Der geheimnisvolle Chira-Tunnel: Eine kurze Rundwanderung mit großem Abenteuer

Kurze Wanderungen können unvergesslich sein – besonders dann, wenn sie durch einen fast einen Kilometer langen Wassertunnel führen. Die Rundwanderung am Chira-Stausee verbindet ein außergewöhnliches Ingenieurbauwerk mit eindrucksvollen Ausblicken auf die Bergwelt Gran Canarias und den stillen Weiler Lomo de la Palma. Die Rundwanderung am Stausee Presa de Chira hat nur 5,6 Kilometer und 209 Höhenmeter, aber ihr Herzstück ist der Trasvase-Tunnel Chira–Soria: ein Überlauftunnel, der das überschüssige Wasser aus dem Chira-Stausee in den Soria-Stausee leitet. Dunkel, still, kühl – und auf der anderen Seite wartet ein Ausblick auf Roque Nublo und Roque Fraile.

Weg durch den einen Kilometer langen Chira-Tunnel.
Weg durch den einen Kilometer langen Chira-Tunnel.

Die Route startet an der Jugendherberge am Staudamm des Chira-Sees, führt durch das Flussbett zu den Betonbauwerken des Umleitungskanals, durch den Tunnel, hinauf zum Dorf Lomo de la Palma mit seinen Höhlenwohnungen – und zurück zum Staudamm. Keine Wegmarkierung, GPS-Track empfohlen. Und: Die Tour ist nur bei trockenem Wetter möglich.

Sicherheitshinweis: Tunnel nur bei trockenem Wetter

Die Tunnel-Passage ist nur unter bestimmten Bedingungen sicher. Folgende Bedingungen machen die Route unbegehbar:

RegenTunneldurchquerung verboten – lebensgefährlich
RegenvorhersageAuch bei angekündigtem Regen: Tunnel nicht betreten
Wasserführung im BachWenn der Barranco Wasser führt: Tunnel nicht betreten
Chira-Stausee nahe ÜberlaufenTunnel nicht betreten – Gefahr steigenden Wasserspiegels
StirnlampePflicht – im Tunnel ist es komplett dunkel
Eigene VerantwortungDie Tunnel-Route ist keine offizielle Wanderstrecke
Blick über die Chira-Schlucht zur Staumauer.
Blick über die Chira-Schlucht zur Staumauer.

Wanderung Chira-Tunnel auf einen Blick

Streckenlänge5,6 km (Rundwanderung)
Schwierigkeitmoderat – trittsicher, guter Orientierungssinn, alpines Gelände
Gehzeitca. 1:45 bis 2:30 Stunden
Höhenmeter Aufstieg209 hm
Höhenmeter Abstieg209 hm
Höchster Punkt964 m (Lomo de la Palma)
Niedrigster Punkt777 m (Tunnelbereich / Flussbett)
StartpunktJugendherberge am Staudamm Presa de Chira, GC-604
WegmarkierungKeine – GPS-Track empfohlen
RoutentypRundwanderung
Beste ReisezeitNur bei trockenem Wetter – beste Zeit: Sommer und trockener Herbst
Ausrüstung BesondersStirnlampe Pflicht, wasserfestes Schuhwerk, Wasser mitbringen
BesonderheitChira-Tunnel (1 km, 20–25 Min.) + Roque Nublo Ausblick + Lomo de la Palma

Anfahrt und Startpunkt

Der Startpunkt liegt an der Jugendherberge am Staudamm des Chira-Sees an der GC-604. Von Las Palmas über GC-21 nach San Mateo, dann GC-60 und GC-604 bergauf. Von Maspalomas über San Bartolomé und GC-60. Der Parkplatz an der Staumauer ist kostenlos. Aktuelle Busverbindungen unter Guaguasglobal.com – Busverbindungen San Bartolomé de Tirajana / Chira

Die Wanderung in vier Abschnitten

Keine offizielle Wegmarkierung – GPS-Track empfohlen. Besonders auf der Suche nach dem Weg auf der anderen Tunnelseite und im Bereich Lomo de la Palma ist Orientierungsgefühl gefragt.

Abschnitt 1: Abstieg zum Tunneleingang

Von der Jugendherberge am Staudamm geht es auf der Schotterstraße wenige Meter weiter, dann an der Weggabelung rechts bergab. Beim Abstieg öffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf die großen Felsstürze vor der Staumauer. Den Kanal im Blick behalten, den man später überquert. Nach wenigen Minuten führt der Weg ins Flussbett – hier verlässt man den ursprünglichen Weg und folgt dem Schluchtbett.

Beeindruckende Felsstürze vor der Staumauer des Chira-Stausees.
Beeindruckende Felsstürze vor der Staumauer des Chira-Stausees.

Nach wenigen Metern ein bequemerer Weg, der wieder ins Flussbett führt. Dann: Betonbauwerke – der Umleitungskanal Chira–Soria. Durch die rechte Öffnung den Kanal betreten und zur Mündung des Tunnels gelangen.

