Güigüí: Der einsamste Strand Gran Canarias – und der Weg dorthin

Es gibt Strände, die man einfach ansteuert. Und dann gibt es die Playa de Güigüí. Kein Bus, kein Parkplatz am Strand, keine Bar, kein Rettungsschwimmer. Dunkelgrauer Vulkansand, eingerahmt von senkrechten Klippen, das Meer dahinter in tiefem Blau – und an klaren Tagen der Teide am Horizont. Wer diesen Strand sehen will, muss ihn sich verdienen: 10,5 Kilometer, 973 Höhenmeter im Auf- und ebenso viele im Abstieg. Die Tour gehört zu den anspruchsvollsten Wanderungen Gran Canarias und ist nur für erfahrene Wandernde geeignet.

Steilklippen an der Playa de Güigüí Chico – Gran Canaria.
Steilklippen an der Playa de Güigüí Chico – Gran Canaria.

Die Route startet im kleinen Ort Tasartico im Westen Gran Canarias und führt durch den Barranco de Tasartico bergauf zur Degollada de Aguasabina – einem Pass auf fast 600 Metern, von dem aus sich das Meer in voller Weite zeigt. Dann geht es in Serpentinen bergab, durch eine breite Schlucht, bis der Weg den Strand Playa de Güigüí erreicht. Der Rückweg führt auf derselben Route zurück. Plan: mindestens fünf Stunden.

Wanderpfad entlang des Bergmassivs des Montaña Aguasabina.
Wanderpfad entlang des Bergmassivs des Montaña Aguasabina.

Dieser Artikel gibt den vollständigen Steckbrief, eine Routenbeschreibung in drei Abschnitten und einen ausführlichen Sicherheitshinweis – denn Güigüí ist kein Ausflug für Unvorbereitete.

Sicherheitshinweis: Güigüí nur für erfahrene Wandernde

Die Wanderung zur Playa de Güigüí ist anspruchsvoll und birgt reale Risiken. Wer diese Tour unterschätzt, bringt sich in Gefahr. Die Wanderung verlangt neben guter Kondition auch eine realistische Selbsteinschätzung. Zwischen Tasartico und der Playa de Güigüí gibt es keine Einkehrmöglichkeiten, keine Wasserstellen und nur eingeschränkte Rettungsmöglichkeiten. Wer sich unterwegs erschöpft, muss den gesamten Rückweg dennoch aus eigener Kraft über die Passhöhe bewältigen.

SchwierigkeitSchwer – nur für erfahrene Bergwandernde
SchattenKaum – fast keine schattigen Abschnitte auf der gesamten Route
WasserMindestens 3 Liter mitbringen – keine Auffüllmöglichkeit unterwegs
MobilfunkKein Empfang im Naturreservat Güigüí
RettungsschwimmerKeiner am Strand – Baden auf eigene Gefahr
WildcampenVerboten im gesamten Reserva Natural Especial de Güigüí
GezeitenÜbergang zum Playa de Güigüí Chico nur bei Ebbe möglich
NotfallIm Notfall kann es sehr lange dauern, bis Hilfe eintrifft
Brandende Wellen an einem vorgelagerten Riff – Playa de Güigüí.
Brandende Wellen an einem vorgelagerten Riff – Playa de Güigüí.

Wanderung Tasartico – Playa de Güigüí auf einen Blick

Streckenlänge10,5 km (Hin- und Zurück)
Schwierigkeitschwer – steinige Serpentinen, rutschiges Geröll, kaum Schatten
Gehzeitca. 4:30 bis 5:30 Stunden (inkl. Aufenthalt am Strand)
Höhenmeter Aufstieg973 hm
Höhenmeter Abstieg973 hm
Höchster Punktca. 590 m (Degollada de Aguasabina)
Niedrigster Punkt0 m (Playa de Güigüí)
StartpunktTasartico, GC-204, Gemeinde La Aldea de San Nicolás
WegmarkierungGut beschildert
RoutentypHin- und Zurück
SchutzstatusReserva Natural Especial de Güigüí
Beste ReisezeitOktober bis April – Hitze im Sommer extrem
WasserMindestens 3 Liter pro Person – keine Quelle unterwegs
BesonderheitEinsamster Strand Gran Canarias + Teide-Blick + Klippen Güigüí Chico

Anfahrt und Startpunkt

Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt im kleinen Weiler Tasartico im Westen Gran Canarias. Kurz nach der Ortseinfahrt weist ein Schild „Acceso Playa de Güigüí“ nach links auf einen kurzen Feldweg zu den Informationstafeln und den kostenlosen Parkplätzen.


Mit dem Auto: Die Anfahrt erfolgt aus dem Süden – beispielsweise von Puerto Rico oder Mogán – über die GC-1 bis zu ihrem westlichen Ende. Anschließend folgt man der GC-200 in Richtung La Aldea de San Nicolás. Hinter der Passhöhe Degollada de la Aldea zweigt links die GC-204 ab, die durch das abgelegene Barranco de Tasartico bis zum Ausgangspunkt führt.
Hinweis: Die GC-204 ist schmal, kurvenreich und stellenweise einspurig. Eine vorsichtige und konzentrierte Fahrweise ist erforderlich.


Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Eine direkte Busverbindung nach Tasartico besteht nicht. Die nächstgelegene regelmäßige Busverbindung von Guaguas Global endet in La Aldea de San Nicolás. Von dort ist für die Weiterfahrt nach Tasartico ein Taxi oder Mietwagen erforderlich. Aktuelle Verbindungen unter Guaguasglobal.com – Busverbindungen La Aldea de San Nicolás

Die Wanderung in drei Abschnitten

Die Route ist hervorragend beschildert – Orientierungsprobleme sind selten. Das macht die Tour nicht leichter, aber sicherer. Der Weg führt größtenteils durch steinige Serpentinen bergauf und bergab.

Abschnitt 1: Tasartico – Aufstieg durch den Barranco de Tasartico

Von den Informationstafeln am Parkplatz führt der Weg in den Barranco de Tasartico hinein. Die Schlucht ist karg und beeindruckend: dunkle Basaltwände, wenig Vegetation, der Blick in die Tiefe. Der Aufstieg beginnt sofort – in steinigen Serpentinen, auf lose Geröll, manchmal rutschig. Das Tempo muss hier von Anfang an dosiert werden.

Ausblick entlang der Wanderung zur Passhöhe Aguasabina.
Ausblick entlang der Wanderung zur Passhöhe Aguasabina.

Beim Aufstieg öffnen sich immer wieder Ausblicke auf die umliegenden Bergmassive und zurück ins Tasartico-Tal. Die Vegetation ist spärlich: vereinzelte Tabaibas und Cardonales, die sich in den Felsspalten halten. Schatten gibt es kaum – nur dort, wo Berghänge die Sonne abhalten.

Abschnitt 2: Degollada de Aguasabina – der Pass mit Meeresblick

Nach dem langen Aufstieg erreicht man die Degollada de Aguasabina – einen Bergsattel auf fast 600 Metern. Hier öffnet sich das Panorama: Das Meer liegt in voller Weite vor einem, die Klippen der Westküste fallen steil ins Wasser, und an klaren Tagen steht der Teide auf Teneriffa als schneeweißer Kegel am Horizont. Ein Moment, der den Aufstieg rechtfertigt.

Der Bergpass Degollada de Aguasabina.
Der Bergpass Degollada de Aguasabina.

Von der Passhöhe führt der Weg entlang des Bergmassivs des Montaña Aguasabina weiter – mit atemberaubenden Ausblicken auf die Küstenlandschaft der Playa de Güigüí weit unten. Der Abstieg beginnt.

Blick über die Küstenlandschaft der Playa de Güigüí.
Blick über die Küstenlandschaft der Playa de Güigüí.

Abschnitt 3: Abstieg durch die Schlucht zur Playa de Güigüí

Der Abstieg führt durch eine breite Schlucht direkt auf den Strand zu. Die Klippen werden immer näher, das Rauschen des Meeres immer lauter. Beim Abstieg zum Strand selbst ragen die Klippen bedrohlich über dem Weg auf – ein eindrucksvoller Abschluss eines beeindruckenden Weges.

Der Strand Playa de Güigüí liegt in einer engen Bucht zwischen senkrechten Felsklippen. Im Sommer füllt ihn feiner dunkelgrauer Vulkansand – im Winter kann der Sand komplett verschwinden. Das Meer ist an ruhigen Tagen zum Baden einladend; Vorsicht vor Strömungen. Nur bei Ebbe ist der Übergang zum nördlicheren Playa de Güigüí Chico möglich. Vorab die Gezeitenzeiten prüfen.

