Grüne Wände, Froschgesang und geschliffener Basalt: Der Barranco del Risco

Im Nordwesten Gran Canarias gibt es eine Schlucht, die die meisten Reisenden nie sehen: den Barranco del Risco – eine Felsschlucht im Parque Natural de Tamadaba, gespeist von Regenwasser aus dem Hochland, bewachsen von Moosen und Farnen in allen Grüntönen, belebt vom Quaken kanarischer Frösche. Hier führt der einzige Wanderweg zum legendären Charco Azul hindurch.

Vom Bachbett im Barranco del Risco öffnet den Blick auf den Roque Faneque.
Vom Bachbett im Barranco del Risco öffnet den Blick auf den Roque Faneque.

Der Barranco del Risco ist kein bequemer Spazierweg. Gewaltige Findlinge liegen im Schluchtengrund, das Bachbett wechselt zwischen trockenem Sand und nassen Felsplatten, und an einigen Stellen ist auch der Einsatz der Hände gefragt. Wer hier wandert, bewegt sich abseits aller touristischen Pfade. Dafür bekommt er Gran Canaria in seiner reinsten Form: wild, laut und überraschend grün.

Dieser Artikel erklärt die Route, die Besonderheiten der Schlucht, das Frosch-Geheimnis und alles Wissenswerte für einen Besuch im Barranco del Risco.

Steckbrief: Barranco del Risco auf einen Blick

TypFelsschlucht im Naturpark Tamadaba
Lage / GemeindeAgaete, Gran Canaria
SchutzstatusParque Natural de Tamadaba
BesonderheitMoos- und Farnvegetation, geschliffene Felsen, Kanarischer Laubfrosch
Ziel der RouteCharco Azul – blauer Natursee am Ende der Schlucht
AusgangspunktEl Risco (kleines Bergdorf)
EintrittKostenlos
SchwierigkeitsgradMittel – teils felsig, nass, enge Passagen
SchuhwerkWasserdichte Wanderschuhe empfohlen
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
Beste ReisezeitNovember bis April (Feuchtigkeit und Vegetation am üppigsten)
Gräser dominieren die Vegetation der Risco-Schlucht.
Gräser dominieren die Vegetation der Risco-Schlucht.

Die Schlucht: Farbe, Feuchtigkeit und Stille

Der Barranco del Risco beginnt oberhalb des kleinen Dorfs El Risco und schneidet sich tief in das Basaltgestein des Tamadaba-Massivs. Was ihn von anderen Barrancos Gran Canarias unterscheidet: die Feuchtigkeit. Das Regenwasser aus dem Tamadaba-Hochland sammelt sich im Barranco und chafft ein ungewöhnlich feuchtes Mikroklima, das stellenweise fast an einen kleinen Lorbeerwald erinnert.

Die Schlucht El Risco zieht sich am Fuße der Berge von Tirma entlang.
Die Schlucht El Risco zieht sich am Fuße der Berge von Tirma entlang.

Moos, Farne und Algen

Die Felswände des Barrancos sind überzogen von Moosen, Farnen und Algen in Grüntönen, die je nach Tageszeit und Lichteinfall zwischen Smaragd und tiefem Dunkelgrün wechseln. Im feuchten Schluchtenbereich nahe dem Charco Azul hängen Farne von den Felswänden. Das Licht, das durch die enge Schlucht fällt, taucht alles in ein gedämpftes, grünes Leuchten.

Geschliffener Basalt

Das Bachbett des Barranco del Risco besteht aus poliertem Basalt – vom jahrtausendelangen Wassertransport glattgeschliffen und mit natürlichen Mulden und Rinnen versehen. Diese Wasserrinnen und Gumpen sind bei Wasserführung gefüllt; bei Trockenheit zeigen sie als leere, polierte Formen die Kraft des früheren Wassers.

Geschliffene Schlucht nahe dem Charco Azul.
Geschliffene Schlucht nahe dem Charco Azul.

Die Frösche: Ein akustisches Geheimnis

Wer den Barranco del Risco in der feuchten Jahreszeit betritt, hört es sofort: ein lautes, rhythmisches Quaken aus allen Richtungen. Der Kanarische Laubfrosch (Hyla meridionalis) ist einer der wenigen Frösche auf den Kanarischen Inseln und im Barranco del Risco besonders häufig.

Warum sind hier so viele Frösche?

