Los Azulejos: Wanderung durch Gran Canarias farbigste Felsenlandschaft
Es gibt Wanderungen, die beeindrucken durch ihre Höhe. Und es gibt diese: eine Tour, die durch die farbigste Felsenlandschaft Gran Canarias führt. Die Los Azulejos – wörtlich die Kacheln – sind eine Felswand aus türkisen, grünen, roten und gelben Gesteinsadern, die sich am Risco de las Tederas und in den Schluchten des Veneguera-Tals in die Bergflanken einziehen. Kein Filter, keine Inszenierung – nur die Kräfte des Vulkanismus und hydrothermale Prozesse, die über Millionen Jahre hinweg diese außergewöhnliche Farbenpracht entstehen ließen.

Die Wanderung führt vom Einstieg an der GC-200 über den Lomo de la Palma bergauf, vorbei an den ersten Azulejos, durch die Schluchten Barranco de los Palos und Barranco de la Manta bis zu den stillen Wasserbecken des Charco de las Aneas. Auf 7,4 Kilometern und 594 Höhenmetern zeigt die Tour eine der spektakulärsten Vulkanlandschaften Gran Canarias. Bei Regen oder Sturm ist die Tour nicht empfehlenswert – die Schluchten können bei Unwetter gefährlich werden.
Dieser Artikel liefert Steckbrief, Routenbeschreibung in drei Abschnitten, Hintergründe zur Geologie der Azulejos und alle praktischen Tipps.
Wanderung Los Azulejos – Charco de las Aneas auf einen Blick
| Streckenlänge | 7,4 km (Rundwanderung) |
|---|---|
| Schwierigkeit | schwer – schwindelfrei, trittsicher, alpines Gelände, loser Untergrund |
| Gehzeit | ca. 2:30 bis 3:15 Stunden |
| Höhenmeter Aufstieg | 594 hm |
| Höhenmeter Abstieg | 594 hm |
| Höchster Punkt | 939 m |
| Niedrigster Punkt | 398 m (Einstieg an der GC-200) |
| Startpunkt | Einbuchtung an der GC-200 zwischen Mogán und La Aldea de San Nicolás – Wegweiser Los Azulejos |
| Wegmarkierung | Ruta 2 – gut markiert; bei Schluchtquerung auf Steinmännchen achten |
| Routentyp | Rundwanderung |
| Besonderheit | Farbige Felsen Los Azulejos + Wasserbecken Charco de las Aneas + Veneguera-Tal |
| Beste Reisezeit | Oktober bis April – bei Regen oder Sturm nicht empfehlenswert |
| Wasser | Proviant und Wasser mitbringen – keine Versorgung unterwegs |

Anfahrt und Startpunkt
Der Einstieg befindet sich an einer kleinen Parkbucht direkt an der GC-200 zwischen Mogán und La Aldea de San Nicolás. Ein Wegweiser „Los Azulejos“ markiert den Beginn der Wanderung. Parkmöglichkeiten gibt es unmittelbar am Straßenrand.
Mit dem Auto: Die Anfahrt erfolgt aus dem Süden über die GC-1 bis nach Mogán. Von dort folgt man der GC-200 Richtung La Aldea de San Nicolás. Nach wenigen Kilometern erreicht man den bekannten Aussichtspunkt und den ausgeschilderten Einstieg zur Wanderung. Die kurvenreiche Bergstraße verlangt insbesondere auf den engen Abschnitten konzentriertes Fahren.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Eine direkte Busverbindung zum Wanderstart gibt es nicht. Die nächstgelegenen Haltestellen befinden sich in Mogán beziehungsweise La Aldea de San Nicolás. Von dort ist für die Weiterfahrt zum Ausgangspunkt ein Taxi oder Mietwagen erforderlich. Aktuelle Verbindungen auf Guaguasglobal.com – Busverbindungen Mogán / La Aldea
Die Wanderung in drei Abschnitten
Die Route folgt der Ruta 2 und ist gut markiert. Bei der Durchquerung der Schluchten auf die Steinmännchen achten – sie zeigen den Weg, wo der Pfad nicht eindeutig ist. Vorsicht am Beginn des Aufstiegs und am Ende des Abstiegs wegen Steilheit und losem Untergrund.
Abschnitt 1: Aufstieg über den Lomo de la Palma
Vom Wegweiser an der GC-200 geht es sofort bergauf über den Lomo de la Palma. Der Aufstieg ist kurz, aber steil – loser Untergrund verlangt Trittsicherheit von Anfang an. Nach ca. 400 Metern passiert man den Felsen El Roque – ein markanter Einzelfels am Wegesrand.

