Im Barranco de Soria: Höhlenwohnungen, Stausee und die Cascada Bonita

Kaum eine Schlucht auf Gran Canaria hat so viele Gesichter wie der Barranco de Soria. Eine Tour durch dieses Tal ist ein komprimierter Querschnitt durch Jahrtausende Inselgeschichte: vorbei an prähistorischen Höhlenwohnungen der Canarios, durch üppige Orangengärten, über felsige Pässe – und am Ende steht die Cascada Bonita de Soria, ein Wasserfall, der nach starken Regenfällen über eine hohe Felswand stürzt und der schönste seiner Art auf der Insel ist.

Findlinge am Wasserfall Cascada Bonita
Findlinge am Wasserfall Cascada Bonita

Die Route startet im Ort Soria und folgt dem Wanderweg S-60 bergauf durch das Tal. Sie passiert die Schlucht der Cañada Grande, die Höhlenwohnungen Cueva de la Empalizada und Cueva del Péndulo, bietet einen optionalen Abstecher zum Morro de Gonzalo, führt in die Berglandschaft rund um die Presa de las Niñas und endet an der Cascada Bonita – bevor derselbe Weg zurück nach Soria führt. 12,5 Kilometer, 626 Höhenmeter, moderat.

Wanderung Barranco de Soria – Cascada Bonita auf einen Blick

Streckenlänge12,5 km (Rundwanderung)
Schwierigkeitmoderat – schwindelfrei, trittsicher, streckenweise weglos, alpines Gelände
Gehzeitca. 4:00 bis 5:00 Stunden
Höhenmeter Aufstieg626 hm
Höhenmeter Abstieg626 hm
Höchster Punkt965 m (nahe Presa de las Niñas)
Niedrigster Punkt629 m (Startpunkt Soria)
StartpunktSoria, Hauptstraße nahe S-60-Einstieg, Gemeinde Mogán
WegmarkierungS-60 – streckenweise weglos
RoutentypRundwanderung
Beste ReisezeitOktober bis April – bei Starkregen Cascada Bonita-Abschnitt unpassierbar
WasserAusreichend Proviant und Wasser für 4–5 Stunden mitbringen
BesonderheitHöhlenwohnungen + Morro de Gonzalo + Presa de las Niñas + Cascada Bonita
Findlinge am Wasserfall Cascada Bonita
Untere Fallstufe der Cascada Bonita – Ausgangspunkt der Wanderung im Barranco de Soria

Anfahrt und Startpunkt

Der Startpunkt liegt im kleinen Ort Soria in der Gemeinde Mogán. Anfahrt von Mogán über die GC-200 und dann weiter Richtung Soria – die Straße folgt der Schlucht bergauf. Das Auto parkt man an der Hauptstraße in der Nähe des Wanderweges S-60. Der Parkplatz ist kostenlos. Aktuelle Busverbindungen unter Guaguasglobal.com – Busverbindungen Mogán / Soria

Die Wanderung in vier Abschnitten

Die Route folgt dem Wanderweg S-60 – streckenweise weglos. Wer schwindelfrei ist, kann den Abstecher zum Morro de Gonzalo mitnehmen. Der Abschnitt bei der Cascada Bonita sollte bei Starkregen gemieden werden.

Ausblick über Soria.
Ausblick über Soria.

Abschnitt 1: Soria – Cañada Grande – Aufstieg ins Tal

Vom Parkplatz in Soria geht es etwa 500 Meter auf der Straße bergauf, bis man die Schlucht der Cañada Grande überquert – direkt unterhalb des späteren Wasserfalls. Hier wechselt die Straße in eine wenig befahrene Piste. Der Weg führt oberhalb des Stausees am Barranco de Soria entlang und steigt in Serpentinen an. Die Landschaft verändert sich schnell: vom hellen Dorf zur tiefen, grünen Schlucht.

Wanderweg durchs Barranco de Soria
Wanderweg durchs Barranco de Soria

Der Blick nach links: der Stausee Presa de Soria mit seinen türkisblauen Wasser liegt tief im Tal. Der Blick nach rechts: die Steilhänge des Morro de Gonzalo. Nach gut 4,5 Kilometern überquert man zum ersten Mal die Schlucht Barranco de Gonzalo.

