Stiller Ruhepol im Tourismusgetriebe: La Charca de Maspalomas

Wenige hundert Meter vom Hoteltrubel entfernt liegt eine andere Welt: La Charca de Maspalomas – eine Brackwasserlagune am westlichen Rand der berühmten Dünen, in der Reiher, Enten, Löffler und in seltenen Glücksmomenten sogar Flamingos rasten. Das Wasser liegt still. Über dem See kreisen Möwen. Im Schilf am Ufer bewegen sich Schatten. Hier hört die Insel kurz auf, Ferienanlage zu sein – und erinnert daran, dass Gran Canaria ein Naturraum ist.

Lagune La Charca de Maspalomas.
Lagune La Charca de Maspalomas.

La Charca de Maspalomas ist Teil des Naturschutzgebiets Reserva Natural Especial de las Dunas de Maspalomas und gehört damit zum UNESCO-Biosphärenreservat Gran Canaria (seit 2005). Trotzdem hat das Schutzgebiet eine schwierige Geschichte: Jahrzehnte der Bebauung, Abwassereinleitung und touristischen Nutzung haben das Ökosystem stark belastet. Renaturierungsmaßnahmen zeigen heute erste Erfolge.

Dieser Artikel erklärt das Ökosystem der Lagune, ihre Vogelwelt, Schutzmaßnahmen, Besuchsregeln und wie man die Charca am besten erlebt.

Steckbrief: La Charca de Maspalomas auf einen Blick

TypBrackwasserlagune / Küstenlagune
Lage / GemeindeSan Bartolomé de Tirajana, Gran Canaria (Süden)
LageWestlicher Rand der Dünen von Maspalomas, neben Faro de Maspalomas
SchutzstatusReserva Natural Especial de las Dunas de Maspalomas
UNESCO-StatusTeil des Biosphärenreservats Gran Canaria (seit 2005)
TypBrackwassersee (Mix aus Süß- und Meerwasser)
EintrittKostenlos (Beobachtung vom Weg)
UferbereichGesperrt – kein Betreten
Beste ReisezeitOktober bis März (Zugvogelzeit)
ParkenParkplatz Faro de Maspalomas (kostenpflichtig)
ÖPNVGuaguas-Linien zum Faro de Maspalomas (u. a. Linien 32, 50 und 70)

Entstehung: Wie entstand La Charca de Maspalomas?

La Charca de Maspalomas ist eine Küstenlagune – ein vom Meer abgetrennter Wasserkörper, der durch natürliche Dünenbildung entstanden ist. Das Dünensystem von Maspalomas wuchs über Jahrtausende seewärts vor und trennte dabei eine flache Küstenbucht vom offenen Meer ab. Statt des Atlantiks blieb ein ruhiger Brackwassersee.

Die Dünen von Maspalomas auf Gran Canaria
Die Dünen von Maspalomas auf Gran Canaria

Brackwasser: Ein besonderer Lebensraum

Das Brackwasser der Charca entsteht durch die Mischung aus Süßwasserzuflüssen (vor allem Barranco-Wasser nach Regen) und dem gelegentlichen Eindringen von Meerwasser über die Dünenzunge. Dieser besondere Chemismus – weder reines Süßwasser noch Salzwasser – schafft einen einzigartigen Lebensraum für spezialisierte Pflanzen und Tiere.

Natürliche Pufferfunktion

La Charca erfüllt eine wichtige hydrologische Funktion: Sie nimmt nach Starkregen Wassermassen aus den Barrancos auf und gibt sie verzögert ab. Ohne die Lagune würden die Überschwemmungsrisiken für die angrenzenden Tourismusanlagen deutlich steigen. Gleichzeitig filtert das Ökosystem Nährstoffe und Schadstoffe aus dem einlaufenden Wasser.

