Destilerías Arehucas – Gran Canarias älteste Rum-Geschichte
In Arucas, einer mittelgroßen Stadt im Norden Gran Canarias, 15 Fahrminuten von Las Palmas, steht seit 1884 dieselbe Destillerie. Von außen ist das rote Backsteingebäude der ehemaligen Fábrica de San Pedro unscheinbar – das könnte eine alte Schule sein, eine Fabrik, ein Lagerhaus. Bis man die Tür öffnet. Dann empfängt einen ein Geruch, der sich in keiner anderen Attraktion der Insel wiederholt: Zuckerrohr, Alkohol, das Holz von Hunderten gereifter amerikanischer Eichenfässer. Man ist in einer funktionstüchtigen, über 140 Jahre alten Rum-Destillerie.

Destilerías Arehucas ist die älteste und bedeutendste Rum-Destillerie Gran Canarias. Über 95.000 Besucher jährlich kommen in die Anlage – nicht weil sie museal aufgewertet wurde, sondern weil sie noch immer produziert. Der Guillaume-Destillierapparat aus Paris, 1909 angeschafft, ist noch im Betrieb. Die Fässer im Keller werden noch immer gerollt und geöffnet. Das ist keine Showdestillerie – das ist eine Geschichte, die weitergeht.
Die Geschichte – 140 Jahre Rum in Arucas
1884: Alfonso Gourié und die Fábrica de San Pedro
Am 9. August 1884 eröffnete Alfonso Gourié Álvarez in Arucas die Fábrica de San Pedro. Das war kein kleines Handwerksprojekt: Die Fabrik war von Anfang an auf industriellem Maßstab konzipiert – mit dem Ziel, die kanarische Zuckerrohrernte zu verarbeiten und daraus Zucker, Aguardiente und Rum herzustellen. Die erste Ernte 1885 lieferte 5.619.540 Kilogramm Zuckerrohr.
Was folgte, war eine schnelle Aufstiegsgeschichte. Die Qualität der Produkte überzeugte auf allen Ebenen – nicht nur auf der Insel, sondern auch am spanischen Hof. 1892, acht Jahre nach der Gründung, verlieh Königin-Regentin María Cristina von Österreich der Fábrica den Titel Proveedor de la Real Casa y Corte española: Hoflieferantin des spanischen Königshauses. Das war kein leeres Prädikat – es öffnete die Märkte des Festlands und etablierte den Ruf von Arehucas als Qualitätsproduzent.
Die technischen Investitionen: 1909 und der Pariser Apparat
1909 wurde ein Meilenstein erreicht: Arehucas bestellte einen neuen Destillierapparat vom Typ Guillaume beim französischen Hersteller Egrot et Grangé in Paris. Dieser Apparat – der heute noch im Betrieb ist, über 115 Jahre nach seiner Anschaffung – verbesserte die Qualität des Rums erheblich. Der Guillaume-Typ ist ein Kolonnenbrennblasen-System, das eine kontinuierliche und präzise Destillation ermöglicht. Die Entscheidung, in Paris einzukaufen statt bei spanischen Herstellern, zeigt den Qualitätsanspruch der Destillerie: Man wollte das Beste, nicht das Nächstliegende.
Die 1940er: Ron Arehucas wird zum Markennamen
In den 1940er Jahren, unter der Leitung von Alfredo Martín Reyes, entstand eine Entscheidung, die die Destillerie für Jahrzehnte prägte: Der Rum erhielt einen eigenen Namen – Ron Arehucas. Benannt nach dem historischen Namen des Gebiets, auf dem Arucas steht (der Guanchen-Name Arehucas bedeutet nach manchen Quellen „Wasserquelle“). Das Markenzeichen: die Schlüssel des heiligen Petrus auf den Etiketten – weshalb der Rum im Volksmund „el de las llaves“ (der mit den Schlüsseln) hieß.
In denselben Jahren begann die Produktion des Ron Miel als eigenständige Produktlinie: Rum mit kanarischem Bienenhonig vermischt. Was zunächst eine Nischenproduktion war, wurde zum meistverkauften kanarischen Spirituosenprodukt überhaupt.