Der Laubfrosch benötigt stehendes oder langsam fließendes Wasser zur Fortpflanzung. Die natürlichen Gumpen und Wasserbecken im Barranco del Risco bieten genau das: temporäre Becken, die nach Regen entstehen und mehrere Wochen bestehen bleiben. Die enge Schlucht schützt vor Austrocknung – ein idealer Lebensraum.

In den Gumpen des Barranco del Risco tummelt sich der Kanarische Laubfrosch.
In den Gumpen des Barranco del Risco tummelt sich der Kanarische Laubfrosch.

Ein akustischer Indikator

Das Froschquaken ist gleichzeitig ein verlässlicher Hinweis auf den Wasserstand im Barranco: Wenn man es hört, führt das Bachbett Wasser und der Charco Azul am Ende der Schlucht ist gefüllt. Wer auf dem Weg von El Risco kein Quaken hört, sollte seine Erwartungen an den See anpassen.

Die Wanderung: Von El Risco durch den Barranco zum Charco Azul

Die klassische Route startet im Dorf El Risco und führt auf der Ruta del Charco Azul durch den Barranco del Risco zum Charco Azul. Die Route ist die einzige Möglichkeit, den blauen Natursee zu erreichen – es gibt keinen anderen Zugangsweg.

Wichtig:

Der Barranco del Risco kann sich nach starken Regenfällen im Tamadaba-Massiv innerhalb kurzer Zeit verändern. Dann führen die Wasserläufe deutlich mehr Wasser und das Bachbett wird stellenweise unpassierbar. Bei Starkregen oder Unwetterwarnungen sollte die Wanderung deshalb verschoben werden.

Routenprofil

Ausgangspunkt ist der Dorfrand von El Risco. Der Weg führt zunächst auf einem markierten Pfad hinab in die Schlucht. Im Barranco wechseln sich Sand, Geröll, große Findlinge und glatte Basaltplatten ab. Vor allem im oberen Abschnitt kurz vor dem Charco Azul sind Trittsicherheit und an einzelnen Stellen auch leichte Kletterei über die Felsen erforderlich. Wasserdichte Wanderschuhe sind daher dringend zu empfehlen. Die Wanderzeit beträgt etwa 1,5 bis 2 Stunden (einfach). Aktuelle GPS-Tracks bietet das Wanderportal Sunhikes.

Spiegelung der Felsformationen im Wasserbecken Charco Azul.
Spiegelung der Felsformationen im Wasserbecken Charco Azul.

Enge Passagen und Findlinge

Im mittleren Teil der Schlucht sind einige enge Passagen zu meistern: zwischen gewaltigen Findlingen hindurch, über nasse Felsplatten und durch Stellen, an denen man sich kleinmachen muss. Diese Passagen sind der anspruchsvollste Teil der Route, machen aber auch den besonderen Charakter des Barranco del Risco aus.

Spektakuläre Felsschlucht entlang der Wanderroute zum Charco Azul.
Spektakuläre Felsschlucht entlang der Wanderroute zum Charco Azul.

El Risco: Das Dorf am Ausgangspunkt

Das kleine Bergdorf El Risco liegt auf einer Terrasse oberhalb des Barranco mit freiem Blick auf den Atlantik und den Roque Faneque. Wenige Dutzend Einwohnerinnen und Einwohner, traditionelle Häuser, kein Tourismus – El Risco ist der ruhigste Ausgangspunkt Gran Canarias.

Flora und Fauna im Barranco del Risco

Die Vegetation des Barranco del Risco ist außergewöhnlich für diese Breitengrade: Farne, Moose und Lebermoose sowie Schilf und Binsen im Bachbereich. An den trockeneren Hangbereichen wachsen Tabaibas, Wolfsmilchgewächse und Kleinia.

Vegetation im unteren Abschnitt des Barranco del Risco
Vegetation im unteren Abschnitt des Barranco del Risco

Vogelwelt

Im Tamadaba-Kiefernwald oberhalb des Barrancos sind Kanarengirlitz und Kanarischer Laubsänger heimisch. Über der Schlucht kreisen Turmfalken. Im Bereich des Charco Azul wurden vereinzelt Fischadler beim Jagdflug beobachtet – eine der seltensten Greifvogelarten der Insel.

