Vom Kiefernwald in die Schlucht: Der Camino de los Romeros nach San Pedro
Wer den Naturpark Tamadaba kennt, kennt seine Kiefernwälder. Harzduft, stille Pfade, Höhe. Was kaum jemand ahnt: Von hier aus führt eine der eindrucksvollsten Abstiege Gran Canarias tief in die Erde – durch dichten Kiefernwald, vorbei an drei stillen Stauseen, über den gepflasterten Camino de los Romeros hinunter zu der markanten Silhouette der Montaña Bibique, und dann weiter durch dramatische Schluchten bis nach San Pedro im Barranco de Agaete. Diese Strecke ist einer der heimlichen Stars im Wanderangebot des Nordwestens Gran Canarias.

Die Route startet am Rast- und Campingplatz Llanos de la Mimbre auf etwa 1.220 Metern Höhe. Zunächst folgt sie dem Wanderweg S-90 durch die ausgedehnten Kiefernwälder des Naturparks Tamadaba. Entlang des Hochplateaus passiert man mehrere kleine Stauseen und Speicherbecken. Anschließend verlässt der Weg langsam den Wald und nimmt dann Kurs auf die schroffe Außenflanke des Tamadaba-Massivs. Auf dem Camino de los Romeros und dem Wanderweg SL-2 verliert die Route über 1.000 Höhenmeter auf lediglich 6,9 Kilometern – technisch moderat, landschaftlich spektakulär.
Dieser Artikel begleitet die Wanderung mit Steckbrief, detaillierter Routenbeschreibung, Geologie- und Naturkunde, Reisezeithinweisen sowie Kombinations- und Anfahrtstipps.
Wanderung Tamadaba → Montaña Bibique → San Pedro – auf einen Blick
| Streckenlänge | 6,9 km (Strecke, kein Rundweg) |
|---|---|
| Schwierigkeit | moderat – trittsicher, vorwiegend Pfade, alpines Gelände |
| Gehzeit | ca. 2:30 bis 3:00 Stunden |
| Höhenmeter Aufstieg | 47 hm |
| Höhenmeter Abstieg | 1.015 hm |
| Höchster Punkt | 1.220 m (Startpunkt Llanos de la Mimbre) |
| Niedrigster Punkt | 207 m (San Pedro, Barranco de Agaete) |
| Startpunkt | Campingplatz Llanos de la Mimbre, Parque Natural de Tamadaba |
| Endpunkt | San Pedro, Gemeinde Agaete |
| Wegmarkierung | GR 131; S-90; SL-2 |
| Routentyp | Strecke – Rücktransfer oder zweites Fahrzeug einplanen |
| Schutzstatus | Parque Natural de Tamadaba |
| Beste Reisezeit | Oktober bis April – angenehme Temperaturen, Zistrosen in Blüte |
| Wasser unterwegs | Keine Quelle – mindestens 1,5 l mitnehmen |
| Auslastung | gering |

Anfahrt und Startpunkt
Der Startpunkt liegt am Campingplatz Llanos de la Mimbre im Herzen des Naturparks Tamadaba. Von Las Palmas de Gran Canaria aus fährt man über die GC-2 nach Agaete, dann weiter über Artenara oder direkt auf der GC-070 in Richtung Tamadaba. Die Fahrt dauert etwa 70 bis 80 Minuten. Der Parkplatz am Campingplatz ist kostenlos und ausreichend groß.
Da die Route als Strecke konzipiert ist – Startpunkt Llanos de la Mimbre, Endpunkt San Pedro –, empfiehlt sich entweder ein zweites Fahrzeug in San Pedro oder ein Rücktransfer per Taxi. Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, fährt zunächst mit einer Global-Buslinie (Guaguasglobal.com) nach Agaete beziehungsweise Puerto de Las Nieves. Von dort erreicht man den Campingplatz Llanos de la Mimbre am einfachsten mit einem Taxi.
Die Wanderung Tamadaba – Montaña Bibique – San Pedro im Detail
Die Route folgt klar markierten Wanderwegen: zunächst dem S-90 durch den Kiefernwald, dann dem GR 131 auf dem Camino de los Romeros über die Flanke des Massivs, und schließlich dem SL-2 bergab durch Schlucht und Barranco nach San Pedro. Wer einen GPS-Track mitführt, ist sicherer unterwegs – die Wegmarkierung ist gut, aber vereinzelt nicht lückenlos.