1965 und 2006: Expansion
1965 Umbenennung in Destilerías Arehucas. In den folgenden Jahrzehnten kontinuierlicher Ausbau: neue Fasslagerhallen, Modernisierung der Abfüllung, Erschließung von Exportmärkten. 2006 der entscheidende Schritt: Übernahme der Fábrica de Licores Artemi aus Santa Brígida. Artemi hatte mit den Marken Doramas, Guanche und anderen eine eigene Traditionsgeschichte. Die Fusion machte Arehucas zur größten Spirituosen-Gruppe der Kanarischen Inseln.
| 9. Aug. 1884 | Gründung Fábrica de San Pedro (Alfonso Gourié Álvarez), Arucas |
|---|---|
| 1885 | Erste Ernte: 5.619.540 kg Zuckerrohr; erste kommerzielle Rum-Produktion |
| 1892 | Königliche Hoflieferantin (Königin-Regentin María Cristina von Österreich) |
| 1909 | Neuer Destillierapparat: Guillaume-Typ (Egrot et Grangé, Paris); noch heute im Betrieb |
| 1940er | Ron Arehucas als Markenname; Ron Miel als Produktlinie; „el de las llaves\u0022 |
| 1965 | Umbenennung in Destilerías Arehucas; Beginn der Expansionsphase |
| 2006 | Übernahme Fábrica de Licores Artemi; größte Spirituosen-Gruppe der Kanaren |
| Heute | 95.000+ Besucher/Jahr; Marktführer auf den Kanarischen Inseln seit 50+ Jahren |
Die Produktion – vom Zuckerrohr zum Ron Miel
Rohstoff: Zuckerrohr und Melasse
Arehucas verwendet kanarisches Zuckerrohr aus dem Norden der Insel sowie importierte Melasse als Rohstoffe. Das Zuckerrohr wird gemahlen und der Saft gewonnen; dieser wird zu Melasse eingekocht. Die Melasse – das zuckerreiche Nebenprodukt der Zuckergewinnung – ist die Basis der Vergärung.
Vergärung
Die Melasse wird mit Wasser verdünnt und mit speziellen Rum-Hefen angeimpft. Bei kontrollierten Temperaturen vergärt die Mischung über mehrere Tage zu einem alkoholhaltigen Ansatz mit ca. 6–9% Alkohol – der Rohstoff für die Destillation.
Destillation: Der historische Guillaume-Apparat
Der Guillaume-Destillierapparat von 1909 ist das Herzstück der Anlage – und eine technische Rarität. Kolonnenbrenner dieser Art wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut; die meisten sind heute außer Betrieb. Dass dieser noch produziert, ist ein Zeugnis seiner handwerklichen Qualität und der Wartungsdisziplin der Destillerie. Parallel arbeiten moderne Kolonnenbrennblasen, die effizienter und kontrollierbarer sind – aber der Guillaume-Apparat bleibt Teil der aktiven Produktion.
Das Destillat verlässt die Apparate mit ca. 65–96% Alkohol und wird mit destilliertem Wasser auf Trinkstärke (37,5–40%) heruntergesetzt. Kupferbehälter im Destillationsprozess erzeugen spezifische Geschmacksstoffe (Ester, Säuren), die den Charakter des Arehucas-Rums mitprägen.
Fassreifung: amerikanische Eiche
Im historischen Fasslager reifen die Rums in amerikanischen Weißeichenfässern – ehemalige Bourbon-Fässer aus Kentucky und Tennessee, die ein erstes Leben als Whiskey-Behälter hatten. Ehemalige Bourbonfässer aus amerikanischer Weißeiche gehören weltweit zu den begehrtesten Reifefässern für Rum. Sie verleihen dem Destillat über die Jahre nicht nur seine goldene Farbe, sondern auch die typischen Vanille-, Karamell- und feinen Holznoten, die gereiften Arehucas-Rum so weich und ausgewogen machen. Die Reifezeit definiert die Produktlinie:
| Produkt | Reifung und Charakter |
|---|---|
| Carta Blanca | Ungelagert (weißer Rum); mild und klar; 37,5%; Cocktailbasis |
| Carta Oro | Kurz in Eichenfässern gereift; golden; aromatischer; 37,5%; Einsteiger |
| Siete Años | 7 Jahre amerikanische Eiche; karamellig-vanillig; komplex; 40% |
| Gran Reserva | Längere Reifung; limitiert; für Rum-Kenner; Preis auf Anfrage |
| Ron Miel | Carta Blanca + kanarischer Bienenhonig; 20%; goldgelb; süßlich-glatt |
Der Besuch: Was man in Arehucas erlebt
Die Führung durch die Anlage
Führungen durch die Destilerías Arehucas sind täglich (Mo–Sa) buchbar. Die Führung dauert ca. 45–60 Minuten und umfasst alle produktiven Bereiche – keine museale Rekonstruktion, sondern die echte, laufende Fabrik. Die Führungen durch die Destilerías Arehucas dauern rund 45 bis 60 Minuten und führen durch alle wichtigen Bereiche der historischen Brennerei. Besucher erleben eine bis heute produzierende Destillerie – vom historischen Guillaume-Destillierapparat über das Fasslager bis zur modernen Abfüllung. Zum Abschluss folgt eine Verkostung verschiedener Rum- und Likörspezialitäten.