Felsen im Barranco de Gonzalo
Felsen im Barranco de Gonzalo

Abschnitt 2: Höhlenwohnungen und Morro de Gonzalo

Nach der zweiten Schluchtquerung (ca. weitere 2,1 km) passiert man zwei der eindrucksvollsten prähistorischen Höhlenwohnungen im Soria-Tal: die Cueva de la Empalizada und die Cueva del Péndulo. Beide liegen unterhalb des Morro de Pinarete, in der Nähe des Morro de Gonzalo. Die Cueva de la Empalizada und die Cueva del Péndulo liegen nur 500 Meter voneinander entfernt und sind eindrucksvolle Zeugnisse der vorspanischen Besiedlung.

Höhlenwohnung Cueva del Péndulo im Soria-Tal.
Höhlenwohnung Cueva del Péndulo im Soria-Tal.

Optionaler Abstecher: Die Klippen des Morro de Gonzalo sind für geübte Wandernde erreichbar und bieten eine spektakuläre Aussicht über das Soria-Tal. Achtung: Der Aufstieg enthält einige unwegsamere Passagen – wer nicht schwindelfrei und trittsicher ist, sollte nur kurz in die Felslandschaft hineinwandern und umkehren.

Felsenpfad am Morro de Gonzalo
Felsenpfad am Morro de Gonzalo

Abschnitt 3: Presa de las Niñas und Cañada Grande Aussichtspunkt

Zurück auf dem Hauptweg S-60 nach links aufsteigen. Vorbei an schönen alten Bäumen erreicht man die Kreuzung mit dem Wanderweg S-60, dem man nach links Richtung Soria folgt. Nach etwas mehr als einem Kilometer führt der Weg auf eine gesperrte Straße, die zum Stausee Presa de las Niñas führt. Ein kurzer Abstecher zum Auslauf des Stausees lohnt sich – das Wasser ist bei gutem Stand türkisblau, der Kiefernwald ringsum intensiv grün.

Trockener Arm des Stausees Presa de las Niñas, Gran Canaria.
Trockener Arm des Stausees Presa de las Niñas, Gran Canaria.

Zurück auf der Straße, nach etwa 100 Metern links auf einen Pfad abbiegen, der zum Aussichtspunkt über der Schlucht Cañada Grande führt. Von hier sieht man tief in das Tal hinunter – dasselbe, das die Route am Anfang auf Höhe überquert hat. Dann zurück auf den S-60.

Grob behauene Felstreppen führen den Wanderweg S-60 durch die schroffe Berglandschaft bei Soria
Grob behauene Felstreppen führen den Wanderweg S-60 durch die schroffe Berglandschaft bei Soria

Abschnitt 4: Cascada Bonita de Soria und Rückweg nach Soria

Dem S-60 ca. 1,2 Kilometer bergab folgen. Vorbei an Höhlen und einem Felsplateau erreicht man die Cascada Bonita de Soria. Die Cascada Bonita zeigt sich oft als schmaler Wasserstreifen – nach einem kräftigen Regenguss erstrahlt sie in ihrer vollen Pracht und stürzt von der Felswand über Findlinge und Becken bergab. Vorsicht am Rand: Darunter lauert der Abgrund des großen Wasserfalls. Bei Starkregen kann der Weg an dieser Stelle unpassierbar werden.

Wanderweg durch die Felslandschaft zur Cascada Bonita.
Wanderweg durch die Felslandschaft zur Cascada Bonita.

Der Weg führt stetig bergab. Linker Hand taucht der Stausee von Soria auf, dann das Dorf. Die Vegetation wird dichter und üppiger. Schließlich erreicht man die Straße und ist wieder in Soria angekommen.

Cascada Bonita – Wasserfall über eine hohe Felswand.
Cascada Bonita – Wasserfall über eine hohe Felswand.

