Durch die Tauro-Schlucht ans Meer: Gran Canarias dramatischste Abstiegsstrecke

Man beginnt auf 1.170 Metern Höhe mit einem weiten Blick über den Südwesten Gran Canarias. Man endet auf sieben Metern – am Meer, an der Playa de Tauro. Dazwischen: eine der eindrucksvollsten und am wenigsten begangenen Schluchten der Insel. Die Wanderung vom Tauro-Massiv durch den Barranco de Tauro führt 20,1 Kilometer durch Kiefernwald, über den Lapas-Pass, an verlassenen Fincas vorbei, durch das enge Schluchtbett mit Wasserlöchern und Felswänden – und schließlich zur Playa de Tauro.

Der Schluchtverlauf des Barranco de Tauro – Gran Canaria.
Der Schluchtverlauf des Barranco de Tauro – Gran Canaria.

544 Höhenmeter Aufstieg, 1.451 Höhenmeter Abstieg, schwer. Das ist eine der wenigen Wanderungen auf Gran Canaria, die buchstäblich von der Bergwelt in die Küstenwelt führt – und das in einem einzigen Tag. Die Route ist als Strecke konzipiert: Sie endet an der Playa de Tauro. Der Rücktransfer per Taxi (ca. 50 €) ist unverzichtbar.

Diese Tour ist für erfahrene Bergwandernde, die Orientierungsgefühl und Ausdauer mitbringen. Im Barranco de Tauro ist der Weg streckenweise weglos – ein GPS-Track ist Pflicht.

Der Aufstieg ins Bergmassiv des Tauro bietet einen Blick bis zur Nachbarinsel Teneriffa.
Der Aufstieg ins Bergmassiv des Tauro bietet einen Blick bis zur Nachbarinsel Teneriffa.

Wichtiger Hinweis: Rücktransfer ist Pflicht

Diese Wanderung ist keine Rundtour, sondern endet an der Playa de Tauro. Ein Rückweg über dieselbe Strecke ist aufgrund der Länge sowie der rund 1.450 Höhenmeter Gegenanstieg nur in Ausnahmefällen sinnvoll.
Deshalb empfiehlt es sich, bereits vor dem Start ein Taxi zu reservieren oder ein zweites Fahrzeug am Ziel abzustellen. So lässt sich die Tour ohne zusätzlichen organisatorischen Aufwand genießen.

Wanderung Barranco de Tauro auf einen Blick

Streckenlänge20,1 km (Strecke – kein Rundweg)
Schwierigkeitschwer – schwindelfrei, trittsicher, streckenweise weglos, gute Kondition
Gehzeitca. 6:45 bis 7:45 Stunden
Höhenmeter Aufstieg544 hm
Höhenmeter Abstieg1.451 hm
Höchster Punkt1.170 m (Tauro-Massiv)
Niedrigster Punkt7 m (Playa de Tauro)
StartpunktAusgeschilderter Ausgangspunkt GC-605/GC-200, ca. 1,1 km ab Kreuzung
EndpunktPlaya de Tauro – Rücktransfer Taxi ca. 50 €
WegmarkierungKeine – GPS-Track Pflicht
RoutentypStrecke
SchutzstatusMonumento Natural de Tauro
Beste ReisezeitOktober bis April – Sommer extrem heiß
WasserMindestens 3 Liter – lange Tour ohne Versorgung
BesonderheitLapas-Pass + Felisia-Ebene + Barranco de Tauro (streckenweise weglos) + Playa de Tauro

