Der stille Riese: El Campanario – zweithöchster Berg Gran Canarias
Fast niemand kennt ihn, dabei ist er der zweithöchste Berg Gran Canarias: El Campanario mit 1.917 Metern über dem Meeresspiegel. Wer vom bekannten Pico de las Nieves (1.949 m) nach Westen blickt, sieht ihn sofort – ein mächtiger Gipfelblock, Teil der gewaltigen Riscos de Tirajana, einer acht Kilometer langen Felswand, die bis zu 800 Meter senkrecht in die Caldera de Tirajana abstürzt.

El Campanario ist kein einfaches Ziel. Die Flanken fallen nach Osten und Süden hin nahezu senkrecht in die Caldera de Tirajana ab. Das Basaltgestein ist kompakt, aber in Randbereichen brüchig. Wer hierherwandert, sucht das echte Gran Canaria – das raue, ursprüngliche, das fernab der Touristenzentren im Hochland liegt.
Dieser Artikel liefert alles Wissenswerte: Geologie, Entstehungsgeschichte, Wandermöglichkeiten, Anforderungen, Anfahrt und die besten Tipps für einen Besuch am El Campanario.
Steckbrief: El Campanario auf einen Blick
| Typ | Berggipfel / Vulkanisches Massiv |
|---|---|
| Lage / Gemeinde | San Bartolomé de Tirajana, Gran Canaria |
| Höhe | 1.917 m ü. M. – zweithöchster Berg Gran Canarias |
| Teil von | Riscos de Tirajana (8 km Felswand, bis 800 m hoch) |
| Gestein | Basalt; brüchig außer im Gipfelbereich |
| Nachbargipfel | Pico de las Nieves (1.949 m), Roque Redondo |
| Schutzstatus | Teil des Parque Rural del Nublo |
| Eintritt | Kostenlos |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel bis schwer – Trittsicherheit erforderlich |
| Wildcampen | Verboten |
| Lagerfeuer | Verboten |
| Beste Reisezeit | Oktober bis April |
Entstehung und Geologie: Teil der Riscos de Tirajana
El Campanario ist Teil der Riscos de Tirajana – einer der dramatischsten geologischen Formationen Gran Canarias. Diese acht Kilometer lange Basaltfelswand umfasst die Caldera de Tirajana im Süden und Osten und erreicht an ihren höchsten Punkten Wandhöhen von bis zu 800 Metern. Die Caldera de Tirajana ist kein klassischer Vulkankrater, sondern ein tief eingeschnittenes Erosionsbecken. Über Millionen von Jahren formten Wasser, Verwitterung und Hangabbrüche die heutige Landschaft, während widerstandsfähige vulkanische Gesteine wie am El Campanario erhalten blieben.

Die Caldera de Tirajana
Die Caldera de Tirajana ist kein klassischer Vulkankrater, sondern ein Erosionsbecken: Ein ehemaliger Vulkan, dessen weiches Gestein herausgewaschen wurde, während die härteren Basalt- und Phonolithwände stehen blieben. El Campanario markiert zusammen mit dem Pico de las Nieves und dem Roque Redondo die nördliche Umrandung dieses Beckens.
Basaltgestein: Hart und brüchig zugleich
Das Basaltgestein des El Campanario ist im Gipfelbereich kompakt und stabil. An den steilen Flanken und Kanten hingegen ist das Gestein durch Frost und Erosion brüchig geworden – abgelöste Blöcke und loses Gestein finden sich vor allem in den seitlichen Abstürzen. Wer hier wandert, bleibt auf markierten Wegen und hält Sicherheitsabstand zu exponierten Kanten.
Wandern am El Campanario: Routen und Ausblicke
El Campanario ist über mehrere Wanderwege im Hochland erreichbar. Am häufigsten wird der Berg von Los Llanos de la Pez oder vom Pico de las Nieves aus angegangen – beides Ausgangspunkte, die gut per Auto erreichbar sind. Der Grat zwischen Pico de las Nieves und El Campanario bietet eine der spektakulärsten Wanderpassagen des Hochlands.
Gratweg vom Pico de las Nieves
Der Gratweg vom Pico de las Nieves nach El Campanario ist die klassischste Route. Er führt entlang der Kante der Riscos de Tirajana – links der Abbruch in die Caldera, rechts das offene Hochland. Die Route ist teils ausgesetzt, der Untergrund gut begehbar. Wanderzeit ab Pico de las Nieves: ca. 2–3 Stunden für die Strecke.

Ausblick vom Gipfel
Vom Gipfelplateau des El Campanario öffnet sich ein 360-Grad-Panorama: nach Norden der Roque Nublo und das Zentralmassiv, nach Osten die Küste und bei klarem Wetter Fuerteventura und Lanzarote, nach Süden die Touristenorte des Südens weit unten am Meer, nach Westen das Hochland und La Aldea. Bei hervorragender Sicht ist auch Teneriffa mit dem Teide zu erkennen.