Abschnitt 1: Llanos de la Mimbre → Stauseen im Kiefernwald
Die Wanderung beginnt im Waldgebiet am Campingplatz Llanos de la Mimbre. Die Luft riecht nach Kiefernnadeln, der Boden gibt unter den Füßen sanft nach. Die Route biegt nach links ab und trifft kurz darauf auf den Wanderweg S-90, der sich durch den dichten Kiefernwald des Naturparks schlängelt.

Zuerst erreicht man den Stausee Presa de los Rajones – oft ausgetrocknet, sein stilles Becken gibt dem Wald eine mystische Note. Wenig später folgt der Stausee Presa de la Laguna, umsäumt von wild wachsenden Zistrosen, die in der Sonne leuchten. Je nach Jahreszeit führen sie Wasser oder liegen trocken zwischen Kiefern, Zistrosen und Ginster – ein stiller Zeuge der Wasserversorgungsgeschichte der Insel.

Abschnitt 2: Camino de los Romeros – gepflastert durch die Steilhänge
Hinter der Baumgrenze offenbart sich das Bergmassiv des Tamadaba in seiner ganzen Weite. Der Wanderweg windet sich nun in Serpentinen durch die Steilhänge. Hier beginnt der gepflasterte Abschnitt des Camino de los Romeros – ein historischer Pilgerweg, dessen alte Pflastersteine spüren lassen, wie viele Generationen vor uns diese Flanke hinuntergegangen sind.

Der Wind frischt auf, der Blick weitet sich. Die Klippen des Tamadaba-Massivs bauen sich zu beiden Seiten auf. Man spürt die Höhe und die Weite dieses Nordwestzipfels Gran Canarias. Trittsicherheit ist hier wichtig – die Pflastersteine können bei Nässe glatt sein.

Abschnitt 3: Vuelta del Palomar und Montaña Bibique
An der Vuelta del Palomar schweift der Blick bis zur Küste bei Agaete. Der felsige Gebirgskamm eröffnet sensationelle Ausblicke auf die Berge und das tiefblaue Meer. Rechts zieht die Montaña Bibique alle Blicke auf sich: 650 Meter hoch, markanter brauner Tuffstein, der gegen das Grün des Bergmassivs kontrastiert.

Entlang des Rückens bieten sich immer wieder traumhafte Ausblicke auf die Steilwände über dem Barranco de Agaete. Der Dreschplatz (Era) unterhalb der Montaña Bibique lädt zu einer letzten Pause ein – ein ruhiger Ort, an dem man die Landschaft auf sich wirken lässt, bevor der eigentliche Abstieg beginnt.

Abschnitt 4: Abstieg durch Barranco del Chorro del Ingenio nach San Pedro
Jetzt übernimmt der Wanderweg SL-2 das Kommando. Der Camino de los Romeros führt bergab durch dramatische Landschaften. Die steil aufragenden Klippen der Schlucht Barranco del Chorro del Ingenio beeindrucken: senkrechte Felswände, die das Licht brechen und dem Tal eine fast außerweltliche Stimmung geben.

Weiter unten öffnet sich die Schlucht Barranco de Agaete mit immer weiteren Ausblicken. An Los Berrazales vorbei – einem idyllischen Weiler mit Obstgärten und Thermalbad – erreicht man schließlich San Pedro im Barranco de Agaete. Eine unvergessliche Wanderung durch Kiefernwald, Bergmassiv und Schlucht geht zu Ende.

Beste Reisezeit
| Herbst (Okt–Nov) | Angenehme Wärme, Zistrosen treiben frisches Grün aus, Licht ideal – sehr empfehlenswert |
|---|---|
| Winter (Dez–Feb) | Kühl, gelegentlich bewölkt, intensive Grüntöne, Wasser in Stauseen möglich |
| Frühling (Mär–Mai) | Zistrosenblüte – landschaftlicher Höhepunkt; mild und angenehm |
| Sommer (Jun–Sep) | Heiß in den unteren Abschnitten; Kiefernwald angenehm kühl; Start früh morgens |
Die Route ist ganzjährig begehbar. Die beste Zeit liegt zwischen Oktober und Mai. Im Sommer ist die Kiefernwaldzone angenehm kühl, doch der Abstieg durch die Schluchten kann heiß werden – früher Start empfohlen.