Der Weg verläuft weiter bergauf über den Lomo del Roque. Nach etwa 700 weiteren Metern tauchen die ersten Azulejos auf: farbige Gesteinsadern in Türkis, Grün, Rot und Gelb, die sich durch den Basalt ziehen – ein Blickfang auf jedem Schritt. Die Felsen leuchten im richtigen Licht wie handbemalte Kacheln.
Abschnitt 2: Schlucht Barranco de los Palos und Abstieg zur Manta
Nach 1,8 Kilometern passiert man das Schild SL 2 Barranco de Los Palos – die Schlucht ist auf Karten oft als Barranquillo del Salobre verzeichnet. Im Barranco del Salobre geht man 20 Meter nach rechts und steigt dann in der Erosionsfläche nach links zur Piste auf. Die Piste verläuft parallel zur Grenze des Naturschutzgebietes Reserva Natural Integral de Inagua.

Nach ca. 800 Metern auf der Piste verlässt man diese nach links und folgt einem Pfad leicht absteigend bis ins Bachbett des Barranco de la Manta. Im Bachbett ca. 5–6 Meter nach links – dann beginnt der Abstieg parallel zur Schlucht durch eine felsige Landschaft.

Abschnitt 3: Charco de las Aneas und Rückweg
Der Pfad führt durch das Gebiet des Charco de las Aneas – einer vom Wasser glatt geschliffenen Felszone mit mehreren stillen Wasserlöchern und Becken. Die blau leuchtenden Felswände der Azulejos spiegeln sich im ruhigen Wasser. Der Ausblick auf die raue Felsschlucht des Barranco de la Manta ist grandios. Immer wieder finden sich neue Becken und Gesteinsformationen.
Danach erfolgt der Abstieg zur Straße im Zickzack bergab. An der GC-200 angekommen, führt eine Rückwanderung auf der Straße mit Vorsicht zurück zum Ausgangspunkt. Alternativ kann man nach den Wasserlöchern bei Charco de las Aneas denselben Weg zurückgehen – das ist die sicherere Option.

Geologie: Warum die Azulejos leuchten
Die Los Azulejos – spanisch für Kacheln oder Fliesen – sind das sichtbare Ergebnis eines geologischen Prozesses, der vor Millionen Jahren im Inagua-Ojeda-Pajonales-Massiv ablief. Das Massiv gehört zu den ältesten Gebirgsstrukturen Gran Canarias und besteht aus Mio-Pliozänen Gesteinen: Trachyten, Phonolithen und Basalten – stark erodiert, tief zerschluchtet.

Die Färbung der Felsen entstand durch hydrothermale Veränderungen: Heißes Wasser aus dem Erdinneren drang durch Risse in das Gestein, veränderte seine chemische Zusammensetzung – und hinterließ je nach Mineralgehalt verschiedene Farbtöne. Türkis und Grün entstehen durch Kupferminerale und Chlorit, Rot und Orange durch Eisenoxide, Gelb durch Schwefel und Limonit. Die plötzliche Abkühlung der vulkanischen Tuffe verstärkte diese Farbgebung.
Die Los Azulejos sind besonders konzentriert am Risco de las Tederas und in den Schluchten Los Palos und Salobre – exakt dort, wo diese Wanderung entlangführt.
Naturschutzgebiet Inagua
Die Wanderung verläuft entlang der Außengrenze der Reserva Natural Integral de Inagua, einer der am strengsten geschützten Naturlandschaften Gran Canarias. Das Schutzgebiet umfasst die ursprünglichen Kiefernwälder von Inagua, Ojeda und Pajonales und gehört zu den wichtigsten Rückzugsräumen des endemischen Gran-Canaria-Blaufinken.
Wichtiger Hinweis: Das Kerngebiet der Reserva Natural Integral darf grundsätzlich nicht betreten werden. Der Zutritt ist ausschließlich mit einer behördlichen Sondergenehmigung, etwa für wissenschaftliche Arbeiten oder offizielle Projekte, erlaubt. Die hier beschriebene Wanderung verläuft auf offiziell begehbaren Wegen außerhalb des geschützten Kernareals. Bitte die markierten Wege nicht verlassen und keinesfalls querfeldein in das Reservat gehen.
Flora und Fauna: Zwischen Zistrosen und Kiefernwäldern
Die Vegetation im Veneguera-Tal ist typisch für den trockenen Südwesten Gran Canarias: Zistrosen (Cistus), Felsenrosen, Thymian, Tabaibas und Ginster wachsen dort, wo früher Kiefernwald stand. Die Kiefernwälder des Pinar de Inagua, Ojeda und Pajonales sind verstreut und haben kaum Unterholz – sie unterscheiden sich deutlich vom üppigen Tamadaba-Wald im Nordwesten.

