Im Herzen des Kiefernwalds: Montaña Tamadaba auf Gran Canaria

Im Nordwesten Gran Canarias erhebt sich ein Massiv, das schon auf der Anfahrt beeindruckt: Tamadaba – ein Hochplateau aus Kiefernwald, Felsgipfeln und weiten Ausblicken bis zum Atlantik. Der höchste Punkt dieses Massivs ist die Montaña Tamadaba mit 1.443 Metern. Kein schroffer Felszahn, kein dramatischer Monolith – aber ein Gipfel, der weniger durch seine Höhe als durch seine einzigartige Umgebung beeindruckt: einen der schönsten Kanarischen Kiefernwälder der Insel.

Felsige Bergbereiche prägen die Montaña Tamadaba – schroffes Gestein zwischen den Kiefernwäldern.
Felsige Bergbereiche prägen die Montaña Tamadaba – schroffes Gestein zwischen den Kiefernwäldern.

Der Parque Natural de Tamadaba ist das älteste Naturschutzgebiet Gran Canarias und seit 2005 Teil des UNESCO-Biosphärenreservats. Hier wachsen Kiefern, die bis zu 40 Meter hoch werden und ihr Alter in Jahrhunderten messen. Hier brüten Fischadler und Gelbschnabelsturmtaucher. Und hier beginnen einige der einsamsten und schönsten Wanderungen der Insel.

Dieser Artikel liefert alles Wissenswerte zur Montaña Tamadaba: Geologie, Naturpark, Wanderrouten, Flora, Fauna, Anfahrt und Besuchsinfos.

Steckbrief: Montaña Tamadaba auf einen Blick

TypBerggipfel / Waldmassiv
Lage / GemeindeArtenara, Gran Canaria (Nordwesten)
Höhe1.447 m ü. M. – höchster Punkt des Tamadaba-Massivs
SchutzstatusParque Natural de Tamadaba
UNESCO-StatusTeil des Biosphärenreservats Gran Canaria (seit 2005)
BesonderheitDichtester Kanarischer Kiefernwald Gran Canarias
EintrittKostenlos
SchwierigkeitsgradLeicht bis mittel – gut markierte Wege
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten
Beste ReisezeitGanzjährig; Sommer Pasatwolken häufig
ParkenParkplätze an der Zufahrt zum Naturpark und Erholungsgebiet Tamadaba
Blick zum Gipfel des Montaña Tamadaba
Blick zum Gipfel des Montaña Tamadaba

Parque Natural de Tamadaba: Ältestes Naturschutzgebiet Gran Canarias

Der Parque Natural de Tamadaba wurde 1987 als eines der ersten Naturschutzgebiete der Kanarischen Inseln ausgewiesen. Er liegt im Nordwesten Gran Canarias, nördlich von Artenara, und umfasst ein Hochplateau zwischen 900 und 1.447 Metern Höhe, das nahezu vollständig von Kanarischem Kiefernwald bedeckt ist.

Erodierte Felsformationen säumen die Wanderwege durch den Naturpark Tamadaba.
Erodierte Felsformationen säumen die Wanderwege durch den Naturpark Tamadaba.

Der Kiefernwald – mehr als nur Bäume

Der Kanarische Kiefernwald (Pinus canariensis) des Tamadaba ist kein gewöhnlicher Wald. Die Kiefern haben besondere Anpassungen entwickelt: Sie überleben Waldbrände durch ihre dicke Borke und treiben danach aus lebenden Geweben wieder aus. Ihre langen Nadeln filtern Nebelfeuchtigkeit aus den Pasatwolken – eine für das Wassermanagement der Insel kritische Funktion. Ein Baum kann dabei mehrere hundert Liter Wasser pro Jahr auffangen.

UNESCO-Biosphärenreservat seit 2005

Der Tamadaba ist Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Gran Canaria (seit 2005), das rund 40 % der Inselfläche unter Schutz stellt. Diese Anerkennung würdigt die außergewöhnliche Artenvielfalt und die Bedeutung des Naturparks für den Wasserhaushalt der Insel.

Felsiges Terrain auf der Tamadaba-Faneque-Route.
Felsiges Terrain auf der Tamadaba-Faneque-Route.

Tamadaba und das Wolkenmeer: Vorsicht bei Nebel

Das Tamadaba-Massiv liegt exponiert im Nordwesten Gran Canarias und wird häufig von den feuchten Nordostpassatwinden beeinflusst. Besonders bei aufziehendem Mar de Nubes (Wolkenmeer) kann sich die Sicht innerhalb weniger Minuten stark verschlechtern. Im dichten Kiefernwald fällt die Orientierung dann deutlich schwerer. Wer längere Wanderungen plant, sollte deshalb eine Offline-Karte oder ein GPS-Gerät mitführen und ausreichend Zeit für den Rückweg einplanen.

