In den Fels gemeißelt: Die Cuevas de Acusa Seca auf Gran Canaria

In einer steilen Felswand des Hochlands Gran Canarias verbergen sich Hunderte von Höhlen – und einige davon werden bis heute bewohnt. Die Cuevas de Acusa Seca bei Artenara sind eine der bedeutendsten archäologischen Stätten der Kanarischen Inseln: ein Höhlendorf, das die Canarios – die Ureinwohner Gran Canarias berberstämmiger Herkunft – in den weichen Tuffstein gruben und das seit Jahrtausenden als Wohnstätte, Kultplatz und Zuflucht diente.

Das Höhlendorf Acusa Seca inmitten der Felsformationen.
Das Höhlendorf Acusa Seca inmitten der Felsformationen.

Seit dem 7. Juli 2019 gehören die Cuevas de Acusa Seca zum UNESCO-Weltkulturerbe „Risco Caído und die Heiligen Berge von Gran Canaria“. Die Auszeichnung würdigt die außergewöhnlich gut erhaltene Kulturlandschaft des Hochlands und die bedeutenden Zeugnisse der Altkanarier.

Dieser Artikel erklärt Geschichte, archäologische Bedeutung, den Charakter des Höhlendorfs, Wanderrouten, Anfahrt und alle Besuchsinfos.

Steckbrief: Cuevas de Acusa Seca auf einen Blick

TypHöhlendorf / Archäologische Stätte
Lage / GemeindeArtenara, Gran Canaria (Hochland)
SchutzstatusUNESCO-Weltkulturerbe (seit 07.07.2019)
UNESCO-Komplex\u0022Risco Caído und die Heiligen Berge von Gran Canaria\u0022
Kulturelle NutzungHöhlenwohnungen der Canarios, Grabhöhlen, Kultplätze
FundeWerkzeuge, Keramik, Höhlenmalereien, Menschenreste
EintrittKostenlos (Außenbereich)
ZugangWanderweg ab Artenara oder Dorf Acusa
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
Beste ReisezeitGanzjährig; Oktober bis April ideal
Ausblick übers in den Fels gebaute Höhlendorf Acusa Seca
Ausblick übers in den Fels gebaute Höhlendorf Acusa Seca

Geschichte: Das Höhlendorf der Altkanarier

Die Cuevas de Acusa Seca entstanden in einer Zeit, in der die Canarios das Hochland Gran Canarias besiedelten. Die Canarios – Nachfahren nordafrikanischer Berberstämme, die die Insel vor Tausenden von Jahren besiedelten – nutzten den weichen Tuffstein des Hochlands als natürlichen Baustoff: Mit einfachen Werkzeugen aus Obsidian und Knochen gruben sie Wohnhöhlen, Getreidespeicher, Grabhöhlen und Kultplätze in die Felswände.

Werkzeuge und Lebensweise

Archäologen fanden in den Höhlen von Acusa Seca Werkzeuge aus Obsidian und Knochen, Keramikgefäße für die Lebensmittellagerung, Reste von Getreide und Menschenreste, die auf rituelle Bestattungen hinweisen. Die Funde belegen eine hochentwickelte Gemeinschaft, die Landwirtschaft betrieb, Getreide anbaute und ein ausgeprägtes spirituelles Leben hatte.

Höhlenmalereien

Besonders wertvoll sind die Höhlenmalereien – geometrische Muster, Linien und Symbole, die in den Stein eingraviert oder mit Ocker aufgemalt wurden. Diese Malereien sind Teil des umfassenderen UNESCO-Komplexes „Risco Caído“ und gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen prähistorischer Kunst auf den Kanarischen Inseln.

UNESCO-Weltkulturerbe seit 2019

Am 7. Juli 2019 erkannte die UNESCO die Bedeutung der Höhlenlandschaft offiziell an. Das Weltkulturerbe „Risco Caído und die Heiligen Berge von Gran Canaria“ umfasst Acusa Seca, das Risco Caído-Gebiet (mit dem namensgebenden Großhöhlenkomplex Cuevas de Risco Caído), den Roque Nublo und den Roque Bentayga.