Über den Schluchten kreisen Turmfalken und Bussarde. In den Felsspalten der Azulejos nisten Blaumerlen. An den Wasserlöchern des Charco de las Aneas sind Libellen anzutreffen. Die Kanarische Eidechse (Gallotia stehlini) sonnt sich auf den farbigen Felsen.
Beste Reisezeit
| Herbst (Okt–Nov) | Gute Wasserführung, angenehme Temperaturen – empfehlenswert |
|---|---|
| Winter (Dez–Feb) | Kühl, gelegentlich Regen – Tour bei Regen nicht empfehlenswert |
| Frühling (Mär–Apr) | Zistrosenblüte, milde Temperaturen – schönste Jahreszeit |
| Sommer (Jun–Sep) | Heiß, wenig Wasser in Becken – früher Start nötig |
Wichtiger Hinweis:
Bei Regen und stürmischem Wetter von der Wanderung absehen – die Schluchten können bei Unwetter gefährlich werden.

Ausrüstung
| Schuhwerk | Feste Bergwanderschuhe – steiler Aufstieg, loser Untergrund, felsige Schluchten |
|---|---|
| Wasser und Proviant | Für 2:30–3:15 Stunden – keine Versorgung unterwegs |
| Sonnenschutz | Hut, Brille, Creme – kaum Schatten im Aufstieg |
| Windschutz | Leichte Jacke – Kamm und Piste können windig sein |
| Regenschutz | Leichter Regenschutz – bei aufziehendem Gewitter sofort umkehren |
| Navigation | GPS-Track empfohlen – Schluchtquerung mit Steinmännchen beachten |

Kombinationsmöglichkeiten
| Fuente de los Azulejos | Aussichtspunkt direkt an der GC-200 – die Los Azulejos von außen sehen ohne Wanderung |
|---|---|
| Playa de Güigüí | Wanderung ab Tasartico: einsamster Strand Gran Canarias – nächste Tour in der Region |
| Mogán | Puerto de Mogán: 30 Min. Fahrt – Hafen, Restaurants, Bootsfahrten |
| Veneguera-Tal | Das ganze Tal ist eine der unberührtesten Landschaften der Insel – explorierbar |

GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:
Zur Routenseite auf Sunhikes: Wanderung Los Azulejos und Charco de las Aneas
Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:
Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps
Wetter prüfen: Vor der Tour unbedingt die Wettervorhersage checken. Bei Regen oder Sturm Tour verschieben – die Schluchten sind bei Unwetter gefährlich.
Steinmännchen: Bei der Schluchtquerung zeigen Steinmännchen den Weg. Wer sie ignoriert, läuft Gefahr, sich zu verirren.
Sicher zurück: Nach dem Charco de las Aneas empfiehlt sich der Rückweg auf derselben Wanderroute. Eine Rückwanderung entlang der GC-200 ist wegen des fehlenden Seitenstreifens und des Verkehrs nicht empfehlenswert.
Licht: Die Azulejos leuchten am stärksten in der Mittagssonne. Frühmorgens sind die Farben gedämpfter, dafür ist es kühler.

Häufige Fragen zur Wanderung Los Azulejos
Was sind die Los Azulejos auf Gran Canaria?
Ist die Wanderung bei Regen möglich?
Wie schwierig ist die Tour wirklich?
Kann man die Wanderung als Hin- und Rückweg gehen?
Warum sind die Los Azulejos so bunt?
Darf man die Reserva Natural Integral de Inagua betreten?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.
Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:


