Frangollo – das älteste Dessert der Kanarischen Inseln

Frangollo gehört zu den traditionsreichsten Desserts der kanarischen Küche. Seine Wurzeln reichen bis zur jahrhundertealten Tradition der kanarischen Ureinwohner zurück, Getreide zu nahrhaften Breien zu verarbeiten. Das heutige Rezept entstand jedoch erst nach der Ankunft des Maises (Millo) aus Amerika im 16. Jahrhundert. Aus der Verbindung dieser alten Zubereitungsweise mit neuen Zutaten entwickelte sich ein Dessert, das bis heute auf Gran Canaria und den übrigen Kanarischen Inseln zu den beliebtesten Süßspeisen zählt.

Frangollo ist ein traditionelles kanarisches Dessert aus Maisgrieß, Milch, Zucker und Zimt.
Frangollo ist ein traditionelles kanarisches Dessert aus Maisgrieß, Milch, Zucker und Zimt.

Cremig gekocht aus Maisgrieß, Milch, Rosinen, Mandeln und einer Prise Zimt wird Frangollo traditionell warm oder kalt serviert. Besonders authentisch schmeckt er mit etwas Miel de Palma – dem berühmten Palmhonig der Kanarischen Inseln.

Geschichte – von den Getreidebreien der Ureinwohner zum Frangollo

Die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, bereiteten bereits lange vor der spanischen Eroberung einfache Breie aus gemahlenem Getreide wie Gerste oder Weizen zu. Diese sättigenden Speisen gehörten zu ihrer täglichen Ernährung und gelten als Vorläufer vieler heutiger kanarischer Gerichte.

Erst nach der Entdeckung Amerikas gelangte Mais (Millo) im 16. Jahrhundert über die Atlantikrouten auf die Kanarischen Inseln. Nach und nach ersetzte oder ergänzte er die bisherigen Getreidesorten und wurde zur Grundlage des heutigen Frangollos.

Im Laufe der Jahrhunderte kamen weitere Zutaten wie Mandeln, Rosinen, Zucker und Gewürze hinzu. So entstand aus einer einfachen Getreidespeise eines der bekanntesten Desserts der kanarischen Küche.

Das Original-Rezept – für 4–6 Personen

Wichtig: Maismehl, nicht Gofio

Das häufigste Missverständnis beim Frangollo: Es wird rohes Maismehl verwendet, kein Gofio. Gofio ist geröstet; Frangollo-Maismehl ist ungekocht (feines Maismehl oder grober Maisgrieß). In deutschen Supermärkten: Polenta-Grieß (mittelgrob) oder Maismehl (fein) eignet sich gut als Ersatz.

Zutaten

250 g grobes Maismehl / MaisgrießNicht geröstet; Polenta-Qualität funktioniert; auf Gran Canaria speziell erhältlich
1 Liter Milch (Vollmilch)Vollmilch gibt cremigeres Ergebnis als fettarme
100 g ZuckerWeiß oder braun; Menge nach Geschmack anpassen
2 EL OlivenölTeil des originalen Rezepts; rundet den Geschmack ab
50 g RosinenVorher 15 Min. in Wasser einweichen
100 g MandelnGrob gehackt; geröstete Mandeln geben mehr Aroma
1 ZimtstangeBeim Kochen; vor dem Servieren entfernen
Schale 1 Orange oder ZitroneGerieben; nur die farbige Schale, ohne Weißes
Prise SalzBalanciert die Süße
Palmhonig (Miel de palma) zum ServierenDas kanarische Original; alternativ Rohrzuckersirup oder Honig

Zubereitung

SchrittWas zu tun ist
1. Rosinen einweichenRosinen 15 Min. in lauwarmem Wasser einweichen; abtropfen lassen.
2. Maismehl ansetzenMaismehl in einen Topf geben; Milch und Olivenöl dazugießen; Zimtstange, Zitrus-/Orangenschale und Salz hinzufügen; kalt einrühren (keine Klümpchen).
3. AufkochenBei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren aufkochen. Das ist entscheidend: nicht aufhören zu rühren – Maismehl setzt schnell an.
4. EinkochenHitze auf klein reduzieren; 15–20 Min. rühren bis die Masse dickflüssig und cremig ist. Textur-Test: Ein Löffel soll auf der Oberfläche stehen bleiben.
5. EinrührenZucker, Rosinen und gehackte Mandeln einrühren; 5 Min. weiter köcheln.
6. Zimtstange entfernenHerausnehmen.
7. ServierenHeiß in Schüsselchen oder Gläser füllen; mit Palmhonig übergießen. Alternativ: kalt stellen und fest werden lassen – dann als Dessert mit Palmhonig oder Vanilleeis.