Tunneleingang am Chira-Umleitungskanal.
Tunneleingang am Chira-Umleitungskanal.

Abschnitt 2: Durch den Tunnel

Der Tunnel ist etwa einen Kilometer lang und in 20 bis 25 Minuten durchquerbar. Hoch und breit – man geht aufrecht. Im Sommer fast durchgehend trocken. Auf halbem Weg: Wasser sickert aus einer Quelle – kleine Pfützen. Am Ausgang sammelt sich Wasser an einer kleinen Kante.

Im Inneren des Chira-Tunnels – vollständige Dunkelheit ohne Stirnlampe.
Im Inneren des Chira-Tunnels – vollständige Dunkelheit ohne Stirnlampe.

Im Tunnel: Stirnlampe einschalten – es ist komplett dunkel. Kein Tageslicht, keine Orientierung ohne Licht. Die Stille und das Tropfen des Wassers machen diesen Abschnitt zu einem einzigartigen Erlebnis.

Rückblick in den einen Kilometer langen Tunnel.
Rückblick in den einen Kilometer langen Tunnel.

Abschnitt 3: Nach dem Tunnel – Lomo de la Palma und Roque Nublo Ausblick

Auf der anderen Seite angekommen, einige Meter weitergehen und links nach einem Weg oder ausgeprägten Abfluss suchen, über den man leicht aufsteigen kann. Man erreicht eine Ebene und stößt auf einen gut erhaltenen Weg, der die Stauseen Chira und Soria verbindet.

Blick über die Soria-Schlucht bis zum Roque Nublo.
Blick über die Soria-Schlucht bis zum Roque Nublo.

Den Weg hinaufsteigen, nach ca. 100 Metern links abbiegen. Je höher der Weg ansteigt, desto weiter öffnet sich der Blick über das Inselinnere. Besonders markant ragen der Roque Nublo und der benachbarte Roque Fraile am Horizont auf. Zusammen mit der tief eingeschnittenen Soria-Schlucht entsteht eines der schönsten Panoramen dieser kurzen Rundwanderung. Eine weitere Schotterstraße erreichen – ca. 200 Meter bergauf, dann links auf einen Pfad abbiegen.

Blick über die Soria-Schlucht bis zum Roque Nublo.
Die Berglandschaft mit dem Barranco de Soria zählt zu den eindrucksvollsten Bergregionen Gran Canarias.

Man blickt nun auf das Dorf Lomo de la Palma – kanarische Häuser, Höhlenwohnungen in den Felswänden und ein kleiner Stausee. Das Dorf hat schon bessere Zeiten erlebt, was Einwohnerzahl und Bewirtschaftung betrifft – heute ist es still, verlassen, eindrucksvoll.

Abschnitt 4: Rückweg zum Staudamm

Die Schotterstraße wieder erreichen. Rechts zwischen zwei Steinmauern bergab. Am Ende des Abstiegs vorbei an einer weiteren Steinmauer – sie dient als Wasserbrecher oder -auffänger. Den Bach überqueren und man erreicht den bereits bekannten Betonkanal. Parallel zum Kanal weiter und die Staumauer überqueren. Zurück am Ausgangspunkt.

Der Chira-See ist einer der größten Stauseen Gran Canarias.
Der Chira-See ist einer der größten Stauseen Gran Canarias.

Der Trasvase-Tunnel: Ingenieurbauwerk im Fels

Der Trasvase-Tunnel Chira–Soria ist ein Überlauftunnel: Wenn der Chira-Stausee einen bestimmten Wasserstand überschreitet, wird das überschüssige Wasser durch diesen Tunnel in den Soria-Stausee geleitet, statt es ins Meer abzulassen. Der Tunnel gehört zum historischen Wassermanagement der Insel und ermöglicht es, überschüssiges Wasser je nach Wasserstand zwischen den beiden Stauseen umzuleiten. Dadurch werden die vorhandenen Wasserressourcen im Inselinneren effizient genutzt.

Ein Denkmal erinnert an die Bauarbeiten der Wasserverbindung zwischen Chira und Soria.
Ein Denkmal erinnert an die Bauarbeiten der Wasserverbindung zwischen Chira und Soria.

Im Sommer, wenn beide Stauseen niedrigen Wasserstand haben, ist der Tunnel begehbar. Er wurde für Wartungsarbeiten dimensioniert – daher ist er hoch und breit genug, um bequem hindurchzugehen. Die Tunnel-Passage ist keine offizielle Wanderstrecke und wird auf eigene Verantwortung unternommen.

Lomo de la Palma: Ein stilles Dorf im Hochland

Lomo de la Palma wirkt heute beinahe vergessen. Zwischen alten Natursteinhäusern, Höhlenwohnungen und ehemaligen Terrassenfeldern lässt sich noch gut erkennen, wie die Menschen früher im abgelegenen Hochland lebten. Gerade diese stille Atmosphäre macht den Ort zu einem der eindrucksvollsten Abschnitte der Tour. Das Dorf ist ein stilles Zeugnis der Hochland-Besiedlung Gran Canarias, die mit dem Bau der großen Stauseen und der damit verbundenen Abwanderung in die Städte weitgehend endete.