Besuchsinfos: Barranco del Risco

EintrittKostenlos
ZugangZu Fuß ab El Risco – kein Fahrzeugzugang in die Schlucht
SchuhwerkWasserdichte Wanderschuhe dringend empfohlen
SchwierigkeitMittel – enge Passagen, nasse Felsen, Trittsicherheit nötig
WasserführungNovember bis April (Schlucht am feuchtesten; Frösche quaken)
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
TrinkwasserKeine Versorgung – eigenes Wasser mitbringen
WetterNach starken Regenfällen oder Unwetterwarnungen sollte die Schlucht nicht betreten werden.

Anfahrt nach El Risco

Mit dem Auto

Von Agaete aus: GC-220 Richtung Tamadaba, Abzweigung nach El Risco (beschildert). Die Straße ist eng und kurvenreich – auf Gegenverkehr achten.

Mit dem Bus: Die Global-Linie 101 (Agaete ↔ La Aldea de San Nicolás) hält in El Risco. Da die Verbindungen jedoch vergleichsweise selten sind, erfordert die Anreise etwas Planung. Mit dem Mietwagen ist der Ausgangspunkt deutlich flexibler zu erreichen. Aktuelle Fahrpläne bietet guaguasglobal.com.

Kombinationen: Was liegt in der Nähe?

Charco AzulAm Ende der Schluchtenroute – blauer Natursee
Roque FanequeCa. 5 km – senkrechte Steilküste (1.008 m)
Montaña TamadabaCa. 8 km – höchster Punkt des Tamadaba-Massivs
Agaete OrtskernCa. 10 km – Kaffeeplantage, Puerto de las Nieves
Montaña AltavistaCa. 10 km – schönster Aussichtsberg Gran Canarias
Vom Montaña Altavista bietet sich ein weites Bergpanorama über die zentrale Bergregion Gran Canarias
Vom Montaña Altavista bietet sich ein weites Bergpanorama über die zentrale Bergregion Gran Canarias

Beste Reisezeit für den Barranco del Risco

JahreszeitBedingungen
Winter (Nov–Feb)Ideal: Schlucht feucht; Frösche quaken; Moose und Farne üppig
Frühling (Mär–Apr)Sehr gut: Feuchtigkeit noch gut; Vegetation in voller Blüte
Herbst (Okt–Nov)Gut: erste Regenfälle lassen Schlucht wieder erwachen
Sommer (Jun–Sep)Trocken; Frösche nicht aktiv; Charco Azul oft fast leer

Häufige Fragen zum Barranco del Risco

Warum quaken im Barranco del Risco so viele Frösche?

Der Kanarische Laubfrosch (Hyla meridionalis) benötigt stehende Wasserbecken zur Fortpflanzung. Die natürlichen Gumpen im Barranco del Risco bieten nach Regenfällen genau diese Bedingungen. Die enge Schlucht schützt die Becken vor schneller Austrocknung – ein idealer Lebensraum für eine Froschpopulation, die auf Gran Canaria außergewöhnlich dicht ist.

Ist der Barranco del Risco nur über den Charco-Azul-Weg erreichbar?

Der Barranco del Risco ist der einzige Wanderweg zum Charco Azul – es gibt keinen anderen Zugang zum blauen Natursee. Die Schlucht selbst kann man an ihrem unteren Abschnitt auch ohne Ziel Charco Azul besuchen; der charakteristischste Teil mit Moosen, Farnen und Findlingen liegt jedoch weiter oben, kurz vor dem See.

Was sollte ich für die Wanderung durch den Barranco del Risco mitbringen?

Wasserdichte Wanderschuhe sind Pflicht. Ausreichend Wasser und Essen mitbringen (keine Versorgung im Barranco). Eine Jacke ist sinnvoll. Und: Wer die Frösche hören und den Charco Azul gefüllt erleben möchte, kommt zwischen November und April.

Ist die Wanderung durch den Barranco del Risco für Anfänger geeignet?

Die Route ist technisch nicht schwierig, verlangt aber Trittsicherheit. Im oberen Teil der Schlucht führen große Findlinge, glatte Basaltplatten und schmale Passagen dazu, dass an einigen Stellen auch die Hände zum Einsatz kommen. Wer bereits Erfahrung auf einfachen Bergwanderungen hat, wird die Tour gut meistern.

Kann man den Barranco del Risco nach Regen besuchen?

Leichter Regen in den Tagen zuvor sorgt oft dafür, dass der Charco Azul gut gefüllt ist und die Schlucht besonders grün wirkt. Während oder unmittelbar nach starken Regenfällen im Tamadaba-Massiv sollte der Barranco jedoch gemieden werden, da das Wasser schnell ansteigen und das Bachbett unpassierbar machen kann.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com