Höhlenhäuser in Acusa Seca
Höhlenhäuser in Acusa Seca

Das Hochplateau Acusa Seca: Landschaft und Panorama

Das Hochplateau Acusa Seca liegt auf rund 1.000 bis 1.200 Metern Höhe zwischen Artenara und dem Roque Bentayga. Von den Felshängen des Plateaus bietet sich einer der eindrucksvollsten Ausblicke des Hochlands: Nach Osten liegt der Roque Bentayga, dahinter der Roque Nublo, nach Westen das Tamadaba-Massiv mit dem Roque Faneque, nach Norden La Aldea und der Atlantik.

Das Hochplateau Acusa Seca.
Das Hochplateau Acusa Seca.

Blick auf Roque Bentayga vom Hochplateau

Der Roque Bentayga ist vom Hochplateau Acusa Seca aus in einer Perspektive zu sehen, die ihn besonders eindrucksvoll erscheinen lässt: Die flache Hochplateaufläche im Vordergrund, dahinter der schroffe Felsmonolith – eine der typischen Ansichten, die das Weltkulturerbe-Gebiet berühmt gemacht haben.

Besuch: Wanderweg und Zugangsmöglichkeiten

Die Cuevas de Acusa Seca sind über einen Wanderweg ab Artenara oder dem kleinen Weiler Acusa zugänglich. Das Gelände ist nicht offiziell erschlossen wie etwa das Cenobio de Valerón – es gibt keine Tourismusinfrastruktur, keinen Eintritt und keine Führungen vor Ort. Besucherinnen und Besucher erkunden die Höhlen eigenständig.

Wanderweg ab Artenara

Von Artenara aus führt ein markierter Wanderweg durch das Hochland in Richtung Acusa. Die Route bietet wechselnde Ausblicke auf die Hochlandlandschaft und das Tamadaba-Massiv. Aktuelle GPS-Tracks bietet das Wanderportal Sunhikes.

Verhaltensregeln

Die Höhlen von Acusa Seca sind archäologische Denkmäler und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das Entnehmen von Fundstücken, das Beschriften der Wände oder das Beschädigen der Felsformationen ist verboten und strafbar. Respektvoller Umgang mit dem Erbe der Guanchen ist Pflicht.

Besuchsinfos: Cuevas de Acusa Seca

EintrittKostenlos
ZugangWanderweg ab Artenara oder Weiler Acusa
FührungenKeine regelmäßigen Führungen vor Ort
ErschließungNicht touristisch erschlossen – eigenständige Erkundung
SchutzregelnKeine Fundstücke mitnehmen; keine Inschriften; Höhlen nicht beschädigen
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
TrinkwasserKeine Versorgung – eigenes Wasser mitbringen

Risco Caído: Das Herzstück des UNESCO-Komplexes

Die Cuevas de Acusa Seca sind Teil des größeren UNESCO-Komplexes, dessen Herzstück die Cuevas de Risco Caído sind. Dieser Großhöhlenkomplex liegt ebenfalls in der Gemeinde Artenara und enthält astronomische Lichtschächte, die zu Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen bestimmte Lichtphänomene erzeugen – ein Zeugnis des astronomischen Wissens der Guanchen.

Der Besuch der Cuevas de Risco Caído ist nur mit Führung möglich; Informationen und Buchungen beim Cabildo de Gran Canaria.

Anfahrt nach Artenara / Acusa Seca

Mit dem Auto:

Von Las Palmas de Gran Canaria führt die Route entweder direkt über die GC-21 oder auf den landschaftlich besonders reizvollen Bergstraßen über Teror und Valleseco nach Artenara. Von dort geht es auf der GC-210 weiter in Richtung Acusa Seca.
Wer aus dem Süden (Maspalomas) anreist, folgt der GC-60 bis San Bartolomé de Tirajana und fährt anschließend über das Hochland bei Cruz de Tejeda weiter auf der GC-210 nach Artenara und Acusa Seca. Die Straßen im Inselinneren sind schmal, kurvenreich und bieten zahlreiche Aussichtspunkte – für die Strecke sollte ausreichend Fahrzeit eingeplant werden.