Beste Reisezeit

Sommer (Jun–Sep)Trockene Monate – beste Zeit für Tunnel; kein Regen, niedrige Stauseen
Herbst (Okt–Nov)Nur bei langer Trockenphase vor dem Besuch – Regen prüfen
Winter (Dez–Feb)Regenzeit – Tunnel oft nicht begehbar
Frühling (Mär–Mai)Möglich nach trockenen Wochen – Wettervorhersage prüfen

Faustregel: Mehrere trockene Tage vor der Tour, kein Regen angekündigt, niedriger Chira-Wasserstand – dann ist die Tunnel-Passage sicher.

Die tiefe Schlucht Barranco de Chira.
Die tiefe Schlucht Barranco de Chira.

Ausrüstung

StirnlampePflicht – im Tunnel komplett dunkel; Ersatzbatterien mitnehmen
SchuhwerkWasserfestes festes Schuhwerk – Pfützen am Tunnelende
WasserMindestens 0,75 Liter – kurze Tour, aber Tunnel und Hitze
GPS-TrackEmpfohlen – keine offizielle Wegmarkierung auf der Route
ReservekleidungOptional – für den Fall, dass Kleidung im Tunnel nass wird

Kombinationsmöglichkeiten

Cruz Grande → Tunnel → Soria13,9 km, schwer – die große Tunnel-Tour vom Hochland bis Soria
Cruz Grande → Chira8,6 km, moderat – Hochlandwanderung ohne Tunnel
Drei Stauseen Runde15,5 km, schwer – Chira, Soria und Las Niñas in einem Tag
Soria Chira-Rundwanderung13,3 km, moderat – Chira komplett umrunden von Soria
Berglandschaft am Cruz Grande
Berglandschaft am Cruz Grande

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:

Zur Routenseite auf Sunhikes: Wandern im geheimnisvollen Tunnel des Stausees Presa de Chira

Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:

Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps

Stirnlampe = Pflicht: Ohne Stirnlampe ist der Tunnel nicht durchquerbar. Ersatzbatterien einpacken.

Wetter 24h checken: Vor dem Start die Wettervorhersage prüfen. Kein Regen angekündigt und Stauseen niedrig – dann ist es sicher.

GPS-Track: Besonders auf der Tunnelausgangsseite ist Orientierungsgefühl gefragt. Track vorab laden.

Lomo de la Palma: Das verlassene Dorf verdient einen Moment der Aufmerksamkeit – Höhlenwohnungen und stille Häuser als Zeugen einer anderen Zeit.

Tunnel nur bei sicheren Bedingungen: Mehrere trockene Tage, keine Regenvorhersage und kein Wasser im Barranco sind die wichtigsten Voraussetzungen. Im Zweifel sollte auf die Tunnelpassage verzichtet werden.

Häufige Fragen zur Chira-Tunnel-Wanderung

Kann ich die Tour auch ohne Tunnel-Passage machen?

Ja. Wer den Tunnel nicht betreten möchte, kann die S-60-Route von Chira nach Soria nutzen oder einfach die Staumauer und den Kanal-Bereich besichtigen und umkehren. Die Gegend rund um den Chira-Stausee ist auch ohne Tunnel eindrucksvoll.

Wie dunkel ist es im Tunnel?

Komplett dunkel. Ohne Stirnlampe ist kein einziger Schritt möglich. Der Tunnel hat keine Beleuchtung. Nach den ersten Metern verschwindet das Tageslicht vollständig.

Was passiert, wenn Regen kommt, während ich im Tunnel bin?

Das kann lebensgefährlich sein. Bei Regen steigt der Wasserstand im Bachbett und im Tunnel schnell an. Man wandert auf eigene Gefahr – niemals in den Tunnel eintreten, wenn Regen angekündigt ist oder der Bach Wasser führt.

Ist der Chira-Tunnel ein offizieller Wanderweg?

Nein. Der Trasvase-Tunnel ist ein wasserwirtschaftliches Bauwerk und keine offiziell ausgewiesene Wanderroute. Die Durchquerung erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung und sollte nur bei trockenen Wetterbedingungen sowie niedrigem Wasserstand erfolgen. Ohne Stirnlampe ist eine Begehung nicht möglich.

Lohnt sich die Rundwanderung auch ohne Tunnel?

Ja. Bereits der Bereich rund um den Chira-Stausee bietet beeindruckende Ausblicke auf die Berglandschaft Gran Canarias. Wer auf die Tunnelpassage verzichtet, kann den Staudamm, den Umleitungskanal und die Aussichtspunkte erkunden. Das eigentliche Highlight der Rundwanderung bleibt jedoch die außergewöhnliche Kombination aus Tunnel, Hochlandpanorama und dem stillen Weiler Lomo de la Palma.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:

www.sunhikes.com