Ausrüstung
| Schuhwerk | Feste Wanderschuhe – Pflastersteine und Pfade, bei Nässe rutschig |
|---|---|
| Wasser | Mindestens 1,5 l pro Person – keine Quelle auf der gesamten Route |
| Sonnenschutz | Hut, Brille, Creme – unterhalb der Baumgrenze kein Schatten |
| Windschutz | Leichte Jacke – Bergrücken kann windig sein, besonders morgens |
| Navigation | GPS-Track empfohlen – Markierung gut, vereinzelt lückenhaft |
| Rücktransfer | Zweites Fahrzeug in San Pedro oder Taxi vorbuchen (Strecke, kein Rundweg) |
| Wanderstöcke | Sehr empfehlenswert – entlasten die Knie auf den über 1.000 Höhenmetern Abstieg und geben auf den historischen Pflastersteinen des Camino de los Romeros zusätzliche Sicherheit. |

Kombinationsmöglichkeiten
| Tamadaba → Agaete | Wanderung vom Naturpark Tamadaba nach Agaete: 10,7 km, 1.317 hm Abstieg, direkt ans Meer – längere Variante |
|---|---|
| Charco Azul | Wanderung von El Risco zum Charco Azul: 3,1 km, moderat – kurze Ergänzungstour am nächsten Tag |
| Roque Faneque | Rundwanderung Tamadaba zum Roque Faneque: eine der eindrucksvollsten Küstenklippen der Welt, als eigener Halbtag |
| Agaete Dorf | Im Tal von San Pedro liegt Agaete in 5 km Entfernung – Tapas und Weinprobe |

GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:
Zur Routenseite auf Sunhikes: Wanderung Tamadaba – Camino de los Romeros – San Pedro
Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:
Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps
Rücktransfer: Am einfachsten stellt man den Mietwagen in San Pedro ab und lässt sich vor der Wanderung mit einem vorab reservierten Taxi zum Campingplatz Llanos de la Mimbre bringen. So endet die Tour direkt am eigenen Fahrzeug. Da im oberen Bereich des Naturparks Tamadaba der Mobilfunkempfang eingeschränkt sein kann und Taxis nicht jederzeit verfügbar sind, empfiehlt sich eine Reservierung im Voraus.
Campingplatz Llanos de la Mimbre: Der Start- und Campingplatz liegt auf 1.220 Metern und ist mit normalen PKW gut erreichbar. Campieren ist möglich – für Wanderer, die die Tour über Nacht verlängern möchten.
Los Berrazales: Der Weiler im Barranco de Agaete ist bekannt für seine Thermalquellen. Das Hotel Balneario de Los Berrazales bietet nach der Tour Entspannung – ein idealer Abschluss.
Wetter: Die Kamm- und Steilhangabschnitte des Tamadaba können in Wolken gehüllt sein. Kurz vor dem Start einen Blick auf das Wetter werfen – im Kiefernwald ist Nebel normal, auf den Serpentinen sollte die Sicht ausreichend sein.
Hinweis: Parque Natural de Tamadaba
Die gesamte Wanderung verläuft durch den Parque Natural de Tamadaba – ein gesetzlich geschützter Naturpark der Kanarischen Inseln. Wildcampen ist außerhalb des offiziellen Campingplatzes Llanos de la Mimbre verboten. Lagerfeuer sind im gesamten Naturpark strikt untersagt. Leitungswasser ist in der Regel nicht trinkbar – Wasser vorher mitbringen. Bitte Wege nicht verlassen und keinen Abfall hinterlassen.

Häufige Fragen zur Wanderung Tamadaba – Montaña Bibique – San Pedro
Wie schwierig ist die Wanderung auf dem Camino de los Romeros?
Muss ich die Tour als Strecke planen – gibt es keine Rundvariante?
Was ist die Montaña Bibique?
Gibt es Wasser unterwegs?
Sind Wanderstöcke für diese Tour sinnvoll?
Muss man den Rücktransfer vorher organisieren?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.
Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:


