gipfel des Roque Faneque.
Blick auf den Gipfel des Roque Faneque.

Vom Campingplatz führt der Weg bergauf durch lichten Kiefernwald und felsiges Gelände. Nach etwa 780 Metern erreicht man die Kreuzung mit dem S-93. Ein kurzer Abstecher von rund 90 Metern nach rechts führt zur Cueva del Zapatero, einer natürlichen Felsöffnung, die früher als Unterstand genutzt wurde.

Wanderweg führt durch lichten Kiefernwald bei der Degollada de Las Lajas
Wanderweg führt durch lichten Kiefernwald bei der Degollada de Las Lajas

Anschließend geht es zurück auf den Hauptweg. Nach rund 550 Metern erreicht man die Straße. Dieser folgt man etwa 150 Meter nach rechts, bevor der Wanderweg wieder in den Wald führt. Nach weiteren 950 Metern und einem kurzen Straßenabschnitt von etwa 300 Metern ist die Degollada de Las Lajas erreicht.

Der Parque Natural de Tamadaba: Kiefernwald mit Weltbedeutung

Das Tamadaba-Altavista-Massiv ist eines der markantesten Gebirge Gran Canarias. Innerhalb des Naturparks erstreckt sich auf 7.538,6 Hektar ein wertvoller Kanarischer Kiefernwald (Pinus canariensis), der trotz jahrhundertelanger forstwirtschaftlicher Nutzung gut erhalten geblieben ist. Der Tamadaba-Kiefernwald ist der einzige Kiefernwald Gran Canarias, der nach Norden ausgerichtet ist – er ist deshalb feuchter, üppiger und artenreicher als die südexponierten Kiefernwälder der Insel.

Die Kanarische Kiefer hat eine bemerkenswerte Eigenschaft: Ihre langen Nadeln kondensieren Feuchtigkeit aus den Passatwolken – ein Prozess, der horizontale Niederschläge liefert und die Grundwasserreserven der Insel auffüllt. In der Trockenzeit speisen diese Niederschläge Quellen wie die Fuente del Reventón. Der Kiefernwald des Tamadaba ist damit nicht nur schön, sondern ökologisch unersetzbar.

Erodierte Felsformationen zwischen Kiefern im Naturpark Tamadaba.
Erodierte Felsformationen zwischen Kiefern im Naturpark Tamadaba.

Schutzstatus und Regeln: Parque Natural de Tamadaba

Die Route verläuft durch den Parque Natural de Tamadaba. Es gelten strenge Schutzregeln: Wegegebot, keine Pflanzenentnahme, kein Feuer, Abfall mitnehmen. Wildcampen ist verboten – nur auf dem offiziellen Campingplatz Llanos de la Mimbre ist Übernachten erlaubt. Lagerfeuer sind im gesamten Naturpark strikt untersagt. Leitungswasser ist nicht trinkbar.

Flora und Fauna: Blaufinken, Zistrosen und Bergthymian

Der Tamadaba-Kiefernwald ist einer der artenreichsten Lebensräume Gran Canarias. Im Schatten der Kiefern gedeiht die Zistrose (Cistus ocreatus), die im Frühjahr weiß blüht. Baumheide (Erica arborea), Gagelstrauch (Morella faya) und der endemische Bergthymian (Micromeria pineolens) wachsen im Unterwuchs. In den Felsspalten sonnt sich die Kanarische Eidechse (Gallotia stehlini)

Kanarische Eidechse (Gallotia stehlini)
Kanarische Eidechse (Gallotia stehlini)

Im Kiefernwald singen Kanarengirlitze und die endemischen Blaufinken (Fringilla teydea polatzeki) – eine auf Gran Canaria heimische Unterart, die fast ausschließlich in Kiefernwäldern lebt und hier leicht zu beobachten ist. Über dem Gipfelbereich kreisen Turmfalken und Habichte. Nach dem großen Waldbrand von 2007 hat sich der Wald vollständig erholt – ein Beweis für die Feuertoleranzeigenschaften der Kanarischen Kiefer.

Beste Reisezeit

Herbst (Okt–Nov)Klare Sicht, angenehme Temperaturen – Teneriffa gut sichtbar
Winter (Dez–Feb)Kühl, intensiv grüner Wald, gute Fernsicht – sehr gut
Frühling (Mär–Mai)Zistrosenblüte, milde Temperaturen – schönste Flora
Sommer (Jun–Sep)Kiefernwald angenehm kühl – auch im Sommer gut begehbar

Hinweis

Der Tamadaba-Kiefernwald ist ganzjährig angenehm kühl. Im Sommer, wenn der Rest der Insel heiß ist, bietet diese Tour eine willkommene Abkühlung.

Ausrüstung

SchuhwerkFestes Schuhwerk empfohlen – Gipfelpfad teils weglos und steinig
Wasser0,5–1 Liter – kurze Tour, aber keine Trinkwasserquelle unterwegs
SonnenschutzHut, Creme – Gipfelbereich und Aussichtsplateau ohne Schatten
WindschutzLeichte Jacke – Gipfel und Aussichtsplateau können windig sein
RegenschutzIm Winter und Herbst leichter Regenschutz empfohlen

Kombinationsmöglichkeiten

Kurze Gipfelrunde6 km, leicht – S-90/S-93 ohne Llanos de la Mimbre, über Forsthaus zurück
S-90 + Roque Faneque11,8 km, schwer – die große Tamadaba-Runde bis zum Faneque-Grat
S-90 + Morro de las Lechugas11,2 km, schwer – Tamadaba-Gipfel und Faneque-Aussichtspunkt
Tamadaba → Agaete10,7 km, moderat – Abstieg vom Kiefernwald ans Meer
Montaña Bibique auf der Route Tamadaba–Agaete.
Montaña Bibique auf der Route Tamadaba–Agaete.

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:

Zur Routenseite auf Sunhikes: Rundweg S-90 im Naturpark Tamadaba

Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:

Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps

Gipfelpfad: Der kurze Abstecher auf den Gipfel ist mit einem wilden Pfad und Steinmännchen markiert. Wer unsicher ist, bleibt auf dem S-90 – der Aussichtsplateau kurz danach bietet ähnlich schöne Blicke.

Campingplatz Llanos de la Mimbre: Der offizielle Campingplatz muss vorab gebucht werden. Wildcampen im Naturpark ist verboten.

Kein Feuer: Lagerfeuer sind im gesamten Tamadaba-Naturpark strikt verboten – keine Ausnahme, kein Kompromiss.

Fuente del Reventón: Das Quellwasser ist kein Trinkwasser. Eigenes Wasser mitbringen.

Häufige Fragen zur S-90-Runde im Tamadaba

Kann man im Tamadaba zelten?

Wildcampen ist im Naturpark Tamadaba verboten. Der einzige legale Übernachtungsort ist der offizielle Campingplatz Llanos de la Mimbre im Herzen des Parks – er muss vorab gebucht werden. Lagerfeuer sind im gesamten Naturpark strikt untersagt.

Was ist die Cueva del Zapatero?

Die Cueva del Zapatero – die Schusterhöhle – ist eine natürliche Felsöffnung im Tamadaba-Kiefernwald. Ihr Name ist volkstümlich und verweist wahrscheinlich auf einen Handwerker, der diese Höhle früher als Unterstand nutzte. Sie liegt direkt am Wanderweg S-90 und ist leicht zu übersehen – kurz anhalten und hineinschauen lohnt sich.

Ist der Gipfel auf dieser Route erreichbar?

Ja. Ein kurzer Abstecher vom S-90 führt zur Montaña de Tamadaba (1.443 m) – dem höchsten Punkt des Tamadaba-Massivs. Wenige Meter weiter liegt der Pico de la Bandera (1.440 m). Der schmale Gipfelpfad ist teilweise durch Steinmännchen markiert und erfordert Trittsicherheit. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Teide auf Teneriffa.

Warum ist der Tamadaba-Wald so besonders?

Der Parque Natural de Tamadaba beherbergt den einzigen nach Norden ausgerichteten Kiefernwald Gran Canarias. Er ist feuchter und artenreicher als die südexponierten Kiefernwälder. Die Nadeln der Kanarischen Kiefer kondensieren Feuchtigkeit aus den Passatwolken – ein unersetzlicher Prozess für die Wasserversorgung der Insel.

Warum gilt der S-90 als die klassische Tamadaba-Wanderung?

Der S-90 verbindet die schönsten Landschaften des Naturparks auf einer abwechslungsreichen Rundtour. Neben der Montaña de Tamadaba (1.443 m) führt die Route zum Aussichtspunkt oberhalb der Westküste, zur Rast- und Campingwiese Llanos de la Mimbre, an der Fuente del Reventón vorbei und zur Cueva del Zapatero. Dadurch bietet sie einen besonders umfassenden Eindruck des Tamadaba-Massivs.

Kann man die Wanderung ohne GPS unternehmen?

Ja. Die Route ist durchgehend mit den Wegmarkierungen S-90 sowie auf dem kurzen gemeinsamen Abschnitt mit dem S-93 ausgeschildert. Lediglich der kurze Abstecher zur Montaña de Tamadaba und zum Pico de la Bandera verläuft auf einem schmaleren Pfad, der zusätzlich durch Steinmännchen markiert ist. Für geübte Wanderer ist deshalb in der Regel kein GPS-Track erforderlich.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:

www.sunhikes.com