Vom Kiefernwald bis ans Meer: Die große Abstiegswanderung Tamadaba – Agaete

Es gibt auf Gran Canaria viele Wanderungen, die beeindrucken. Aber nur wenige führen in einer einzigen Tour durch drei völlig verschiedene Welten: vom duftenden Kiefernwald des Naturparks Tamadaba über die schroffen Steilhänge des Bergmassivs und den historischen Camino de los Romeros – bis zum Hafen Puerto de las Nieves direkt am Atlantik. Die Wanderung vom Naturpark Tamadaba nach Agaete ist eine dieser seltenen Touren, die direkt ans Meer führt. Auf Gran Canaria ist das keine Selbstverständlichkeit.

Blick vom Naturpark Tamadaba entlang der Atlantikküste bis zur Punta de Sardina.
Blick vom Naturpark Tamadaba entlang der Atlantikküste bis zur Punta de Sardina.

Die Route startet am Campingplatz Llanos de la Mimbre auf 1.220 Metern und verliert auf 10,7 Kilometern gut 1.300 Höhenmeter. Das klingt viel – und ist es auch, für die Knie. Technisch bleibt die Tour moderat: vorwiegend Pfade, gut markiert, kein Klettern. Der Lohn ist ein Panorama, das sich von den Kiefernkronen des Tamadaba-Massivs bis zum tiefblauen Atlantik erstreckt, mit Blick auf den Roque Faneque, die Montaña Bibique und die Küstenlinie bis zur Punta de Sardina.

Dieser Artikel begleitet die Wanderung Schritt für Schritt: mit Steckbrief, detaillierter Routenbeschreibung in vier Abschnitten, Geologie- und Naturkunde des Tamadaba-Massivs sowie allen praktischen Tipps für die Anreise und den Rücktransfer.

Die Berglandschaft des Tamadaba fällt vom Roque Faneque steil zum Meer ab.
Die Berglandschaft des Tamadaba fällt vom Roque Faneque steil zum Meer ab.

Wanderung Tamadaba – Agaete auf einen Blick

Streckenlänge10,7 km (Strecke, kein Rundweg)
Schwierigkeitmoderat – trittsicher, vorwiegend Pfade, gute Grundkondition
Gehzeitca. 3:30 bis 4:15 Stunden
Höhenmeter Aufstieg109 hm
Höhenmeter Abstieg1.317 hm
Höchster Punkt1.220 m (Startpunkt Llanos de la Mimbre)
Niedrigster Punkt12 m (Puerto de las Nieves, Hafen Agaete)
StartpunktCampingplatz Llanos de la Mimbre, Parque Natural de Tamadaba
EndpunktPuerto de las Nieves, Hafen von Agaete
WegmarkierungS-90, GR 131
RoutentypStrecke – Rücktransfer oder zweites Fahrzeug einplanen
SchutzstatusParque Natural de Tamadaba
Beste ReisezeitOktober bis April – mild, Zistrosen in Blüte
Wasser unterwegsKeine Quelle – mindestens 1,5 l mitnehmen
BesonderheitEine der seltenen Wanderungen Gran Canarias, die direkt ans Meer führt
Die traumhafte Wanderroute schlängelt sich entlang der Steilhänge im Naturpark Tamadaba.
Die traumhafte Wanderroute schlängelt sich entlang der Steilhänge im Naturpark Tamadaba.

Startpunkt und Rücktransfer

Der Startpunkt liegt am Campingplatz Llanos de la Mimbre im Naturpark Tamadaba. Von Las Palmas de Gran Canaria fährt man über die GC-2 Richtung Agaete. Von dort führt die GC-216 hinauf in den Naturpark Tamadaba. Kurz vor dem Campingplatz zweigt die Zufahrt nach Llanos de la Mimbre ab. Die Fahrzeit beträgt je nach Verkehr rund 70 bis 80 Minuten. Am Campingplatz stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

Mit dem Bus nach Llanos de la Mimbre: Eine direkte Busverbindung zum Campingplatz gibt es nicht. Die nächste Haltestelle ist in Agaete. Aktuelle Verbindungen auf Guaguasglobal.com – Busverbindungen Agaete / Puerto de las Nieves Von dort ist der Startpunkt per Taxi in etwa 20 Minuten erreichbar. Für Tagesausflügler aus Las Palmas oder dem Süden ist Mietwagen oder Taxi die praktischste Option.