Vogelwelt: Rast- und Brutplatz für seltene Arten

La Charca de Maspalomas ist einer der ornithologisch bedeutendsten Orte Gran Canarias. Die Lagune liegt auf dem Zugvogelkorridor zwischen Europa und Westafrika – im Herbst und Winter rasten hier Tausende von Vögeln auf ihrer langen Reise.

Standvögel

Das ganze Jahr über leben an der Charca Seidenreiher, Graureiher und verschiedene Möwenarten. Im Schilf brüten Teichrallen und Blässhühner. Entlang des Ufers sucht die Flussuferschwalbe nach Nahrung.

Der Sanderling ist ein kleiner, flinker Strandläufer, der im Winter an den Küsten Gran Canarias nach Nahrung sucht.
Der Sanderling ist ein kleiner, flinker Strandläufer, der im Winter an den Küsten Gran Canarias nach Nahrung sucht.

Zugvögel – Oktober bis März

In den Herbst- und Wintermonaten verwandelt sich die Charca in ein belebtes Rastgebiet: Löffler, verschiedene Entenarten, Bekassinen und Watvögel aller Art rasten hier. In besonders guten Jahren erscheinen auch Flamingos – selten, aber unvergesslich für alle, die es erleben.

Flamingos: Wann und warum?

Flamingos sind keine Standvögel Gran Canarias. Sie tauchen unregelmäßig auf – meist als Einzeltiere oder in kleinen Gruppen, die auf dem Weg zwischen den großen Flamingo-Brutplätzen in Südspanien (Coto de Doñana) und den Überwinterungsgebieten in Westafrika verirrt oder verweilt haben. Am besten abfragen: ornithologische Beobachtungsberichte auf ebird.org.

Naturschutz und Renaturierung

La Charca de Maspalomas hat eine belastete Geschichte. Zwischen den 1960er und 1990er Jahren wurden im Zuge des Tourismus-Booms im Süden Gran Canarias Abwässer direkt in die Lagune eingeleitet und ein Hotelkomplex unmittelbar an den Uferzonen errichtet. Beide Eingriffe beschädigten das Ökosystem erheblich.

Erfolge der Renaturierung

Seit den 2000er-Jahren wird das empfindliche Ökosystem der Charca de Maspalomas schrittweise renaturiert. Die Einleitung von Abwässern wurde beendet, Schilf- und Salzpflanzenbestände am Ufer wiederhergestellt und die Wasserqualität deutlich verbessert. Heute nutzen wieder zahlreiche Zug- und Brutvögel die Lagune als wichtigen Rast- und Lebensraum.

Als letztes erhaltenes Brackwasserbiotop an der Südküste Gran Canarias besitzt La Charca eine besondere ökologische Bedeutung. Direkt angrenzend erinnert der historische Palmenhain von Maspalomas an die ursprüngliche Landschaft, die sich hier einst bis an die Küste erstreckte.

Schutzregeln am Ufer

Der Uferbereich der Charca ist aus Naturschutzgründen vollständig gesperrt. Kein Betreten, kein Angeln, kein Lärm in Ufernähe. Die Lagune kann vom Beobachtungsweg am Rand des Schutzgebiets aus betrachtet werden – Fernglas empfohlen.

Besuchsinfos: La Charca de Maspalomas

EintrittKostenlos
ÖffnungszeitenJederzeit zugänglich (Beobachtungsweg)
UferbereichGesperrt – kein Betreten
Beste BeobachtungszeitFrüh morgens (wenig Licht von vorne, ruhigere Tiere)
FernglasSehr empfohlen
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
HundeIm Schutzgebiet nicht erlaubt
ParkenFaro de Maspalomas (kostenpflichtig)
ÖPNVGuaguas-Linien zum Faro de Maspalomas (u. a. Linien 32, 50 und 70)

Anfahrt zu La Charca de Maspalomas

Mit dem Auto: Von der GC-1 Ausfahrt Maspalomas nehmen, dann Richtung Faro de Maspalomas. Der Parkplatz am Leuchtturm liegt direkt neben der Lagune. Die Lagune ist von dort in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.