Fasslager (Bodega de Barricas) – Hunderte Fässer aus amerikanischer Weißeiche lagern hier zur Reifung der Arehucas-Rums. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen von prominenten Persönlichkeiten signierten Fässer – von Künstlern über Sportler bis zu Politikern –, die die Destillerie im Laufe der Jahrzehnte besucht haben. Einer der beliebtesten Fotostopps der Führung.
| Station | Was man sieht |
|---|---|
| Historisches Eingangsgebäude | Rotes Backsteingebäude; Originalarchitektur von 1884; Ausstellung zur Geschichte |
| Destillationsraum | Aktive Kolonnenbrennblasen; historischer Guillaume-Apparat von 1909 in Betrieb |
| Fasslager | Hunderte amerikanischer Eichenfässer; sichtbare Reifegrade; Geruch intensiv |
| Abfüllhalle | Moderne Abfüllanlagen; Etikettierung; Verpackung |
| Museumsbereich | Etiketten-Geschichte seit 1884; alte Ausrüstung; Produktentwicklung |
| Verkostungsraum | Vergleich: Carta Blanca / Carta Oro / Siete Años / Ron Miel / Liköre |
| Destillerie-Shop | Vollständiges Sortiment; exklusive Abfüllungen; günstigste Preise der Insel |
Praktische Informationen
| Adresse | Calle Luis Morote 2, Arucas, Gran Canaria |
|---|---|
| Website | arehucas.es – Führungszeiten und aktuelle Preise immer prüfen |
| Öffnungszeiten | Mo–Sa; genaue Führungszeiten auf arehucas.es |
| Dauer Führung | Ca. 45–60 Min. inkl. Verkostung am Ende |
| Sprachen | Spanisch, Englisch; Deutsch auf Anfrage für Gruppen |
| Gruppen | Gruppenführungen buchbar; Voranmeldung empfohlen |
| Shop | Ohne Führung zugänglich; vollständiges Sortiment |
| Anfahrt | GC-2 Richtung Arucas; Abfahrt Arucas; ca. 15 Min. ab Las Palmas |
| Parken | Kostenloser Parkplatz vor der Destillerie |
Arucas als Ganztages-Ausflug
Arucas lohnt sich nicht nur für die Destillerie. Die Iglesia de San Juan Bautista – eine neogotische Kathedrale aus dunklem Basaltstein, die optisch an eine nordfranzösische Kirche erinnert und vollständig aus vulkanischem Material gebaut wurde – liegt 10 Gehminuten von der Destillerie. Sie ist eines der überraschendsten und fotogensten Bauwerke Gran Canarias. Gebaut zwischen 1909 und 1977 (!), ist sie nie fertig geworden – der südliche Turm fehlt noch heute.
Der Parque Municipal de Arucas direkt neben der Kirche bietet tropische Vegetation und schattige Sitzplätze. Der Mirador de Arucas auf der Montaña de Arucas (2 km vom Ort) gibt Panoramablick über die gesamte Nordküste und Las Palmas. Das Restaurant Mesas de Arucas auf dem Gipfel ist eines der spektakulärsten Aussichtsrestaurants der Insel.
Die Kombination aus historischer Altstadt, der imposanten Kirche San Juan Bautista und der traditionsreichen Rum-Destillerie macht Arucas zu einem der schönsten Halbtages- oder Schlechtwetter-Ausflüge im Norden Gran Canarias.
| Iglesia San Juan Bautista | 10 Min. zu Fuß; neogotisch; Basalt; seit 1909; eines der fotogensten Gebäude GC |
|---|---|
| Parque Municipal | Direkt neben der Kirche; tropische Vegetation; kostenlos; Schatten |
| Mirador de Arucas | 2 km; Panoramablick Nordküste + Las Palmas; kostenlos |
| Mesas de Arucas Restaurant | Auf dem Gipfel; Panoramablick; Reservierung empfohlen |
| Historische Altstadt | Rund um die Kirche; gepflegte Straßen; kleine Bars und Cafés |
Häufige Fragen
Muss man eine Führung buchen oder kann man einfach reingehen?
Wie weit ist Arehucas von Las Palmas entfernt?
Kann man in der Destillerie Rum kaufen, den man sonst nicht findet?
Ist die Destillerie auch für Nicht-Rum-Trinker interessant?
Warum sind die Fässer in der Destillerie von Prominenten unterschrieben?
Lohnt sich die Destillerie auch bei schlechtem Wetter?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