Sicherheitshinweise
Die Südost-Flanke des El Campanario bricht senkrecht in die Caldera de Tirajana ab. Kein Annähern an den Kliffrand – das Gestein ist dort brüchig. Ausreichend Wasser mitbringen; Quellen gibt es im Hochland nicht. Das Leitungswasser Gran Canarias ist im Hochland nicht trinkbar. Bei Nebel (besonders Oktober bis Februar häufig) Orientierung sicherstellen.
Flora und Fauna im Hochland rund um El Campanario
Das Hochland der Riscos de Tirajana liegt oberhalb der Baumgrenze der Kanarischen Kiefer. In diesen Höhen dominiert eine offene Zwergstrauchheide aus endemischen Polsterstauden, Ginster und verschiedenen Wolfsmilchgewächsen. Die karge Vegetation täuscht über die Artenvielfalt hinweg.
Endemische Hochlandpflanzen
Besonders charakteristisch sind der Kanarische Ginster (Adenocarpus foliolosus) und verschiedene Aeonium-Arten, die auch in exponierten Lagen gedeihen. Im Frühjahr blühen die Felsrosen und Stonecrop-Verwandten in Gelb und Weiß auf dem Gipfelplateau.

Greifvögel über dem Grat
Entlang der Riscos de Tirajana kreisen Turmfalken und Bussarde auf den Thermiken, die von den aufgeheizten Felswänden aufsteigen. An besonders ruhigen Tagen sieht man gelegentlich den Schlangenadler – einen der selteneren Greifvögel der Kanarischen Inseln.
Besuchsinfos: Schutzgebiet und praktische Infos
| Eintritt | Kostenlos |
|---|---|
| Zugang | Jederzeit – kein Eingangstor, keine Öffnungszeiten |
| Wildcampen | Verboten |
| Lagerfeuer | Verboten |
| Trinkwasser | Nicht aus Leitungsnetz – eigenes Wasser mitbringen |
| Parken | Pico de las Nieves (kostenpflichtig) oder Los Llanos de la Pez |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel bis schwer – Trittsicherheit erforderlich |
| Hunde | Erlaubt, an der Leine |
| Parkplatz | Am Wochenende häufig ausgelastet |
| Wetter | Wetterwechsel und Nebel jederzeit möglich |
| Navigation | GPS-Track oder Offline-Karte empfohlen |
Anfahrt zu El Campanario
Mit dem Auto:
Der beste Ausgangspunkt für eine Wanderung zum El Campanario ist der Parkplatz am Pico de las Nieves.
Von Las Palmas führt die Route über die GC-15 bis Cruz de Tejeda, anschließend über die GC-600 und die GC-130 zum Pico de las Nieves.
Von Maspalomas fährt man über die GC-60 nach San Bartolomé de Tirajana und weiter ins Hochland über die GC-600 und GC-130 bis zum Pico de las Nieves.
Alternativ beginnt die Wanderung am Parkplatz Los Llanos de la Pez an der GC-600. Von dort lässt sich der El Campanario auf einer längeren Rundtour mit weiteren Aussichtspunkten des Hochlands verbinden.
Mit dem Bus:
Die Guaguas-Linie 18 verbindet Faro de Maspalomas, San Bartolomé de Tirajana und Tejeda mit dem Hochland. Sie hält unter anderem am Pico de las Nieves und entlang der GC-600. Damit ist auch eine Anreise ohne Mietwagen möglich. Aktuelle Fahrpläne und Verbindungen bietet guaguasglobal.com.
Kombinationen: Was liegt in der Nähe?
El Campanario liegt im Hochland Gran Canarias direkt neben dem Pico de las Nieves (1.949 m, höchster Berg der Insel) und lässt sich ideal mit diesem zu einer Hochlandtour verbinden. Auch Cruz de Tejeda (Parador, Aussichtspunkt) und Roque Nublo sind in kurzer Fahrdistanz.
| Pico de las Nieves | Ca. 2 km – höchster Berg Gran Canarias (1.949 m), Radar |
|---|---|
| Cruz de Tejeda | Ca. 8 km – höchster Pass der Insel, Parador, Aussicht |
| Roque Nublo | Ca. 7 km – Wahrzeichen, Naturdenkmal, Reservierungspflicht |
| Los Llanos de la Pez | Ca. 4 km – Picknickplatz im Kiefernwald, Ausgangspunkt |
| Tejeda Ortskern | Ca. 10 km – Mandelspezialitäten, Restaurants |

Beste Reisezeit für El Campanario
| Jahreszeit | Bedingungen |
|---|---|
| Herbst (Okt–Nov) | Ideal: klare Sicht, stabile Verhältnisse, angenehme Kühle |
| Winter (Dez–Feb) | Gut: gelegentlich Schnee am Gipfel möglich; Nebel häufiger |
| Frühling (Mär–Mai) | Sehr gut: Hochlandblüte, mild, lange Tage |
| Sommer (Jun–Sep) | Pasatwolken häufig; Hochland kühler als Küste; gute Option |
Häufige Fragen zu El Campanario
Was ist El Campanario auf Gran Canaria?
Kann man El Campanario besteigen?
Wie kombiniere ich El Campanario mit dem Pico de las Nieves?
Kann man El Campanario auch ohne Gipfelbesteigung erleben?
Wann ist die Fernsicht am besten?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


