Bienmesabe – die Mandelcreme, die alles besser macht
In der Dulcería Nublo in Tejeda stehen die Gläser in den Regalen wie eine süße Bibliothek. Klein, groß, mit Schleife, ohne Schleife – alle gefüllt mit derselben goldbraunen Masse, die nach gerösteten Mandeln und Honig riecht. Die Verkäuferin erklärt nicht viel. Sie öffnet ein Glas, gibt einem ein Brot – und dann versteht man, warum man das als Mitbringsel kauft, und warum das Glas zu Hause selten bis zur zweiten Woche überlebt.

Bienmesabe ist kanarisch für „er schmeckt mir gut“ – und dieser Name ist eine der besten Produktbeschreibungen der Welt. Die Mandelcreme aus dem Bergdorf Tejeda ist mehr als ein Dessert: Sie ist Aufstrich, Sauce, Mitbringsel, Festgebäck und eine der direktesten Verbindungen zur kulinarischen Seele des kanarischen Hochlands.
Geschichte – Mandeln, Hochland und Jahrhunderte
Bienmesabe gehört zu den ältesten Mandelspezialitäten der Kanarischen Inseln. Seine Wurzeln reichen bis in die maurisch-spanische Süßwarentradition zurück, aus der auch verwandte Mandelcremes auf dem spanischen Festland hervorgingen. Auf Gran Canaria entwickelte sich daraus jedoch eine ganz eigene Spezialität. Entscheidend sind die aromatischen Hochlandmandeln aus Tejeda, die auf den alten Terrassenfeldern rund um die Caldera gedeihen und dem Bienmesabe seinen unverwechselbaren Geschmack verleihen.
Der Mandelanbau in Tejeda reicht bis in die ersten Jahrhunderte nach der spanischen Conquista zurück. Vulkanische Böden, trockene Sommer und kühle Nächte sorgen dafür, dass die Mandeln besonders aromatisch und leicht herb ausfallen. Aus ihnen entstand eine Mandelcreme, die bis heute zu den bekanntesten Spezialitäten Gran Canarias zählt.
Bienmesabe war ursprünglich eine Möglichkeit, die Mandelernte haltbar zu machen und den wertvollen Rohstoff vielseitig zu verwenden. Das Grundrezept aus Mandeln, Zucker, Honig oder Sirup, Eigelb und Zitronenschale hat sich über Generationen kaum verändert. Heute gehört Bienmesabe zu den kulinarischen Wahrzeichen Tejedas und wird in den traditionsreichen Dulcerías des Bergdorfes noch immer nach überlieferten Rezepturen hergestellt.
Das Original-Rezept aus Tejeda – für 6 bis 8 Portionen
Zutaten
| 500 g süße Mandeln | Geschält; oder 500g blanchierte Mandeln; kanarische Sorten wenn verfügbar |
|---|---|
| 750 g Zucker | Weißer Zucker; bei der traditionellen Version keine Reduktion |
| 500 ml Wasser | Gefiltertes Wasser |
| 3 Eigelb | Frische Eier, Zimmtertemperatur |
| 1–2 TL Zimt | Gemahlen; nach Geschmack; nicht überdosieren |
| Schale 1 Zitrone | Unbehandelte Zitrone; nur die gelbe Schale, ohne das Weiße |
Zubereitung – Schritt für Schritt
| Schritt | Was zu tun ist |
|---|---|
| 1. Mandeln vorbereiten | Mandeln 1–2 Min. in kochendes Wasser geben; abschrecken; Schalen abziehen. Alternativ: bereits geschälte Mandeln verwenden. |
| 2. Mandeln rösten | In einer trockenen Pfanne ohne Fett unter ständigem Rühren hellbraun rösten – ca. 5–8 Min. auf mittlerer Hitze. Nicht zu dunkel werden lassen. |
| 3. Mandeln mahlen | Im Mixer oder Mörser mahlen – nicht zu fein (grobe Textur ist Merkmal des Original-Bienmesabe). Auf Mehlkonsistenz achten, aber Körnung bewahren. |
| 4. Zuckersirup kochen | Wasser erhitzen; Zucker einrühren; bei mittlerer Hitze 10–15 Min. zu sirupartiger Konsistenz einkochen. Test: Ein Tropfen auf kaltem Teller muss sich leicht ziehen lassen. |
| 5. Mandeln einarbeiten | Gemahlene Mandeln, geriebene Zitronenschale und Zimt in den Zuckersirup einrühren. Einmal aufkochen; 2–3 Min. köcheln lassen. Rühren nicht vergessen. |
| 6. Abkühlen lassen | Masse auf ca. 40–50°C abkühlen lassen – etwa 15 Min. Wichtig: Nicht vollständig kalt, aber deutlich unter Kochtemperatur. |
| 7. Eigelb unterziehen | Eigelbe gut verquirlen; unter ständigem Rühren langsam und schrittweise in die Masse einarbeiten. Die Masse dabei vorsichtig wieder leicht erwärmen – nicht über 80°C. |
| 8. Finale Erhitzung | Die Creme unter ständigem Rühren nur noch vorsichtig erhitzen, bis sie leicht andickt. Sie sollte dabei nicht mehr sprudelnd kochen, damit das Eigelb eine seidige Konsistenz behält. Beim Abkühlen dickt das Bienmesabe zusätzlich nach. |
| 9. Abfüllen | Noch warm in saubere Schraubgläser füllen; vakuumieren wenn möglich; abkühlen lassen. |
Zubereitungszeit: ca. 45–60 Minuten. Schwierigkeitsgrad: mittel. Hauptrisiko: Eigelb zu heiß einarbeiten (Ei stockt) oder Sirup zu lange kochen (zu fest).