Rücktransfer

Da die Wanderung als Streckentour endet, empfiehlt es sich, die Anreise gut zu planen. Am einfachsten ist es, das Auto morgens in Puerto de las Nieves oder Agaete zu parken und sich anschließend mit einem Taxi zum Startpunkt am Campingplatz Llanos de la Mimbre fahren zu lassen. So endet die Wanderung direkt am eigenen Fahrzeug.
Alternativ kann man mit zwei Fahrzeugen arbeiten und eines bereits am Ziel abstellen.

Die Wanderung Tamadaba – Agaete im Detail

Die Route folgt dem Wanderweg S-90 durch den Kiefernwald, wechselt dann auf den GR 131 entlang der Tamadaba-Flanke und führt schließlich auf dem Camino de los Romeros bergab ans Meer. Die Wegmarkierung ist gut, ein GPS-Track empfiehlt sich trotzdem.

Abschnitt 1: Kiefernwald und drei Stauseen

Am Campingplatz Llanos de la Mimbre beginnt die Wanderung. Die Route biegt nach links ab und trifft auf den Wanderweg S-90, der sich durch den dichten Kiefernwald schlängelt. Harzduft, gedämpftes Licht, der weiche Boden aus Kiefernnadeln – dieser erste Abschnitt ist reiner Genuss.

Kiefernwald umgibt den trocken gefallenen Stausee Presa de los Rajones.
Kiefernwald umgibt den trocken gefallenen Stausee Presa de los Rajones.

Unterwegs passiert man drei Stauseen: den Presa de los Rajones (meist ausgetrocknet, mit stiller Atmosphäre), die Presa de la Laguna (umsäumt von leuchtenden Zistrosen) und schließlich die Staumauer der Presa de la Hoya am unteren Waldrand. Jeder der drei hat seinen eigenen Charakter – zusammen erzählen sie die Geschichte der Wasserversorgung auf dieser Insel.

Wanderroute am Stausee Presa de la Laguna
Wanderroute am Stausee Presa de la Laguna

Abschnitt 2: Baumgrenze und Camino de los Romeros

Hinter der Baumgrenze öffnet sich das Tamadaba-Massiv. Die imposanten Steilwände wachsen zu beiden Seiten auf. Der Wanderweg schlängelt sich in Serpentinen durch die Steilhänge – hier beginnt der gepflasterte Abschnitt des Camino de los Romeros, eines historischen Pilgerwegs. Die alten Pflastersteine sind uneben, bieten aber sicheren Halt, wenn man die richtige Schrittlänge findet.

Der Wanderweg windet sich in Serpentinen durch die Steilhänge des Tamadaba.
Der Wanderweg windet sich in Serpentinen durch die Steilhänge des Tamadaba.

Auf diesem Abschnitt wechselt die Landschaft abrupt: Kiefernwald ist Geschichte, stattdessen ragen Basaltklippen auf, der Wind frischt auf, und der erste Blick aufs Meer tut sich auf. Die Weitläufigkeit der Nordwestküste Gran Canarias entfaltet sich hier in ihrer ganzen Größe.

Gepflasterter Camino de los Romeros im Naturpark Tamadaba.
Gepflasterter Camino de los Romeros im Naturpark Tamadaba.

Abschnitt 3: Vuelta del Palomar, Roque Faneque und Montaña Bibique

An der Vuelta del Palomar schweift der Blick bis zur Küste bei Agaete. Die schroffe Berglandschaft des Tamadaba fällt vom Roque Faneque steil zum Meer hinunter – eine der eindrucksvollsten Küstenklippen der Welt. Der felsige Gebirgskamm eröffnet immer neue Perspektiven auf das tiefblaue Wasser und die Steilwände darunter.

Bergkamm am Vuelta del Palomar
Bergkamm am Vuelta del Palomar.