Die Cascada Bonita de Soria: Gran Canarias schönster Wasserfall

Die Cascada Bonita de Soria zählt zu den eindrucksvollsten temporären Wasserfällen Gran Canarias. Sie entsteht nach kräftigen Regenfällen im Inselinneren, wenn sich die Hangwässer der Hochlagen rund um Chira und die Cañada Grande sammeln und als spektakulärer Wasserfall über die steile Felswand in den Barranco de Soria stürzen. Das Wasser fällt über mehrere Felsstufen, umspült mächtige Findlinge und bildet darunter natürliche Wasserbecken – ein beeindruckendes Naturschauspiel, das jedoch nur für kurze Zeit zu erleben ist.

Im Wasserbecken der Cascada de Soria spiegelt sich das umliegende Felsmassiv.
Im Wasserbecken der Cascada de Soria spiegelt sich das umliegende Felsmassiv.

In langen Trockenperioden ist die Cascada Bonita häufig nur als schmaler Wasserstreifen sichtbar oder fällt ganz trocken. Nach ergiebigen Herbst- und Winterregen zeigt sie dagegen ihre ganze Kraft. Gerade dann ist jedoch besondere Vorsicht geboten: Der Bereich rund um den Wasserfall kann rutschig werden, Bachläufe können innerhalb kurzer Zeit anschwellen und einzelne Wegabschnitte unpassierbar sein.

Flora und Fauna: Von Orangengärten bis Kiefernwald

Der Barranco de Soria ist ein Mikrokosmos der südwestlichen Inselnatur. Im unteren Teil dominieren Orangengärten, Feigenbäume und Palmen auf alten Terrassengärten – Relikte jahrhundertelanger Landwirtschaft. Weiter oben wechselt die Vegetation zu Tabaibas, Cardonales und schließlich Kanarischen Kiefern (Pinus canariensis) rund um den Stausee Presa de las Niñas.

Die obere Fallstufe der Cascada de Soria bildet ein natürliches Biotop mit einem Wasserbecken.
Die obere Fallstufe der Cascada de Soria bildet ein natürliches Biotop mit einem Wasserbecken.

In den Höhlen des Barranco nisten Dohlen und Blaumerlen. Über den Felsformationen kreisen Turmfalken. An den Steilwänden des Morro de Gonzalo brüten Wanderfalken. Am Stausee und an der Cascada sind Kröten und Libellen heimisch.

Beste Reisezeit

Herbst (Okt–Nov)Erste Regen – Cascada Bonita beginnt zu fließen; angenehme Temperaturen
Winter (Dez–Feb)Cascada Bonita bei Regen voll – beste Jahreszeit für den Wasserfall
Frühling (Mär–Mai)Grüne Schlucht, milde Temperaturen – sehr empfehlenswert
Sommer (Jun–Sep)Heiß, trocken, Cascada meist leer – früher Start nötig
Bizarre Felsformationen säumen den Weg des S-60 – schroffe Zeugen vulkanischer Kräfte, die Gran Canarias Bergwelt bis heute prägen.
Bizarre Felsformationen säumen den Weg des S-60 – schroffe Zeugen vulkanischer Kräfte, die Gran Canarias Bergwelt bis heute prägen.

Hinweis

Bei Starkregen den Bereich um die Cascada Bonita meiden – der Weg kann unpassierbar werden.

Ausrüstung

SchuhwerkFeste Bergwanderschuhe – Serpentinen, loses Gelände, felsige Abschnitte
Wasser und ProviantFür 4–5 Stunden – keine Versorgung auf dem Weg
SonnenschutzHut, Brille, Creme – Barranco in der Sonne heiß
WindschutzLeichte Jacke – Hochbereich nahe Presa de las Niñas
RegenschutzLeichter Regenschutz – bei Regen Cascada meiden
Die Felslandschaft am Morro de Gonzalo.
Die Felslandschaft am Morro de Gonzalo.

