Altar der Altkanarier: Die Montaña de Tauro auf Gran Canaria
Im Süden Gran Canarias, zwischen den tiefen Schluchten des Barranco de Soria und dem Barranco de Tauro, erhebt sich ein Berg wie ein riesiges Tafelgestell über die umliegende Landschaft: die Montaña de Tauro, 1.225 Meter hoch, ein offizielles Naturdenkmal und einer der geheimnisvollsten Orte Gran Canarias. Auf seinem flachen Gipfelplateau steht eine Trockenmauer – die sogenannte „Iglesia de los Canarios“ – die von den Altkanariern als Kultplatz genutzt wurde.

Die Nordflanke der Montaña de Tauro fällt nahezu senkrecht in den Barranco de Tauro ab. Die übrigen Flanken sind von tief eingeschnittenen Schluchten geprägt und verleihen dem Berg seine markante, tafelbergartige Gestalt. Wer das Gipfelplateau erreicht, wird mit einem der weitesten Panoramen des südlichen Hochlands belohnt: Teneriffa, Mogán, die Küste – und ein Einblick in Jahrtausende kanarischer Geschichte.
Dieser Artikel liefert alles Wissenswerte: Entstehung, Kulturgeschichte, Wanderrouten, Pflanzen und Besuchsinfos zur Montaña de Tauro.
Steckbrief: Montaña de Tauro auf einen Blick
| Typ | Tafelberg / Naturdenkmal |
|---|---|
| Lage / Gemeinde | Mogán, Gran Canaria (Südwesten) |
| Höhe | 1.225 m ü. M. |
| Schutzstatus | Monumento Natural de Tauro |
| Besonderheit | Flaches Gipfelplateau mit alter kanarischer Kulttrockenmauer |
| Flanken | Nord/West: nahezu senkrechte Abfälle ins Tal |
| Eintritt | Kostenlos |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel bis schwer – steiler Aufstieg, gutes Schuhwerk |
| Wildcampen | Verboten |
| Lagerfeuer | Verboten |
| Beste Reisezeit | Oktober bis April |
Entstehung und Geologie: Ein Tafelberg im Südwesten
Die Montaña de Tauro ist ein klassischer Tafelberg – ein Überbleibsel eines älteren Vulkankomplexes, dessen weiches Umgebungsgestein über Millionen von Jahren abgetragen wurde, während der härtere Basaltkern stehen blieb. Das Ergebnis ist ein Berg mit charakteristisch flachem Gipfelplateau und fast senkrecht abfallenden Flanken nach Norden und Westen.

Die Nordflanke
Die Nordflanke des Tauro ist eine der steilsten Bergwände im südlichen Gran Canaria. Sie fällt nahezu senkrecht in den Barranco de Tauro ab – eine Felswand, die den Berg von dieser Seite nahezu unzugänglich macht. Diese Eigenschaft machte die Montaña de Tauro für die Ureinwohner Gran Canarias zu einem idealen Rückzugs- und Kultort.
Lage im Monumento Natural de Tauro
Das Monumento Natural de Tauro umfasst den Berg und seine unmittelbare Umgebung. Es gehört zu den kleineren Schutzgebieten Gran Canarias, ist aber wegen seiner geologischen Eigenart und kulturellen Bedeutung als Naturdenkmal geschützt. Im Süden liegt das Inagua-Naturschutzgebiet, im Norden der Barranco de Tauro.

Geschichte: Die „Iglesia de los Canarios“ auf dem Gipfelplateau
Auf dem Gipfelplateau der Montaña de Tauro steht eine Trockenmauer, die von den Canarios – den Ureinwohnern Gran Canarias berberstämmiger Herkunft – errichtet wurde. Sie ist als „Iglesia de los Canarios“ (Kirche der Kanarier) bekannt – ein Name, den die späteren spanischen Siedler ihr gaben, ohne dass der Bau irgendeine Verbindung zum Christentum hat.

Ein prähistorischer Kultplatz
Archäologen interpretieren die Trockenmauer als Kultplatz der Altkanarier: ein Ort für Rituale, Versammlungen und religiöse Handlungen. Die freie Sichtbarkeit des Gipfels von weiten Teilen des südlichen Hochlands, die schwere Zugänglichkeit und das weite Panorama machen die Montaña de Tauro zu einem klassischen Merkmal altkanarischer Heiliger Stätten.
Naturschutz trifft Kulturgeschichte
Das Monumento Natural de Tauro ist eines der wenigen kanarischen Schutzgebiete, das sowohl geologische als auch kulturhistorische Bedeutung vereint. Wer das Gipfelplateau besucht, bewegt sich auf Spuren, die Jahrtausende in die Geschichte der Insel zurückreichen.

Wandern auf die Montaña de Tauro: Routen und Anforderungen
Die Wanderung auf die Montaña de Tauro gehört zu den fordernden Touren im südlichen Gran Canaria. Der Aufstieg führt über steile Pfade, die auf verschiedenen Wegen das Gipfelplateau erschließen. Ausgangspunkt der meisten Routen ist Barranquillo Andrés oder der Bereich um die Presa del Salto del Perro

Aufstieg über die Degollada de las Lapas
Der klassische Aufstieg führt über die Degollada de las Lapas – eine Passhöhe, von der aus man bereits einen ersten Ausblick auf Mogán und den Atlantik erhält. Der Weg wird steiler und felsiger je näher man dem Gipfelplateau kommt. Aktuelle Routendaten und GPS-Track bietet das Wanderportal Sunhikes.
Das Gipfelplateau
Oben angekommen empfängt ein offenes, flaches Plateau – ungewöhnlich für einen Berggipfel dieser Höhe. Die Trockenmauer der „Iglesia de los Canarios“ steht im Zentrum. Das Panorama reicht in alle Himmelsrichtungen: nach Süden die Küste und Mogán, nach Norden das Barranco-System, nach Westen Teneriffa am Horizont, nach Osten das kanarische Hochland.