In Blickweite liegt die Montaña Bibique mit ihrem charakteristischen braunen Tuffstein. Der Bergrücken bietet Ausblicke auf die Steilwände über dem Barranco de Agaete – und weiter im Verlauf auf den Montaña Amargo an der Küste und den Felssporn des Roque Bermeja an der Degollada Abejera.

Montaña Bibique an den Bergflanken des Tamadaba-Massivs.
Wanderweg am Montaña Bibique an den Bergflanken des Tamadaba-Massivs.

Abschnitt 4: Abstieg nach Puerto de las Nieves

Die Route folgt weiterhin dem Bergrücken, vorbei an Feigenkakteen und durch Wolfsmilchgewächse. Stetig bergab nähert sich der Hafen Puerto de las Nieves. An einem Dreschplatz an der Weggabelung zur Schlucht Barranco del Morro lohnt sich eine kurze Pause – dann ist das Meer fast zum Greifen nah.

Wanderpfad zwischen Gräsern mit Blick auf die Montaña de Amagro.
Wanderpfad zwischen Gräsern mit Blick auf die Montaña de Amagro.

Der letzte Kilometer führt durch typische Küstenvegetation hinunter nach Agaete und direkt zum Hafen Puerto de las Nieves. Das Ziel dieser außergewöhnlichen Wanderung: Steine, Salz, Meer. Eine Erfrischung im Hafenbecken oder ein Fischgericht im Restaurant des Hafens sind der perfekte Abschluss.

Der Puerto de las Nieves markiert das Ziel der Wanderung bei Agaete.
Der Puerto de las Nieves markiert das Ziel der Wanderung bei Agaete.

Hinweis: Parque Natural de Tamadaba

Die gesamte Wanderung verläuft durch den Parque Natural de Tamadaba. Wildcampen ist außerhalb des Campingplatzes Llanos de la Mimbre verboten. Lagerfeuer sind im gesamten Naturpark strikt untersagt. Leitungswasser ist in der Regel nicht trinkbar – Wasser vorher mitbringen. Wege bitte nicht verlassen, keinen Abfall hinterlassen.

Beste Reisezeit

Herbst (Okt–Nov)Angenehm warm, Vegetation grün, Licht ideal – sehr empfehlenswert
Winter (Dez–Feb)Kühl im Hochland, Kiefernwald intensiv grün, gelegentlich bewölkt
Frühling (Mär–Mai)Zistrosenblüte – landschaftlicher Höhepunkt; beste Saison
Sommer (Jun–Sep)Im Kiefernwald angenehm kühl; untere Abschnitte heiß – früher Start empfohlen
Montaña Bibique auf der Route Tamadaba–Agaete.
Montaña Bibique auf der Route Tamadaba–Agaete.

Ausrüstung

SchuhwerkFeste Wanderschuhe – Pflastersteine, Pfade, bei Nässe rutschig
WasserMindestens 1,5 l – keine Quelle auf der gesamten Route
SonnenschutzHut, Brille, Creme – unterhalb der Baumgrenze kein Schatten
WindschutzLeichte Jacke – Bergrücken und Klippen können windig sein
NavigationGPS-Track empfohlen – Wegmarkierung gut, vereinzelt lückenhaft
RücktransferTaxi oder zweites Fahrzeug in Puerto de las Nieves vorbuchen

Kombinationsmöglichkeiten

Kürzere VarianteCamino de los Romeros bis San Pedro: 6,9 km, 1.015 hm Abstieg – endet im Barranco de Agaete statt am Meer
Charco AzulWanderung von El Risco zum Charco Azul: 3,1 km, moderat – kurze Zusatztour am nächsten Tag
Roque FanequeRundwanderung Tamadaba zum Roque Faneque: schwer, 11,8 km – den Roque aus der Nähe erleben
Puerto de las NievesNach der Wanderung: Fischrestaurant am Hafen, Fähre nach Teneriffa, Schwimmen im Hafenbecken
Der kleine Wasserfall, der den Charco Azul mit frischem Quellwasser aus den Bergen von Tirma speist.
Der kleine Wasserfall, der den Charco Azul mit frischem Quellwasser aus den Bergen von Tirma speist.