Anfahrt und Rücktransfer

Startpunkt: Der ausgeschilderte Ausgangspunkt liegt an der GC-605 im Hochland des Tauro-Massivs. Von Mogán folgt man der GC-605 rund 8,5 Kilometer bergauf bis zur Kreuzung. Dort rechts Richtung Barranquillo Andrés abbiegen. Nach etwa 1,1 Kilometern befindet sich der Startpunkt auf der rechten Straßenseite.
Rücktransfer: Da die Wanderung als Streckenroute an der Playa de Tauro endet, sollte der Rücktransport bereits vor Tourbeginn organisiert werden. Am unkompliziertesten ist ein vorbestelltes Taxi, alternativ kann ein zweites Fahrzeug am Endpunkt abgestellt werden.
Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist für diese Tour praktisch nicht geeignet. Die Busverbindungen sind für eine Streckenwanderung dieser Länge und Lage nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Die Wanderung in fünf Abschnitten

Kein offizieller Wanderweg – GPS-Track ist unverzichtbar. Besonders im Barranco de Tauro ist Orientierungsgefühl gefragt.

Abschnitt 1: SL-2 und Aufstieg durch Kiefernwald

Vom Ausgangspunkt dem gepflasterten SL-2 ca. 120 m folgen, dann links abbiegen. Ca. 1,9 km steil bergauf durch Kiefernwald bis zur Geländekante. An der Weggabelung nach ca. 2 km rechts abbiegen. Der Abstieg in die Lapas-Schlucht beginnt. Über die karge Hochebene hinunter zum Rastplatz und Aussichtspunkt an der Degollada de las Lapas. Schöner Blick in den Barranco de Mogán.

Das westliche Hochplateau des Montaña de Tauro breitet sich karg und weit aus.
Das westliche Hochplateau des Montaña de Tauro breitet sich karg und weit aus.

Abschnitt 2: PR-GC 45 und Felisia-Ebene

In der Lapasschlucht links abbiegen und dem PR GC-45 Richtung Degollada de Cortadores folgen. Durch die Schlucht Barranco de Taurito (oberer Teil). Dann auf die Hochebene der Felisia-Ebene – ein weites, stilles Plateau im Herzen des Massivs. Der Weg ist gut ausgebaut und offiziell ausgeschildert.

Wanderweg entlang der Lapasschlucht.
Wanderweg entlang der Lapasschlucht.

Vom Bergrücken zwischen Barranco de Taurito und Barranco de Tauro: herrliches Panorama über den Südwesten. Dann beginnt der Abstieg ins Schluchtbett.

Hinter der Hochebene öffnen sich zerklüftete Schluchten.
Hinter der Hochebene öffnen sich zerklüftete Schluchten.

Abschnitt 3: Barranco de Tauro – die Schlucht

Der Abstieg in den Barranco de Tauro ist der Kern dieser Tour. Die Schlucht ist eine der eindrucksvollsten und am wenigsten bekannten Gran Canarias. Der Weg ist, abgesehen von kurzen Abschnitten, gut zu erkennen – aber es gibt streckenweise weglose Abschnitte. Der GPS-Track ist hier unverzichtbar.

Wanderung durch die Tauro-Schlucht.
Wanderung durch die Tauro-Schlucht.

Kilometerlang begleiten senkrechte Felswände. Immer wieder passiert man Wasserlöcher – bei Regen sind sie gefüllt, bei Trockenheit still. Stellenweise verläuft der Weg im Flussbett auf steinigem Untergrund. In der Schlucht befinden sich zwei Berge – Montaña de Salobre und Montaña Lajas de Medina – mit zahlreichen Höhlen.

Wasserbecken im zerklüfteten Barranco de Tauro.
Wasserbecken im zerklüfteten Barranco de Tauro.

An einem schwierigen Abschnitt überquert man oberhalb eines meist trockenen Wasserfalls den Schluchtrand. Weiter auf der Piste in die Schlucht hinein. Am Ausgang: ein gesichertes Tor – es verhindert den Weitergang auf dem Feldweg. Hier ist eine kurze Kletterpartie nötig. Ca. 10 m weiter führt ein schlecht markierter Pfad auf die andere Seite der Schlucht, um den kleinen Damm zu umrunden. GPS-Track genau befolgen.