Sicherheitshinweise
Die Nordflanke der Montaña de Tauro ist absolutes Sperrgebiet: Der Abbruch ist senkrecht, das Gestein teils brüchig. Auf dem Gipfelplateau strikt auf den Wegen bleiben und nicht in Richtung Nordkante gehen. Ausreichend Wasser mitbringen – das Leitungswasser Gran Canarias ist nicht trinkbar, Quellen gibt es am Berg nicht.
Flora und Fauna am Monumento Natural de Tauro
Das Naturschutzgebiet um die Montaña de Tauro beherbergt eine typische Trockenvegetation des südlichen Hochlands Gran Canarias. Der Tauro liegt in der Übergangszone zwischen dem ariden Küstenbereich und dem Kiefernwald der höheren Lagen – eine Vielfalt an Lebensräumen auf engem Raum.
Endemische Pflanzenarten
Am Berg wachsen Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis), Tabaiba und verschiedene Kleinia-Sukkulenten. Auf dem Gipfelplateau selbst ist die Vegetation karger, aber artenreich: Aeonien, Ginsterarten und windangepasste Polsterstauden besiedeln die flache Hochfläche.

Offener Kiefernwald an den Flanken
An den Südostflanken des Tauro beginnt ein offener Kanarischer Kiefernwald, der als Lebensraum für den Kanarengirlitz und verschiedene Eidechsenarten dient. Die Kanarische Eidechse ist am Wanderweg häufig zu beobachten.
Besuchsinfos: Montaña de Tauro
| Eintritt | Kostenlos |
|---|---|
| Zugang | Jederzeit |
| Wildcampen | Verboten |
| Lagerfeuer | Verboten |
| Trinkwasser | Nicht aus Leitungsnetz – eigenes Wasser mitbringen |
| Parken | Barranquillo Andrés oder Presa del Salto del Perro (GC-503) |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel bis schwer – steiler Aufstieg, festes Schuhwerk |
| Hunde | Erlaubt, an der Leine |
Anfahrt zur Montaña de Tauro
Mit dem Auto
Die Montaña de Tauro erreicht man am einfachsten mit dem Auto. Von der GC-1 nimmt man die Ausfahrt Mogán und folgt der GC-503 in Richtung Barranquillo Andrés. Dort beginnen die meisten Wanderungen auf den Gipfel. Alternativ kann man bis zur Presa del Salto del Perro weiterfahren, die ebenfalls Ausgangspunkt mehrerer Touren auf die Montaña de Tauro und in den Barranco de Tauro ist.
Mit dem Bus
Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist im Wandergebiet nur eingeschränkt möglich. Zwar wird Barranquillo Andrés von der Global-Linie 6 angefahren, die Verbindungen sind jedoch selten und für Wanderungen nur bedingt geeignet. Für den Besuch der Montaña de Tauro empfiehlt sich daher ein Mietwagen. Aktuelle Fahrpläne und Verbindungen bietet Guaguasglobal.com.
Kombinationen: Was liegt in der Nähe?
Die Montaña de Tauro lässt sich hervorragend mit dem Barranco de Tauro (Schlucht am Fuß des Berges) und der Presa del Salto del Perro (Stausee, Ausgangspunkt vieler Wanderungen) verbinden.
| Barranco de Tauro | Direkt am Fuß – wildromantische Schlucht, Wanderung möglich |
|---|---|
| Presa del Salto del Perro | Ca. 3 km – Stausee, Ausgangspunkt Majada-Alta-Wanderungen |
| Puerto de Mogán | Ca. 15 km – \u0022Kleines Venedig\u0022, Hafen, Freitagsmarkt |
| Los Azulejos | Ca. 12 km – bunte Felsformationen an der GC-220 |
| Mogán Ortskern | Ca. 10 km – Verwaltungssitz, Ausgangspunkt Wanderungen |

Beste Reisezeit für die Montaña de Tauro
| Jahreszeit | Bedingungen |
|---|---|
| Herbst (Okt–Nov) | Ideal: angenehme Temperaturen, klare Sicht bis Teneriffa |
| Winter (Dez–Feb) | Sehr gut: frisch, selten Wolken, Wandern ideal |
| Frühling (Mär–Mai) | Gut: blühende Vegetation, mild, lange Tage |
| Sommer (Jun–Sep) | Heiß im Süden – frühmorgens starten; Hochplateau etwas kühler |
Häufige Fragen zur Montaña de Tauro
Was ist die Iglesia de los Canarios auf der Montaña de Tauro?
Wie schwer ist die Wanderung auf die Montaña de Tauro?
Kann man die Montaña de Tauro mit dem Barranco de Tauro kombinieren?
Warum gilt die Montaña de Tauro als kulturhistorisch bedeutend?
Ist die Montaña de Tauro für ungeübte Wanderer geeignet?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.