Mit dem Bus:

Artenara ist per Guaguas von Las Palmas erreichbar. Für Acusa Seca empfiehlt sich ein Mietwagen. Aktuelle Verbindungen auf guaguasglobal.com.

Kombinationen: Was liegt in der Nähe?

Roque BentaygaCa. 8 km – UNESCO-Weltkulturerbe, Guanchen-Kultplatz
Risco CaídoCa. 5 km – Kernstück des UNESCO-Komplexes; Führung nötig
Mirador de UnamunoCa. 3 km (Artenara) – Aussicht auf Bentayga, benannt nach Unamuno
Roque NubloCa. 10 km – Wahrzeichen Gran Canarias
Artenara OrtskernCa. 5 km – höchstgelegenes Dorf Gran Canarias, Höhlenhäuser
Bentayga, der heilige Berg der Ureinwohner.
Bentayga, der heilige Berg der Ureinwohner.

Beste Reisezeit für die Cuevas de Acusa Seca

JahreszeitBedingungen
Herbst (Okt–Nov)Ideal: klare Sicht, angenehme Wandertemperaturen, Stille
Winter (Dez–Feb)Sehr gut: Mandelblüte in Tejeda (Jan/Feb); Hochland frisch
Frühling (Mär–Mai)Gut: Vegetation grün, mild, lange Tage
Sommer (Jun–Sep)Angenehm kühl im Hochland; Tamadaba-Wolken möglich

Häufige Fragen zu den Cuevas de Acusa Seca

Was ist das UNESCO-Weltkulturerbe Risco Caído und die Heiligen Berge von Gran Canaria?

Das UNESCO-Weltkulturerbe Risco Caído und die Heiligen Berge von Gran Canaria wurde am 7. Juli 2019 anerkannt. Es umfasst den Höhlenkomplex Risco Caído mit seinen astronomischen Lichtschächten, die Cuevas de Acusa Seca, den Roque Bentayga und den Roque Nublo. Gemeinsam bilden sie ein einzigartiges Zeugnis der spirituellen und kulturellen Welt der Altkanarier.

Kann man die Cuevas de Acusa Seca ohne Führung besuchen?

Ja – der Außenbereich und die zugänglichen Höhlenbereiche können ohne Führung erkundet werden. Anders als die Cuevas de Risco Caído (die nur mit offizieller Führung zugänglich sind) sind die Cuevas de Acusa Seca frei begehbar. Kein Eintritt, keine Anmeldung – aber voller Respekt vor dem archäologischen Erbe.

Was findet man in den Höhlen von Acusa Seca?

In den Höhlen von Acusa Seca fanden Archäologen Werkzeuge aus Obsidian und Knochen, Keramikgefäße, Reste von Lebensmitteln und Höhlenmalereien mit geometrischen Motiven. Einige Höhlen dienten als Wohnstätten, andere als Getreidespeicher, Grabhöhlen oder Kultplätze – ein vollständiges Bild der Lebenswelt der Altkanarier.

Kann man in den Cuevas de Acusa Seca noch bewohnte Höhlen sehen?

Ja. Einige der Höhlen im Gebiet von Acusa werden bis heute als Wohnhäuser oder landwirtschaftliche Gebäude genutzt. Die meisten archäologisch bedeutenden Höhlen stehen jedoch unter Schutz und sollten ausschließlich von außen oder auf den freigegebenen Wegen betrachtet werden. Besucher werden gebeten, die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren.

Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch der Cuevas de Acusa Seca einplanen?

Für einen Rundgang und die Aussichtspunkte sollten etwa 1,5 bis 2 Stunden eingeplant werden. Wer die Wanderung mit dem Roque Bentayga, Risco Caído oder dem Ortskern von Artenara kombiniert, kann problemlos einen ganzen Tag im UNESCO-Welterbegebiet verbringen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com