Lagerung und Haltbarkeit
| Im geschlossenen Glas | Kühl und dunkel: mehrere Monate haltbar |
|---|---|
| Nach dem Öffnen | Kühlschrank; innerhalb von 2–3 Wochen aufbrauchen |
| Als Mitbringsel | Vakuumverschlossene Gläser sind ideal; reisefest; in Deutschland nicht erhältlich |
| Einfrieren | Möglich in kleinen Portionen; Textur leicht verändert nach dem Auftauen |
Varianten – Bienmesabe weitergedacht
Bienmesabe ohne Eigelb (vegane Variante)
Wer auf Eigelb verzichten will, lässt Schritt 7 weg. Das Ergebnis ist eine etwas weniger cremige, dafür länger haltbare Variante. Die Konsistenz bleibt streichfähig, aber etwas fester. In einigen Dulcerías in Tejeda wird diese Variante explizit als „Bienmesabe sin huevo“ angeboten.
Bienmesabe mit Orangenschale
Statt Zitronenschale eine unbehandelte Orange verwenden – das ergibt eine wärmere, süßlichere Zitrusnote. Gut zu Weihnachtsgebäck und zu dunkler Schokolade als Kombination.
Bienmesabe mit Anisschnaps
In manchen kanarischen Familienrezepten wird ein Esslöffel Anisschnaps (Anís del Mono oder ähnlich) beim letzten Aufkochen hinzugefügt. Das gibt dem Bienmesabe eine leicht alkoholische Tiefe – für den Abschluss eines Abendessens.
Bienmesabe mit Bittermandeln
Wer den Anteil an Bittermandeln erhöht (max. 10% der Mandelmenge, da Blausäuregehalt beachten), bekommt ein intensiveres, etwas herberes Bienmesabe. Nur für erfahrene Köche; Bittermandeln sind in Deutschland manchmal als „Backmandeln“ erhältlich.
Wofür man Bienmesabe verwendet
| Verwendung | Beschreibung |
|---|---|
| Auf Brot | Als Aufstrich, warm oder kalt – mit Butter darunter oder pur auf Landbrot |
| Auf Vanilleeis | Klassische kanarische Dessertkombi: eine Kugel Vanilleeis, warmes Bienmesabe darüber |
| Als Tortencrème | Als Füllkrem für Torten und Kuchen; mit Schlagsahne verlängert |
| Zu Käse | Frischer Ziegenkäse mit Bienmesabe – der kanarische Käsegang |
| In Frangollo | In der Maisgrieß-Dessert-Variante mit Bienmesabe statt Palmhonig |
| Als Dip zu Früchten | Erdbeeren, Orangen, Bananen in Bienmesabe dippen – vor allem mit Kindern |
| Pur aus dem Glas | Die ehrlichste Version; Teelöffel genügt |
Wo man Bienmesabe auf Gran Canaria kauft und isst
Direktkauf in Tejeda
| Dulcería Nublo | Hauptstraße Tejeda; größte Auswahl; verschiedene Größen; Mandelllikör, Mazapán und Polvorones ebenfalls erhältlich |
|---|---|
| Dulcería Tejeda | Familienbetrieb; Bienmesabe nach altem Rezept; handgefertigt; persönlicher Charakter |
| Mercadillo Tejeda (So) | Lokaler Sonntagsmarkt; Bienmesabe aus kleinen Familienproduktionen; günstig |
| Mercadillo de Teror (So) | Ebenfalls Bienmesabe-Stände; etwas touristischer als Tejeda |
Bienmesabe im Restaurant
| La Tienda de Josefina (Tejeda) | Hausgemachtes Bienmesabe zum Kaffee; bestes Preis-Erlebnis-Verhältnis |
|---|---|
| Restaurante Texeda (Tejeda) | Als Dessert oder in der Dessertkarte; hochwertige Variante |
| Mesón La Silla (Artenara) | Als Dessert nach dem Conejo en salmorejo; Panoramablick dazu |
| Parador Cruz de Tejeda | Als Dessert; touristische Version; teuer aber konsistent |
Bienmesabe als Mitbringsel
Bienmesabe im Glas gehört zu den beliebtesten kulinarischen Mitbringseln von Gran Canaria. Gut verschlossene Gläser sind mehrere Monate haltbar und lassen sich problemlos transportieren. Im Handgepäck gelten wie bei allen Flüssigkeiten die üblichen Sicherheitsbestimmungen (Behälter bis 100 ml), größere Gläser gehören ins Aufgabegepäck. Preis: ca. 4–8 € pro Glas je nach Größe – in Tejeda günstiger als am Flughafen LPA.
Häufige Fragen zum Bienmesabe-Rezept
Was ist der Unterschied zwischen Bienmesabe und Mazapán de Tejeda?
Warum gerinnt das Eigelb manchmal?
Kann man Bienmesabe einfrieren?
Welche Mandeln nimmt man für das beste Bienmesabe?
Kann man Bienmesabe warm und kalt servieren?
Warum ist Bienmesabe aus Tejeda besonders aromatisch?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