Kombinationsmöglichkeiten

Drei Stauseen Runde15,5 km, schwer – Chira, Soria und Las Niñas in einer großen Tour
Von Soria rund um Chira13,3 km, moderat – komplette Chira-Umrundung
Soria – La Punta Ausblick9,0 km, moderat – Gipfelfels mit 360°-Blick
Presa de Soria BesuchKurzbesuch per Auto – Staumauer und Stausee ohne Wanderung
Die Presa de las Niñas liegt eingebettet in die Berglandschaft im Inneren Gran Canarias.
Die Presa de las Niñas liegt eingebettet in die Berglandschaft im Inneren Gran Canarias.

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:

Zur Routenseite auf Sunhikes: Wandern im Barranco de Soria zum Wasserfall Cascada Bonita

Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:

Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Schafe weiden entlang des Wanderwegs in der Bergland Gran Canarias.
Erodierte Felswände umrahmen die Cascada Bonita

Praktische Tipps

Wasserfall nur nach Regen: Die Cascada Bonita ist ein saisonaler Wasserfall. Wer sie in voller Pracht erleben möchte, sollte die Wanderung wenige Tage nach ergiebigen Regenfällen unternehmen. Bei anhaltendem Starkregen dagegen sollte der Bereich aus Sicherheitsgründen gemieden werden.

Morro de Gonzalo: Nur für schwindel- und trittsichere Wandernde. Der Abstecher bietet eine spektakuläre Aussicht – aber die Felspassagen sind anspruchsvoll.

Früher Start: Vor 8 Uhr aufbrechen – besonders im Sommer und Frühjahr. Der Barranco wird nachmittags heiß.

Höhlenwohnungen: Cueva de la Empalizada und Cueva del Péndulo liegen direkt am Weg. Kurz innehalten und hineinsehen – sie sind Teil einer jahrtausendealten Besiedlungsgeschichte dieses Tals.

Schafe weiden entlang des Wanderwegs in der Bergland Gran Canarias.
Schafe weiden entlang des Wanderwegs in der Bergland Gran Canarias.

Häufige Fragen zur Wanderung Cascada Bonita Soria

Wann fließt die Cascada Bonita de Soria?

Die Cascada Bonita fließt, wenn der Stausee Presa Cuevas de Las Niñas überläuft – also nach starken Herbst- und Winterregen. Die beste Zeit ist von November bis Februar nach einem Regentag. Im Sommer und in langen Trockenphasen ist der Wasserfall oft nur ein schmaler Streifen oder ganz trocken.

Was sind die Höhlenwohnungen im Barranco de Soria?

Die Cueva de la Empalizada und die Cueva del Péndulo sind natürliche Felsöffnungen, die von den Canarios, den Ureinwohnern Gran Canarias, als Wohnhöhlen und Vorratsspeicher genutzt wurden. Sie liegen im oberen Teil des Barranco de Soria, unterhalb des Morro de Pinarete, und sind Teil eines ausgedehnten Höhlensiedlungsnetzwerks im Soria-Tal.

Kann man den Morro de Gonzalo besteigen?

Der Morro de Gonzalo ist über einen Abstecher vom Hauptweg erreichbar. Der Aufstieg enthält einige unwegsamere Passagen – Schwindfreiheit und Trittsicherheit sind Voraussetzung. Wer diese nicht hat, sollte nur kurz in die Felslandschaft hineingehen und von dort die Aussicht genießen.

Warum ist die Cascada Bonita oft trocken?

Die Cascada Bonita ist kein dauerhaft wasserführender Wasserfall. Sie entsteht erst nach kräftigen Niederschlägen im Hochland von Gran Canaria, wenn sich die Hangwässer der Cañada Grande und der umliegenden Bergregion sammeln. Während längerer Trockenperioden bleibt das Felsband häufig trocken oder führt nur wenig Wasser.

Lohnt sich die Wanderung auch ohne Wasserfall?

Ja. Auch wenn die Cascada Bonita trocken ist, gehört die Tour zu den abwechslungsreichsten Wanderungen im Soria-Tal. Die Kombination aus alten Höhlenwohnungen der Canarios, den weiten Ausblicken über den Barranco de Soria, den markanten Felsformationen und der Berglandschaft rund um die Presa de las Niñas macht die Route das ganze Jahr über lohnenswert.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:

www.sunhikes.com