Zubereitungszeit: ca. 30 Minuten. Schwierigkeitsgrad: leicht, aber geduldig – ständiges Rühren ist Pflicht.

Tipp:

Verwenden Sie möglichst einen Topf mit dickem Boden. Sobald der Frangollo eindickt, beginnt die Masse ähnlich wie Polenta leicht zu „ploppen“. Durch regelmäßiges Rühren verhindert man, dass sie anbrennt oder Klümpchen bildet.

Warm oder kalt – zwei Charaktere

Der Frangollo hat zwei Gesichter. Warm – direkt aus dem Topf – ist er cremig und fließend wie ein dicker Brei; mit Palmhonig übergossen ist er ein klassisches Wärmedessert. Kalt – nach 2 Stunden im Kühlschrank – verfestigt er sich zu einem schneidbaren Block; in Scheiben geschnitten, mit Palmhonig oder Vanilleeis serviert, ist er eleganter. Beide Versionen sind authentisch.

Miel de Palma – eine Spezialität der Kanaren

Traditionell wird Frangollo mit Miel de Palma serviert. Der echte Palmhonig wird aus dem eingekochten Saft der Kanarischen Dattelpalme (Guarapo) gewonnen. Heute stammt der überwiegende Teil dieser Spezialität von der Nachbarinsel La Gomera, wo die Herstellung bis heute nach traditioneller Methode gepflegt wird. Auf Gran Canaria wird Miel de Palma zwar überall verwendet, aber nur noch in sehr kleinen Mengen produziert.

Varianten

Frangollo mit Bienmesabe

Statt Palmhonig: Bienmesabe (kanarische Mandelcreme) über den warmen Frangollo geben. Die Kombination aus Maisgries-Cremigkeit und Mandelsüße ist intensiv und sehr kanarisch.

Frangollo mit Eigelb (reichhaltigere Version)

1 Eigelb in die heiße Masse einrühren (wie bei Bienmesabe: erst etwas abkühlen lassen, dann einrühren). Das Eigelb macht den Frangollo reicher und cremiger. Einige kanarische Rezepte fügen auch 2 EL Butter hinzu.

Frangollo vegan

Vollmilch durch Hafer- oder Kokosmilch ersetzen. Kokosmilch gibt dem Frangollo eine tropische Note, die überraschend gut mit Palmhonig harmoniert. Butter und Eigelb weglassen.

Wo man Frangollo auf Gran Canaria findet

Hochlandrestaurants (Tejeda, Cruz de Tejeda)Als Dessert; manchmal saisonal; hausgemacht; mit Palmhonig
Restaurante Doramas (Las Palmas)Traditionelle kanarische Dessertkarte; Frangollo manchmal verfügbar
Wochenmärkte (Teror So, San Mateo Sa+So)Gelegentlich als hausgemachtes Dessert an Ständen
Kanarische HaushalteDas Originalerfahrung: nach einem Sonntagspuchero als süßer Abschluss

Häufige Fragen

Was ist Frangollo?

Frangollo ist ein kanarisches Dessert aus rohem (nicht geröstetem) grobem Maismehl, das in Milch mit Zimtstange, Zitrusschale, Rosinen, Mandeln und Zucker zu einem cremigen Brei gekocht wird. Mit Palmhonig serviert, heiß oder kalt. Es ist eines der ältesten Desserts der Kanarischen Inseln mit Guanchen-Ursprung.

Was ist der Unterschied zwischen Frangollo und Gofio?

Gofio ist geröstetes und gemahlenes Getreide (meist Mais) – der Röstprozess gibt ihm sein charakteristisches nussig-rauchiges Aroma. Für Frangollo wird rohes, ungekochtes Maismehl verwendet – der Geschmack ist milder, cremiger, weniger intensiv als Gofio. Beide sind Maisprodukte, aber grundlegend verschieden in Herstellung und Charakter.

Kann man Frangollo vorbereiten?

Ja. Frangollo lässt sich sehr gut vorbereiten und sogar am Vortag zubereiten. Im Kühlschrank wird er deutlich fester und kann kalt serviert oder portionsweise wieder leicht erwärmt werden.

Warum wird Frangollo oft mit Palmhonig serviert?

Der leicht karamellige Geschmack des Miel de Palma harmoniert hervorragend mit Maisgrieß, Mandeln und Zimt. Traditionell stammt der beste Palmhonig von der Nachbarinsel La Gomera und gehört bis heute zu den beliebtesten Begleitern vieler kanarischer Desserts.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

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