Abschnitt 4: Dorf Tauro und verschlossenes Tor

Ab der Schluchtquerung wird der Weg leichter zu finden. Nach einem Aufstieg und einem Stück auf einer Piste liegt links eine Finca – rechts weitergehen. Auf der Straße nach Tauro befindet sich vor der Ortschaft eine Schranke mit Verbotsschild – in Laufrichtung nicht sichtbar. Ca. 1.200 m vor Ende der Route passiert man das Tor.

Unterquerung der Autopista del Sur auf dem Weg zur Playa de Tauro.
Unterquerung der Autopista del Sur auf dem Weg zur Playa de Tauro.

Alternative zum Tor: Beim Campingplatz rechts abbiegen und entweder dem Kanal unter der Autobahn folgen oder über den zweiten Kanal oberhalb der Autobahn zum kleinen Kreisverkehr der Wohnsiedlungen gehen.

Abschnitt 5: Playa de Tauro

Durch die Siedlung ca. 1,2 km bergab. Dann die Küstenstraße bei Playa de Tauro – der Strand liegt direkt vor einem. Wer möchte, läuft noch zu den Strandbars für ein kühles Getränk. Dann: Taxi zurück zum Ausgangspunkt.

Playa de Tauro, Ziel der Wanderung.
Die Playa de Tauro – das Ziel dieser langen Wanderung.

Nach fast 7 bis 8 Stunden und über 20 Kilometern: Füße ins Wasser. Das ist das Ende dieser außergewöhnlichen Tour.

Der Barranco de Tauro: Unbekannt und unberührt

Der Barranco de Tauro ist einer der am wenigsten bekannten Schluchten Gran Canarias – und das, obwohl er eine der begehbarsten ist. Über viele Kilometer ist der Weg klar und einfach. Die Schlucht öffnet sich an mehreren Stellen zu Panoramablicken – und engt sich an anderen zu engen Gängen zwischen senkrechten Felswänden.

Diese Unbekanntheit macht den Barranco de Tauro zu einem der letzten wilden Orte des Inselinneren. Keine Wanderzeichen, keine Touristen, keine Infrastruktur – nur Fels, Licht und Stille.

Flora und Fauna

Die Tour führt durch mehrere Vegetationszonen: Kiefernwald und Tabaibas im oberen Bereich, karge Schluchtvegetation mit Wolfsmilch, Feigenkaktus und Aeonium im mittleren Bereich. An den Wasserlöchern gedeihen Schilf und Farne. In den Höhlen nisten Dohlen und Blaumerlen. Über der Schlucht kreisen Wanderfalken

Schilf und Gräser behaupten sich im trockenen Bachbett des Barranco de Tauro.
Schilf und Gräser behaupten sich im trockenen Bachbett des Barranco de Tauro.

Beste Reisezeit

Herbst (Okt–Nov)Erste Regen – Wasserlöcher gefüllt; angenehme Temperaturen
Winter (Dez–Feb)Kühl, gute Bedingungen – ideal
Frühling (Mär–Mai)Milde Temperaturen, mögliche Grünfärbung der Schlucht – schön
Sommer (Jun–Sep)Extrem heiß – nur mit sehr frühem Start, viel Wasser; nicht empfohlen
Wanderroute ins Barranco de Tauro.
Wanderroute ins Barranco de Tauro.

Ausrüstung

SchuhwerkFeste Bergwanderschuhe – Schluchtbett, Flussbett, felsige Abstiege
WasserMindestens 3 Liter – sehr lange Tour ohne Versorgung
GPS-TrackPflicht – streckenweise weglos im Barranco
SonnenschutzHut, Brille, Creme – Felisia-Ebene und Küstenteil kaum Schatten
ProviantFür 6:45–7:45 Stunden – kein Restaurant auf der Strecke
RücktransferTaxi vorbuchen oder zweites Fahrzeug an der Playa de Tauro
Blick in den Barranco de Mogán von der Degollada de las Lapas.
Blick in den Barranco de Mogán von der Degollada de las Lapas.

