Natur als Architekt: Arco del Escobón und Arco de Tirma im Tamadaba

Im Parque Natural de Tamadaba verbirgt sich ein Naturwunder, von dem kaum jemand spricht: zwei natürliche Felsbögen – der Arco del Escobón und der Arco de Tirma. Tief im Tamadaba-Massiv gelegen, sind sie nur über anspruchsvolle Wanderungen erreichbar und gehören zu den ursprünglichsten Naturzielen im Nordwesten Gran Canarias.

Arco de Tirma im Naturpark Tamadaba
Arco de Tirma im Naturpark Tamadaba

Diese natürlichen Steinbögen sind keine spektakulären Monolithe. Sie sind Erosionsformationen – Produkte von Jahrmillionen Wind, Wasser und Temperaturdifferenz. Was sie unvergesslich macht, ist nicht ihre Größe, sondern ihr Kontext: Kiefernwald, weite Ausblicke auf Roque Faneque und den Atlantik, das einsame Tirma-Gebiet ringsherum.

Dieser Artikel erklärt die Felsbögen, die Wanderrouten, Anforderungen, Anfahrt und alle Besuchsinfos für das einsame Tamadaba-Abenteuer.

Steckbrief: Arco del Escobón und Arco de Tirma auf einen Blick

TypNatürliche Felsbögen / Erosionsformationen
Lage / GemeindeArtenara, Gran Canaria (Parque Natural de Tamadaba)
AusgangspunktDegollada Honda / Finca de Tirma (Forsthaus)
Route Escobón + Altavista19,7 km | 1.259 hm | schwer
Route Escobón + Tirma17,9 km | 1.171 hm | schwer
SchutzstatusParque Natural de Tamadaba
EintrittKostenlos
SchwierigkeitsgradSchwer – lang, anspruchsvoll, erfahrene Wanderer
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
TrinkwasserKeine Versorgung – genug eigenes Wasser mitbringen
Beste ReisezeitOktober bis April

Die Felsbögen: Entstehung und Besonderheiten

Der Arco del Escobón und der Arco de Tirma sind beide Produkte der Verwitterung des vulkanischen Basaltgesteins im Tamadaba-Massiv. An Stellen, wo härtere und weichere Gesteinspartien aufeinandertreffen, erodierte das weichere Material – und hinterließ einen Bogen aus dem härteren Rest.

Alt: Felsbögen am Barranco de la Hoya de Laurel

Arco del Escobón

Der Arco del Escobón liegt an einem Höhenrücken über dem Barranco de la Hoya del Laurel und ist der zugänglichere der beiden Bögen. Er ist nicht freistehend, sondern Teil einer Felswand – eine Öffnung in den Basaltwänden, die den Blick auf das Barrancosystem dahinter freigibt. Der Bogen selbst ist weniger dramatisch als die Landschaft ringsherum.

Arco del Escobón
Arco del Escobón

Arco de Tirma

Der Arco de Tirma liegt tiefer im Tirma-Gebiet und ist schwieriger zu erreichen. Er ist ebenfalls eine Erosionsformation, liegt aber in einem anderen geologischen Kontext. Die Route zu ihm führt durch das Barranco de la Hoya del Laurel – eines der einsamsten und ursprünglichsten Schluchtsysteme des Tamadaba.

Die Wanderrouten: Zwei schwere Ganztagestouren

Beide Felsbögen sind ausschließlich über lange, anspruchsvolle Wanderungen erreichbar. Der Ausgangspunkt für alle Routen ist die Degollada Honda beim Forsthaus Finca de Tirma an der Pista de Tirma.

Route 1: Arco del Escobón und Montaña Altavista (19,7 km / 1.259 hm / schwer)

Diese Ganztagesroute verbindet den Arco del Escobón mit dem Montaña Altavista – dem schönsten Aussichtsberg Gran Canarias. Sie führt über Höhenrücken mit Blick auf Roque Faneque und Atlantik, durch Kiefernwald und entlang ausgesetzter Gratpassagen. Wanderzeit: 7–9 Stunden.