Mit dem Bus: Mehrere Guaguas-Linien verbinden Maspalomas, Playa del Inglés und die umliegenden Ferienorte direkt mit dem Faro de Maspalomas. Von der Haltestelle sind es nur wenige Gehminuten bis zur Lagune. Aktuelle Fahrpläne und Verbindungen bei guaguasglobal.com.

Kombinationen: Was liegt in der Nähe?

La Charca de Maspalomas liegt direkt am Westrand der Dünen von Maspalomas und ist mit dem Faro de Maspalomas (Leuchtturm, Fotomotiv), dem Strand Playa de Maspalomas und einem Spaziergang durch die Dünen ideal kombinierbar.

Dünen von MaspalomasDirekt angrenzend – größtes Dünensystem der Kanaren
Faro de MaspalomasDirekt nebenan – Leuchtturm, Fotomotiv, Ausgangspunkt
Playa de MaspalomasCa. 500 m – 3 km langer Sandstrand
Playa del InglésCa. 2 km – bekanntester Touristenstrand im Süden
MelonerasCa. 2 km westlich – ruhigerer Badeort, Promenade
Die Dünen von Maspalomas
Die Dünen von Maspalomas

Beste Reisezeit für La Charca de Maspalomas

JahreszeitBedingungen
Herbst / Okt–NovSehr gut: Zugvogelsaison beginnt; Löffler, Enten, Watvögel
Winter / Dez–FebIdeal: Höhepunkt der Zugvogelsaison; mögliche Flamingo-Sichtung
Frühling / Mär–MaiGut: Brutsaison der Standvögel; Seidenreiher aktiv
Sommer / Jun–SepRuhiger: weniger Zugvögel; Standvögel vorhanden

Häufige Fragen zu La Charca de Maspalomas

Kann man wirklich Flamingos an der Charca sehen?

Ja – aber es ist selten und nicht garantiert. Flamingos erscheinen unregelmäßig, meist als Einzeltiere oder in kleinen Gruppen zwischen Oktober und Februar. Sie sind keine Standvögel auf Gran Canaria. Aktuelle Beobachtungsberichte gibt es auf ebird.org – lohnt sich vor dem Besuch zu prüfen.

Darf man ans Ufer der Charca?

Nein – der gesamte Uferbereich der Lagune ist aus Naturschutzgründen gesperrt. Betreten ist verboten. Die Lagune kann vom Beobachtungsweg am Rand des Schutzgebiets aus beobachtet werden. Ein Fernglas ist sehr empfohlen.

Was ist der Unterschied zwischen La Charca und den Dünen von Maspalomas?

Die Dünen von Maspalomas sind das rund 400 Hektar große Dünensystem, das sich östlich des Leuchtturms erstreckt. La Charca de Maspalomas ist die Brackwasserlagune an der Westseite dieser Dünen, direkt neben dem Leuchtturm. Beide gehören zum selben Naturschutzgebiet, sind aber verschiedene Ökosysteme: Dünen mit Trockenvegetation einerseits, Brackwasserlagune mit Wasservögeln andererseits.

Warum ist La Charca de Maspalomas so wichtig für Zugvögel?

La Charca de Maspalomas gehört zu den bedeutendsten Rastplätzen für Zugvögel auf Gran Canaria. Die geschützte Brackwasserlagune bietet Nahrung und Ruheplätze für zahlreiche Arten, die zwischen Europa und Afrika unterwegs sind. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten lassen sich hier Reiher, Löffler, Enten und verschiedene Watvögel beobachten.

Kann man La Charca de Maspalomas mit den Dünen und dem Leuchtturm verbinden?

Ja. La Charca liegt direkt am westlichen Rand der Dünen von Maspalomas und nur wenige Schritte vom Faro de Maspalomas entfernt. Dadurch lassen sich Lagune, Dünenlandschaft, Strand und Promenade bequem bei einem Spaziergang miteinander kombinieren – ideal für Naturfreunde und Fotografen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com