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track – inklusive Höhenprofil, Wegpunkte, GPX-Download – findet man auf der Routenseite bei Sunhikes:

Zur Routenseite auf Sunhikes: Wanderung vom Montaña de Tauro durch das Barranco de Tauro

Wer die Route individuell anpassen möchte, kann das im 3D-Routenplaner von Sunhikes tun:

Eigene Route planen – 3D-Routenplaner von Sunhikes

Praktische Tipps

GPS-Track Pflicht: Im Barranco de Tauro ist der Weg streckenweise weglos. Ohne GPS-Track verliert man die Route. Track vorab offline laden – kein Mobilnetz in der Schlucht.

Schranke am Schluchtausgang: Kurz vor Tauro können Schranken oder verschlossene Tore den direkten Weiterweg einschränken. Die im GPS-Track eingezeichnete Umgehung über den Kanal beziehungsweise den Campingplatz hat sich in der Praxis bewährt und sollte bei Bedarf genutzt werden.

Früh starten: Vor 7 Uhr aufbrechen – 6:45 bis 7:45 Stunden Gehzeit plus Pausen bedeuten: Wer zu spät startet, kommt in der Mittagshitze in der Schlucht an.

Taxi vorbuchen: Den Taxiservice vor dem Start buchen. Taxifahrer am Tauro sind erfahren und zuverlässig – die Tour endet sonst am falschen Ende ohne Rückweg.

Anfahrt: Der Startpunkt liegt abgelegen im Tauro-Massiv und wird über die GC-605 erreicht. Die schmale Bergstraße ist kurvenreich, aber mit einem normalen Pkw gut befahrbar. Für die Anfahrt ausreichend Zeit einplanen.

Häufige Fragen zur Barranco de Tauro Wanderung

Warum ist der Barranco de Tauro so unbekannt?

Der Barranco de Tauro hat keine offizielle Wegmarkierung und keine touristische Infrastruktur. Er ist tief im Südwesten Gran Canarias, abseits der großen Wanderzentren. Das macht ihn zu einem Geheimtipp für erfahrene Bergwandernde – und zu einem der wenigen wirklich unberührten Orte der Insel.

Wie schwierig ist das gesicherte Tor?

Das Tor am Ausgang der Schlucht erfordert eine kurze Kletterpartie – nichts Technisches, aber etwas Geschick. Ca. 10 m weiter führt ein schlecht markierter Pfad um den kleinen Damm. Die GPS-Track-Route beschreibt beide Optionen (über Tor oder über Campingplatz-Alternative).

Kann man die Route auch in die andere Richtung gehen?

Theoretisch ja – von der Playa de Tauro bergauf. Das wäre aber bedeutend anstrengender: 1.451 hm Aufstieg statt Abstieg. Die Strecke ist in der beschriebenen Richtung (bergab zur Küste) deutlich schöner und weniger ermüdend.

Benötige ich für diese Wanderung zwingend einen GPS-Track?

Ja. Vor allem im Barranco de Tauro verläuft die Route teilweise ohne offizielle Wegmarkierung und abschnittsweise sogar weglos. Ein offline gespeicherter GPS-Track ist deshalb für eine sichere Orientierung dringend zu empfehlen.

Ist die Wanderung trotz überwiegendem Abstieg körperlich anspruchsvoll?

Ja. Obwohl der größte Teil der Strecke bergab führt, beanspruchen die 20 Kilometer Wegstrecke und rund 1.450 Höhenmeter Abstieg Knie und Muskulatur erheblich. Hinzu kommen mehrere Gegenanstiege, felsige Passagen und längere Abschnitte ohne Schatten. Die Tour eignet sich deshalb nur für Wandernde mit guter Kondition und Erfahrung auf langen Bergstrecken.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Juli 2026.

Weiterführende Informationen zu Gran Canaria und seinen Wanderwegen finden sich auf Sunhikes, dem Wanderportal mit detaillierten Beschreibungen aller Touren der Insel:

www.sunhikes.com