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:

Zur Routenseite auf Sunhikes: Wandern vom Naturpark Tamadaba nach Agaete

Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:

Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps

Rücktransfer: Puerto de las Nieves ist der Hafen von Agaete. Lokale Taxis sind vor Ort oder über das Büro in Agaete buchbar. Wer mit zwei Fahrzeugen plant: eines am Hafen parken, mit dem anderen zum Campingplatz hochfahren. Die komfortabelste Lösung ist, das Auto morgens in Puerto de las Nieves oder Agaete zu parken und sich mit einem Taxi zum Campingplatz Llanos de la Mimbre bringen zu lassen. So endet die Wanderung direkt am eigenen Fahrzeug.

Campingplatz Llanos de la Mimbre: Übernachten möglich – für alle, die mit dem Sonnenaufgang starten und die Route in aller Ruhe genießen wollen.

Puerto de las Nieves: Der Hafen ist bekannt für frischen Fisch und Meeresfrüchte. Ein Tisch im Restaurant nach vier Stunden Abstieg: absolut verdient.

Früher Start: Im Sommer und Frühjahr vor 8 Uhr starten – die untere Hälfte der Route liegt in der Sonne und kann warm werden.

Mobilfunk: Im oberen Bereich des Naturparks Tamadaba ist der Handyempfang stellenweise eingeschränkt oder nicht vorhanden. GPS-Track und Kartenmaterial deshalb möglichst bereits vor dem Start offline speichern.

Blick zur Montaña Bibique mit Dreschplatz.
Blick zur Montaña Bibique mit Dreschplatz.

Häufige Fragen zur Wanderung Tamadaba – Agaete

Wie schwierig ist die Wanderung vom Naturpark Tamadaba nach Agaete?

Die Route ist als moderat eingestuft. Die Hauptherausforderung liegt im langen Abstieg von über 1.300 Höhenmetern – das belastet die Knie und erfordert Trittsicherheit. Technisch gibt es keine schwierigen Passagen. Wandernde mit regelmäßiger Übung meistern die Tour gut.

Ist die Tour auch im Sommer machbar?

Ja, das ganze Jahr. Im Sommer bleibt der Kiefernwald angenehm kühl, doch die unteren Abschnitte unterhalb der Baumgrenze können heiß werden. Empfehlung: vor 8 Uhr starten, ausreichend Wasser mitnehmen (mindestens 2 l im Sommer), Sonnenschutz nicht vergessen.

Gibt es Einkehrmöglichkeiten auf der Route?

Auf der eigentlichen Route gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Verpflegung vor dem Start mitbringen. Am Endpunkt Puerto de las Nieves warten mehrere Fischrestaurants direkt am Hafen – ein idealer Abschluss.

Warum ist diese Wanderung besonders?

Sie ist eine der wenigen Touren auf Gran Canaria, die den kompletten Höhenunterschied vom Hochgebirgswald bis ans Meer überbrückt – und das in einer einzigen Tour. Das Panorama vom Tamadaba-Massiv über den Roque Faneque bis zur Atlantikküste ist schlicht spektakulär.

Wie organisiere ich den Rücktransfer am besten?

Die einfachste Lösung ist, das Auto vor der Wanderung in Puerto de las Nieves oder Agaete zu parken und sich mit einem Taxi zum Campingplatz Llanos de la Mimbre bringen zu lassen. So endet die Tour direkt am eigenen Fahrzeug. Alternativ eignen sich zwei Autos. Da im Naturpark Tamadaba nicht überall Mobilfunkempfang vorhanden ist, sollte der Rücktransfer nicht erst unterwegs organisiert werden.

Gibt es am Startpunkt Mobilfunkempfang?

Nicht überall. Rund um den Campingplatz Llanos de la Mimbre ist der Mobilfunkempfang teilweise eingeschränkt oder fällt ganz aus. GPS-Tracks und Offline-Karten sollten deshalb bereits vor dem Start heruntergeladen werden. Wer einen Rücktransfer per Taxi plant, organisiert diesen am besten vor der Wanderung.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:

www.sunhikes.com