Vom Montaña Altavista bietet sich ein weites Bergpanorama über die zentrale Bergregion Gran Canarias
Vom Montaña Altavista bietet sich ein weites Bergpanorama über die zentrale Bergregion Gran Canarias

Route 2: Arco del Escobón und Arco de Tirma (17,9 km / 1.171 hm / schwer)

Die reine Felsbogen-Route führt vom Forsthaus durch das Barranco de la Hoya del Laurel zum Arco del Escobón, weiter zum Arco de Tirma und zurück. Sie ist kürzer als Route 1, aber ebenfalls schwer. Aktuelle GPS-Tracks bietet das Wanderportal Sunhikes.

Presa del Vaquero mit dem Roque Faneque im Tamadaba-Naturpark auf Gran Canaria
Presa del Vaquero mit dem Roque Faneque im Tamadaba-Naturpark auf Gran Canaria

Das Tirma-Gebiet: Einsamkeit im Naturpark

Das Tirma-Gebiet ist der am wenigsten besuchte Teil des Parque Natural de Tamadaba. Es liegt zwischen Artenara und der Küste, weitab aller Touristenwege. Die Pista de Tirma ist die einzige Fahrzeugverbindung – eine enge Forststraße, die sich durch den Kiefernwald schlängelt.

Mirador Cruz de la Virgen

An der Pista de Tirma liegt der Mirador Cruz de la Virgen – ein Aussichtspunkt mit freiem Blick auf den Roque Faneque und das Meer. Dieser Punkt ist auch mit dem Auto erreichbar und bietet bereits ohne Wanderung einen eindrucksvollen Ausblick.

Mirador Cruz de la Virgen an der Pista de Tirma
Mirador Cruz de la Virgen an der Pista de Tirma

Finca de Tirma

Direkt an der Degollada Honda liegt die Finca de Tirma – das alte Forsthaus, das als Ausgangspunkt beider Wanderrouten dient. Das Gebäude ist nicht öffentlich zugänglich, aber der Parkplatz davor ist Startpunkt aller Tirma-Touren.

Blick auf die Finca de Tirma
Blick auf die Finca de Tirma

Panorama: Was sieht man auf der Tour?

Die Touren im Tirma-Gebiet bieten eines der vollständigsten Panoramen des Tamadaba-Naturparks:

Nach Westen: Roque Faneque, El Risco und der offene Atlantik.

Nach Norden: La Aldea de San Nicolás und das Tal.

Nach Osten: Das Hochplateau Acusa Seca, Roque Bentayga und – bei klarem Wetter – Roque Nublo.

Teneriffa: Bei klarem Wetter ist der Teide am Horizont zu sehen.

Der Ausblick reicht weit über das Hochplateau von Acusa Seca
Der Ausblick reicht weit über das Hochplateau von Acusa Seca, Roque Bentayga und – bei klarem Wetter – Roque Nublo

Flora und Fauna im Tirma-Gebiet

Das Tirma-Gebiet beherbergt einen der ältesten und unberührtesten Kanarischen Kiefernwälder Gran Canarias. Fischadler brüten an den Klippen. Im Kiefernwald sind Kanarengirlitz und Kanarischer Laubsänger heimisch. Kanarische Eidechsen begleiten die Wanderung.

Besuchsinfos: Anforderungen und Regeln

EintrittKostenlos
SchwierigkeitsgradSchwer – nur für erfahrene Wanderer
Distanz / Höhenmeter17,9–19,7 km / 1.171–1.259 hm
WanderzeitCa. 7–9 Stunden
AusrüstungGutes Schuhwerk, ausreichend Wasser, GPS, Wanderkarte
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
TrinkwasserKeine Versorgung im Gebiet – genug mitbringen
ParkenDegollada Honda / Finca de Tirma (Pista de Tirma)

Anfahrt

Die Zufahrt zur Finca de Tirma erfolgt über die Pista de Tirma. Dabei handelt es sich um eine unbefestigte, stellenweise holprige Schotterpiste mit Schlaglöchern. Die Strecke sollte nur mit vorsichtiger Fahrweise befahren werden. Viele Mietwagenversicherungen schließen Schäden auf unbefestigten Straßen aus. Je nach Fahrzeug empfiehlt es sich daher, das letzte Stück zu Fuß zurückzulegen. Auf den einspurigen Abschnitten ist außerdem mit Gegenverkehr zu rechnen.

Anfahrt zur Degollada Honda beim ehemaligen Forsthaus von Tirma am Rand des Naturparks Tamadaba. Die Anfahrt erfolgt ausschließlich mit dem PKW über die Bergstraßen von Artenara oder Agaete. Von beiden Seiten führt die GC-216 in Richtung Tamadaba. Parkplatz am Forsthaus.