Wandern im Naturpark Tamadaba: Routen und Erlebnisse

Der Parque Natural de Tamadaba erschließt sich über ein gut markiertes Wanderwegenetz. Vom Gipfel der Montaña Tamadaba bis zur Steilküste am Roque Faneque bietet der Park eine Vielfalt an Routen – von kurzen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Ganztagestouren.

Kurze Rundwanderung zum Gipfel

Die kürzeste Route auf den Gipfel der Montaña Tamadaba startet direkt am Campingplatz oder Picknickbereich des Naturparks und führt über gut markierte Pfade durch Kiefernwald zur Gipfelzone. Von oben reicht der Blick über den Naturpark, zum Roque Nublo im Osten und zum Atlantik im Westen.

Ausblick von den Gipfeln des Tamadaba bis zur weit entfernten Felsnadel des Roque Nublo.
Ausblick von den Gipfeln des Tamadaba bis zur weit entfernten Felsnadel des Roque Nublo.

Rundwanderung Tamadaba – Roque Faneque

Wer mehr erleben möchte: Die Rundroute von der Montaña Tamadaba zum Roque Faneque gehört zu den eindrucksvollsten Wanderungen im Westen Gran Canarias. Sie führt durch den Kiefernwald, über Gebirgskämme mit Atlantikblick und am Ende zum schwindelerregenden Kliffrand des Roque Faneque. Aktuelle Routendaten und GPS-Track bietet das Wanderportal Sunhikes.

Die Klippen des Faneque stürzen fast tausend Meter senkrecht zum Atlantik ab
Die Klippen des Faneque stürzen fast tausend Meter senkrecht zum Atlantik ab

Wanderweg S-90

Der offizielle Sendero S-90 ist der klassische Rundweg im Tamadaba-Massiv. Er führt am Gipfel vorbei, durch den dichten Kiefernwald und bietet mehrere Aussichtspunkte auf Teneriffa, La Palma und die Nordwestküste Gran Canarias.

Der Naturpark Tamadaba bietet großartige Ausblicke auf die Nachbarinsel Teneriffa.
Der Naturpark Tamadaba bietet großartige Ausblicke auf die Nachbarinsel Teneriffa.

Flora und Fauna im Naturpark Tamadaba

Der Parque Natural de Tamadaba beherbergt eine der artenreichsten Tiergemeinschaften Gran Canarias. Die Kombination aus dichtem Kiefernwald, offenen Felsplateaus und der Nähe zur Steilküste schafft eine Vielfalt an Lebensräumen.

Endemische Pflanzenarten

Im Unterwuchs des Kiefernwalds wachsen Kanarischer Salbei, Ginster und verschiedene Aeonien. Auf dem Gipfelplateau selbst ist die Vegetation karger: Polsterstauden und Kleinia-Sukkulenten trotzen dem Wind. Am Waldrand gedeihen Drachenbäume und Baumheide – Relikte eines älteren Lorbeerwaldgürtels.

Kanarischer Salbei (Salvia canariensis)
Kanarischer Salbei (Salvia canariensis)

Vogelwelt des Tamadaba

Der Naturpark ist ein Brutgebiet für den Fischadler (Pandion haliaetus) – eine der seltensten Greifvogelarten der Kanarischen Inseln. An den Küstenklippen brütet der Gelbschnabelsturmtaucher in Felsspalten. Im Kiefernwald selbst sind Kanarengirlitz und Kanarischer Laubsänger häufige Begleiter.

Kanarische Eidechse

Entlang der Wanderwege ist die Kanarische Eidechse (Gallotia galloti) allgegenwärtig. Sie sonnt sich auf warmen Steinen entlang der Pfade und flieht erst beim direkten Herannahen. Im Tamadaba sind die Exemplare besonders groß.

Besuchsinfos: Campingplatz, Schutzgebiet und praktische Infos

Der Campingplatz Tamadaba gehört zu den beliebtesten Campingplätzen Gran Canarias und liegt direkt im Naturpark. Eine Genehmigung ist erforderlich und beim Cabildo de Gran Canaria online zu beantragen.

Besuchsinfos: Montaña Tamadaba

Eintritt NaturparkKostenlos
Camping TamadabaMit Genehmigung – online beim Cabildo Gran Canaria beantragen
WildcampenVerboten
LagerfeuerVerboten (Brandgefahr!)
TrinkwasserAm Campingplatz verfügbar; sonst eigenes Wasser mitbringen
ParkenParkplätze an der GC-216 im Naturpark
PicknickbereichVorhanden am Eingangsbereich des Naturparks
HundeErlaubt, an der Leine
Der Rast- und Campingplatz Llanos de la Mimbre im Kiefernwald des Tamadaba.
Der Rast- und Campingplatz Llanos de la Mimbre im Kiefernwald des Tamadaba.

Anfahrt zur Montaña Tamadaba

Mit dem Auto: Von Artenara folgt man der GC-216 und biegt anschließend auf die ausgeschilderte Zufahrtsstraße zum Naturpark und Campingplatz Tamadaba ab. Die Strecke führt durch dichten Kiefernwald und ist auf den letzten Kilometern schmal sowie kurvenreich. Parkplätze befinden sich im Bereich des Erholungsgebiets und entlang der Zufahrt.

Mit dem Bus: Artenara ist mit dem Bus von Las Palmas erreichbar. In den Naturpark selbst fährt kein regulärer Linienbus. Ein Mietwagen ab Artenara oder Las Palmas ist die beste Option. Aktuelle Verbindungen auf guaguasglobal.com.

Kombinationen: Was liegt in der Nähe?

Der Naturpark Tamadaba lässt sich ideal mit dem Roque Faneque, der Montaña Altavista und dem Dorf Agaete (Puerto de las Nieves, Botanischer Garten, Kaffeeplantage) verbinden.

Roque FanequeCa. 4 km – senkrechte Steilküste (1.008 m)
Montaña AltavistaCa. 6 km – schönster Aussichtsberg GC
Agaete / Puerto de las NievesCa. 12 km – Hafen, Botanischer Garten
ArtenaraCa. 5 km – höchstgelegenes Dorf GC, Höhlenhäuser
Charco AzulCa. 8 km – blauer Natursee im Barranco del Risco
Felsgipfel am Montaña Altavista, Naturpark Tamadaba.
Felsgipfel am Montaña Altavista, Naturpark Tamadaba.

Beste Reisezeit für die Montaña Tamadaba

JahreszeitBedingungen
Herbst (Okt–Nov)Ideal: klare Sicht, Kiefernwald leuchtend grün nach ersten Regen
Winter (Dez–Feb)Sehr gut: Pasatwolken geben frischen Charakter; Schneemöglichkeit
Frühling (Mär–Mai)Gut: Unterholz blüht, mild, lange Tage
Sommer (Jun–Sep)Passatwolken sorgen häufig für angenehmere Temperaturen als an der Küste – ideale Bedingungen zum Wandern.

Häufige Fragen zur Montaña Tamadaba

Was ist der Naturpark Tamadaba auf Gran Canaria?

Der Parque Natural de Tamadaba ist das älteste Naturschutzgebiet Gran Canarias, gegründet 1987. Er liegt im Nordwesten der Insel in der Gemeinde Artenara und ist bekannt für seinen dichten Kanarischen Kiefernwald, der bis auf 1.447 Meter Höhe reicht. Seit 2005 ist er Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Gran Canaria.

Kann man im Naturpark Tamadaba campen?

Ja – der Campingplatz Tamadaba ist einer der beliebtesten offiziellen Campingplätze Gran Canarias. Eine kostenlose Genehmigung ist beim Cabildo de Gran Canaria online zu beantragen. Wildcampen außerhalb des offiziellen Platzes ist verboten. Lagerfeuer sind im gesamten Naturpark verboten.

Welche Wanderungen gibt es im Naturpark Tamadaba?

Der Tamadaba bietet mehrere Wanderrouten: vom kurzen Aufstieg auf den Gipfel der Montaña Tamadaba (ca. 1–2 Stunden) bis zur langen Rundtour über den Roque Faneque (Ganztag). Der offizielle Sendero S-90 ist der klassische Rundweg im Massiv. Aktuelle GPS-Tracks und Routendaten bietet das Wanderportal Sunhikes.

Warum ist der Kiefernwald von Tamadaba so besonders?

Der Naturpark Tamadaba beherbergt einen der besterhaltenen Kanarischen Kiefernwälder der Insel. Die Kanarische Kiefer ist hervorragend an Waldbrände angepasst und kann nach einem Feuer erneut austreiben. Gleichzeitig fangen ihre langen Nadeln Feuchtigkeit aus den Passatwolken auf und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Wasserhaushalt Gran Canarias.

Ist die Montaña Tamadaba auch für Familien geeignet?

Ja. Rund um das Erholungsgebiet und den Campingplatz führen mehrere gut ausgeschilderte Wanderwege durch den Kiefernwald, die auch für Familien mit wandererfahrenen Kindern geeignet sind. Anspruchsvollere Touren, etwa zum Roque Faneque, erfordern dagegen eine gute Kondition und Trittsicherheit.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

www.sunhikes.com