Klippen beim Abstieg zum Güigüí-Strand.
Klippen beim Abstieg zum Güigüí-Strand.

Die Playa de Güigüí: Gran Canarias wildester Strand

Die Playa de Güigüí gilt als einer der einsamsten und ursprünglichsten Strände Gran Canarias – und der Kanarischen Inseln überhaupt. Kein Tourismusbetrieb, keine Straße, kein Rettungsschwimmer. Nur Fels, Sand, Meer – und Stille. Gerade diese Abgeschiedenheit macht den besonderen Reiz des Strandes aus. Wer hier ankommt, erlebt eine der letzten nahezu unberührten Küstenlandschaften der Insel.

Der einsamste Strand Gran Canarias: Playa de Güigüí.
Der einsamste Strand Gran Canarias: Playa de Güigüí.

Der Strand liegt in der Reserva Natural Especial de Güigüí – einem der strengst geschützten Naturreservate Gran Canarias. Wildcampen ist verboten. Feuer verboten. Das Reservat ist Heimat endemischer Pflanzen und Tiere, die nirgends sonst auf der Insel vorkommen. Wer die Playa de Güigüí besucht, trägt Verantwortung für diesen Ort.

Hinweis: Reserva Natural Especial de Güigüí

Die gesamte Wanderung verläuft durch das Reserva Natural Especial de Güigüí – eines der strengst geschützten Naturreservate Gran Canarias. Wildcampen ist strikt verboten. Lagerfeuer sind im gesamten Reservat untersagt. Keine Pflanzenentnahme. Abfall vollständig mitnehmen – was rein geht, kommt raus. Das Reservat hat kein Leitungswasser und keinen Mobilfunkempfang. Im Notfall kann es sehr lange dauern, bis Hilfe eintrifft.

Steilklippen und Meer an der Playa de Güigüí.
Steilklippen und Meer an der Playa de Güigüí.

Flora und Fauna: Endemisches Küstenrelikt

Das Reserva Natural Especial de Güigüí beherbergt eine der unberührtesten Küstenfloren der Kanarischen Inseln. Auf den Steilhängen wachsen Tabaibas dulces (Euphorbia balsamifera) und Cardonales (Euphorbia canariensis) in kaum gestörten Beständen. In den Felsspalten gedeihen endemische Zistrosenarten und Aeonium-Arten. Am Strand selbst wächst Meereskohl (Crambe) direkt an der Wasserlinie.

Über den Klippen kreisen Fischadler und Turmfalken. In den Felsnischen nisten Sturmschwalben. Im Meer vor der Playa de Güigüí sind Mönchsrobben selten, aber nicht unmöglich – das Gebiet ist für sie einer der letzten kanarischen Rückzugsräume.

Beste Reisezeit

Herbst (Okt–Nov)Angenehme Temperaturen, gute Sicht auf Teide – beste Saison
Winter (Dez–Feb)Kühl im Aufstieg, Strand kann sandfrei sein – gut
Frühling (Mär–Apr)Blütezeit, mildes Klima – empfehlenswert
Sommer (Jun–Sep)Extreme Hitze, kaum Schatten – nur sehr früh starten, viel Wasser

Ausrüstung

SchuhwerkRobuste Bergwanderschuhe – rutschiges Geröll, steile Abschnitte
WasserMindestens 3 Liter pro Person – keine Auffüllmöglichkeit
ProviantFür 5+ Stunden – keine Verpflegung unterwegs
SonnenschutzHut, Brille, Creme – kaum Schatten auf der gesamten Route
KopfbedeckungUnerlässlich – direkter Sonnenbeschuss fast durchgehend
MobiltelefonMitnehmen – kein Empfang, aber im Notfall wichtig
BadeklamottenFür den Strand – bei ruhigem Meer Schwimmen möglich
Der Wanderweg verläuft durch eine breite Schlucht zum Strand Playa de Güigüí.
Der Wanderweg verläuft durch eine breite Schlucht zum Strand Playa de Güigüí.

Kombinationsmöglichkeiten

Per BootVon Mogán oder Puerto de la Aldea – alternativ zum Fußmarsch
Los AzulejosLos Azulejos – Farbenprächtige Felsformationen an der GC-200 im Veneguera-Tal – ideal als weiterer Ausflug im Westen Gran Canarias.
Mirador del BalcónAndén Verde Skywalk: Aussichtsplattform 400 m – La Aldea de San Nicolás
La Aldea de San NicolásNächstgelegener Ort mit Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten
Los Azulejos: Gran Canarias farbigste Felsenlandschaft
Los Azulejos: Gran Canarias farbigste Felsenlandschaft

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:

Zur Routenseite auf Sunhikes: Wanderung vom Barranco de Tasartico zur Playa de Güigüí

Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:

Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps

Früh starten: Die Tour dauert mindestens fünf Stunden. Wer um 7 Uhr aufbricht, ist bei gemäßigten Temperaturen unterwegs und zurück, bevor die Mittagshitze einsetzt.

Wasser ist keine Verhandlungssache: 3 Liter pro Person ist das Minimum. Im Sommer mehr. Eine Dehydrierung auf halber Strecke ohne Hilfe in der Nähe ist lebensgefährlich.

Gezeiten: Wer zum Playa de Güigüí Chico möchte – dem nördlicheren Strandabschnitt – muss den Gezeitenstand prüfen. Der Übergang ist nur bei Ebbe möglich.

Per Boot: Wer die Wanderung nicht machen möchte, kann die Playa de Güigüí per Boot von Mogán oder vom Hafen La Aldea aus erreichen – eine völlig andere Erfahrung, aber ohne den Verdienst der Wanderung.

Rückweg nicht unterschätzen: Der anstrengendste Teil der Tour beginnt nach dem Strandbesuch. Vom Meeresspiegel führt der gesamte Aufstieg zurück über die Degollada de Aguasabina nach Tasartico. Deshalb ausreichend Zeit, Wasserreserven und Energiereserven für den Rückweg einplanen.

Die Silhouette des Teide hinter der Degollada de Aguasabina.
Die Silhouette des Teide hinter der Degollada de Aguasabina.

Häufige Fragen zur Wanderung Güigüí

Ist die Wanderung zur Playa de Güigüí für Einsteiger geeignet?

Nein. Die Route ist als schwer eingestuft und setzt gute Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung in anspruchsvollem Gelände voraus. 973 Höhenmeter auf 10,5 Kilometern, fast kein Schatten, kein Mobilfunk, keine Rettung in der Nähe – das ist kein Einsteigerpfad. Wer regelmäßig anspruchsvolle Bergwanderungen unternimmt, meistert die Tour gut.

Kann man an der Playa de Güigüí schwimmen?

Ja, bei ruhigem Meer und ausreichend Sand. Im Sommer füllt feiner dunkelgrauer Vulkansand den Strand. Im Winter kann der Sand fast vollständig verschwinden. Es gibt keinen Rettungsschwimmer – Baden auf eigene Gefahr. Auf Strömungen achten.

Gibt es eine Möglichkeit, die Playa de Güigüí ohne Wanderung zu erreichen?

Ja. Von Mogán und vom Hafen Puerto de la Aldea gibt es gelegentlich Bootsfahrten zur Playa de Güigüí. Diese Option ist abhängig von Wetter und Jahreszeit. Wer die Ruhe und Einsamkeit des Strandes sucht, findet sie per Boot genauso – aber ohne den Verdienst der Wanderung.

Kann man die Wanderung bei großer Hitze machen?

Davon ist abzuraten. Die Route verläuft fast vollständig ohne Schatten. Besonders zwischen Juni und September sollten Wandernde möglichst früh starten und ausreichend Wasser mitführen. Bei großer Hitze steigt die körperliche Belastung erheblich.

Ist die Playa de Güigüí nur zu Fuß erreichbar?

Nein. Neben der Wanderung kann die Playa de Güigüí auch mit dem Boot erreicht werden. Bootsfahrten werden je nach Wetterlage und Saison unter anderem von Puerto de Mogán oder La Aldea angeboten. Wer sich für den Fußweg entscheidet, erlebt jedoch eine der eindrucksvollsten Küstenwanderungen Gran Canarias.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:

www.sunhikes.com