Eine öffentliche Busverbindung zum Startpunkt gibt es nicht. Wer die Tour plant, sollte ausreichend Zeit für die Anfahrt über die kurvenreichen Bergstraßen einplanen.

Kombinationen: Was liegt in der Nähe?

Montaña AltavistaKombinierbar auf Route 1 – schönster Aussichtsberg GC
Presa del VaqueroCa. 1 km – Stausee mit Blick auf Roque Faneque
Roque FanequeCa. 5 km – senkrechte Steilküste (1.008 m)
Montaña TamadabaCa. 6 km – höchster Punkt des Tamadaba-Massivs
ArtenaraCa. 8 km – höchstgelegenes Dorf Gran Canarias
Die Steilklippen des Faneque fallen im Naturpark Tamadaba fast senkrecht zum Atlantik ab.
Die Steilklippen des Faneque fallen im Naturpark Tamadaba fast senkrecht zum Atlantik ab.

Beste Reisezeit für die Felsbögen im Tamadaba

JahreszeitBedingungen
Herbst (Okt–Nov)Ideal: klare Sicht, angenehme Temperaturen, trockene Wege
Winter (Dez–Feb)Gut: Kiefernwald frisch grün; gelegentlich Nebel/Wolken
Frühling (Mär–Apr)Sehr gut: stabile Verhältnisse, lange Tage
Sommer (Jun–Sep)Pasatwolken häufig; Tamadaba kühler als Küste; früh starten
Die kleine Höhle mit weiterem Bogen in der Nähe des Arco del Escobón.
Die kleine Höhle mit weiterem Bogen in der Nähe des Arco del Escobón.

Häufige Fragen zum Arco del Escobón und Arco de Tirma

Sind die Wanderungen zu den Felsbögen schwierig?

Ja. Sowohl die Tour zum Arco del Escobón als auch die kombinierte Wanderung zum Arco de Tirma gehören zu den anspruchsvollsten Routen im Naturpark Tamadaba. Die langen Distanzen, viele Höhenmeter und teilweise abgelegenen Wegabschnitte setzen gute Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung im Gebirge voraus. Ausreichend Wasser, eine GPS-Navigation und ein früher Start sind empfehlenswert.

Kann man die Felsbögen mit einem normalen Mietwagen erreichen?

Bis zur Degollada Honda führt die Zufahrt über die unbefestigte Pista de Tirma. Die Schotterpiste ist stellenweise holprig und weist Schlaglöcher auf. Viele Mietwagenversicherungen schließen Schäden auf solchen Straßen aus. Deshalb sollte man die Versicherungsbedingungen vor der Fahrt prüfen oder das letzte Stück gegebenenfalls zu Fuß zurücklegen.

Was ist die Finca de Tirma?

Die Finca de Tirma ist ein altes Forsthaus im Tirma-Gebiet des Naturparks Tamadaba, direkt an der Degollada Honda. Es dient als Ausgangspunkt aller Wanderungen zu den Felsbögen und zur Montaña Altavista. Das Gebäude ist nicht öffentlich zugänglich, aber der Parkplatz davor ist frei nutzbar.

Ist der Arco del Escobón für Familien oder Anfänger geeignet?

Nein. Die Wanderungen zum Arco del Escobón und zum Arco de Tirma richten sich an erfahrene Wanderinnen und Wanderer mit guter Kondition. Lange Etappen, zahlreiche Höhenmeter und teils anspruchsvolle Wegabschnitte machen die Touren für Familien mit kleinen Kindern oder Wanderanfänger ungeeignet. Wer die Landschaft des Naturparks Tamadaba ohne lange Wanderung erleben möchte, findet am Mirador Cruz de la Virgen oder an der Presa del Vaquero eindrucksvolle Aussichtspunkte, die bequem mit dem Auto erreichbar sind.

Wann ist die beste Jahreszeit für die Wanderung?

Die angenehmsten Bedingungen herrschen zwischen Oktober und April. Dann sind die Temperaturen meist moderat und die Fernsicht besonders klar. In den Sommermonaten sollte wegen der langen Gehzeiten möglichst früh am Morgen gestartet werden. So bleibt genügend Zeit für die Tour und die größte Mittagshitze wird vermieden.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juni 2026.

www.sunhikes.com